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ADC 2022

ADC: Angst fressen Seele auf

„Der Wunsch": Die Penny-Weihnachtskampagne 2021 dominierte den ADC-Wettbewerb 2022 – Foto: Serviceplan

Das ADC Festival ruft in diesem Jahr sowohl bei den Verantwortlichen als auch bei den Vereinsmitgliedern und Besuchern keine allzu positiven Erinnerungen hervor. Kein Wunder, wenn die Angst überwiegt, meint MEEDIA-Redakteurin Claudia Bayer.

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Das ADC Festival 2022 ist nun auch wieder Geschichte. Und zwar eine Zwiegespaltene. Auf der einen Seite ist da der Kongress, der wahrlich mit einem spannenden Programm lockte und auch hielt, was versprochen wurde. So weit, so gut. Wäre da nicht das Festival gewesen, der Kreativwettbewerb, von dem ADC-Präsidentin Dörte Spengler-Ahrens (O-Ton) behauptet, er sei der wichtigste Kreativaward nach den Cannes Lions – zumindest aus deutscher Sicht.

Der ADC hätte bei der Planung für das Comeback 2022 viel mutiger sein müssen, findet MEEDIA-Redakteurin Claudia Bayer – Illustration: Bertil Brahm

Was ging bei der Planung schief? Die zeitliche Nähe zur OMR konnte es nicht gewesen sein. Als der ADC vor einem Jahr (laut ADC-Geschäftsführer Klaus Gräff) mit der Planung für 2022 begonnen hatte, konnte niemand wissen, wie groß Philipp Westermeyer und sein Team die Veranstaltung aufziehen würden. Es konnte auch niemand wissen, wie es dann mit den Corona-Regeln aussieht. Aber: Dass der ADC so ängstlich vorgeht – das war doch wirklich nicht nötig. Klar kam am Ende noch das Pech dazu, dass wegen technischer Schwierigkeiten die ursprüngliche Location Hamburger Bucht durch den übersichtlichen, also viel zu kleinen, Resonanzraum im Bunker getauscht werden musste. Doch irgendwie passte das zu allem, was anscheinend das ganze Jahr der Planung überschattet hatte: Lass es uns klein halten – wegen Corona.

Dabei wäre die Chance auf ein fulminantes Live-Comeback für den ADC nach zwei Jahren so groß gewesen. So viele Einreichungen wie seit zehn Jahren nicht. Arbeiten, die von Dörte Spengler-Ahrens insbesondere auch deshalb gelobt wurden, weil sie eben keine Kreationen für NGOs waren, sondern für „echte“ Kunden. Also eigentlich ein Grund zum Feiern. Stattdessen: 250 Gäste beim Public Viewing, jeder zwei Getränke und ’ne Kleinigkeit zum Essen auf die Faust für 49 Tacken. Da kam Unmut auf. Der ob der wenig ambitionierten und von schlechter Tonqualität durchzogenen Gala-Show übrigens nicht kleiner wurde.

Comeback geht anders. Comeback geht – auch wenn der Vergleich hinkt – wie OMR. Comeback geht – und der Vergleich hinkt nicht (Dörte Spengler-Ahrens hat ihn schließlich selbst ins Spiel gebracht) – wie Cannes Lions. Auch die finden in diesem Jahr wieder wie vor Corona statt.

Klar, es gibt einen gravierenden Unterschied: zwei Unternehmen versus einen gemeinnützigen Verein. Aber im Vereinsgesetz steht nicht, dass man nichts wagen darf. Eine Mitgliederabstimmung hätte doch bestimmt (auch wenn das Spekulation ist) ergeben: Lasst uns groß planen! Lasst uns wieder Kampnagel aufmischen! Lasst uns feiern! Sollte eine solche Abstimmung erfolgt sein, kann das nur bedeuten, dass nicht nur in der Geschäftsstelle in Berlin, sondern bei allen ADC-Mitgliedern die Angst die Seele des Festivals aufgefressen hat. Kein gutes Zeichen für eine Branche, die von ihren Kunden mehr Mut einfordert. Wer das tut, muss zuerst selbst mutig sein.

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