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Knackpunkt Kartellamt

Funke und Burda streben erneut Vermarktungs-Allianz an

Dirk Wiedenmann

Dirk Wiedenmann – Foto: Funke

Die Funke Mediengruppe und Hubert Burda Media versuchen erneut, große Teile ihrer Werbevermarktung zusammenzulegen. Angeblich gibt es hierzu bereits Vorgespräche mit dem Kartellamt.

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Die Gerüchte über einen erneuten Anlauf von Hubert Burda Media und der Funke Mediengruppe, ihre Werbevermarktung zusammen zu legen, gibt es schon seit Monaten. Dirk Wiedenmann, Vermarktungschef der Funke Mediengruppe erklärte hierzu Anfang Juni im MEEDIA-Interview: „Wie man hört, reden die Verlage immer mal wieder miteinander, um ihre Optionen auszuloten. Das ist verständlich. Denn die Vermarktungssituation in insgesamt fallenden Märkten wird für die Verlage nicht leichter.“ 

Jetzt starten beide Unternehmen wohl einen weiteren Anlauf, ihre Vermarktungsorganisationen zusammen zu rücken, berichtet das Fachblatt „Horizont„. Das wäre verständlich. Denn die konjunkturelle Lage in Deutschland hat sich mit dem Ukraine-Krieg massiv verschlechtert. Die Konsumflaute der Verbraucher trifft die Unternehmen, die Inflation nimmt zu. Da halten die Werbetreibenden ihre Budgets zurück. Das wirkt sich wiederum negativ auf die Vermarkter aus, die verstärkt unter Druck geraten.

In diesem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld hoffen die Vermarkter, dass die Kartellbehörde ein mögliches Joint-Venture durchwinkt. Dabei ist es aber notwendig, dass die Behörde ihre Marktdefinition überdenkt: „Immer mehr Werbekunden schalten hier weniger Anzeigen in Print, sondern werben gattungsübergreifend. Das heißt aus Sicht dieser Kunden sind die unterschiedlichen Gattungen durchaus austauschbar. Daher wäre es aus Marktsicht angebracht, wenn das Kartellamt den Werbemarkt insgesamt neu definiert. Wäre dies der Fall, könnte dieser Schritt größere Vermarktungsbündnisse erleichtern“, sagte Wiedenmann gegenüber MEEDIA.

Starre Haltung der Wettbewerbshüter

Ob die deutsche Kartellbehörde für das Fusionsvorhaben der beiden Verlage ihr Okay gibt, ist aber äußerst fraglich. Zwar sind Print und TV-Märkte grundverschieden. Dennoch stößt derzeit der TV-Riese RTL in Frankreich bei der geplanten Verschmelzung der Sender M6 und TF1 auf eine große Gegenwehr der Wettbewerbshüter. Der Grund: Hier vertritt das Kartellamt zum Unmut von Bertelsmann-Chef Thomas Rabe weiterhin eine starre Haltung bei der Marktabgrenzung und lässt die Marktveränderungen durch die US-Techriesen Google, Meta & Co. außer Acht. Folgt das Kartellamt in Deutschland der Markansicht der Kollegen, könnte nun auch das erneute Fusionsvorhaben von Funke und Burda im Sande verlaufen. 

Burda erklärt zum erneuten Anlauf auf MEEDIA-Anfrage: „Gerade angesichts der weiter gewachsenen Dominanz US-amerikanischer Technologieplattformen auf dem Werbemarkt in Deutschland sehen wir als Verlagsbranche die zwingende Notwendigkeit, uns durch kooperative Strategien und in gemeinschaftlichen Strukturen zu stabilisieren. Nur wenn es uns gelingt, unsere Kräfte im Rahmen der kartellrechtlichen Grenzen zu konzentrieren, haben wir eine Chance, unsere wichtige journalistische Aufgabe in Politik und Gesellschaft auch zu erfüllen. Zu laufenden Verfahren kommunizieren wir nicht.“ Ein Funke-Sprecher hierzu. „Zu laufenden Verfahren äußern wir uns grundsätzlich nicht.“

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