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Wochenrückblick

„Layla“-Verbot, Intendantinnen-Ärger und Bohlen-Comeback

Viel los in Medienhausen: Ein Sauflied sorgt für eine Sexismus- und Cancel-Debatte. RBB-Intendantin Patricia Schlesinger sucht den Besteckkasten für Krisenkommunikation. Dieter Bohlen feiert sein RTL-Comeback. Und GPS politisiert den „Stern“. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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„Ich hab‘ ’nen Puff und meine Puffmama heißt Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler
La-la-la-la-la-la-la-Layla
La-la-la-la.“

Tja. Wegen dem Bums-Schlager „Layla“ der Interpreten DJ Robin und „Schürze“ ist eine Diskussion zu Sexismus entbrannt. Das Sauflied wurde von irgendeiner Kirmes in Würzburg und vom kommenden Oktoberfest verbannt. Ein kurzzeitiges „Layla“-Verbot in Düsseldorf wurde wieder zurückgenommen – so der aktuelle Stand. Sogar der Bundesjustizminister sah sich genötigt, einen Kommentar in Sachen „Layla“ abzugeben:

Wo er recht hat … als Boomer habe ich bei den ersten Schlagzeilen zum Thema gedacht: „Hä? Wieso wollen die den alten Clapton-Song verbieten.“ Erst später dämmerte es mir, dass es hier um eine ganz andere „Layla“ geht. Im Video wird besagte Puffmutter übrigens von einem augenscheinlich männlichen Darsteller mit Perücke gespielt. Insofern vielleicht auch ein Beitrag zur Diversity?

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Beim RBB gibt es gerade mächtig Ärger. Intendantin Patricia Schlesinger muss nun plötzlich den Besteckkasten für Krisenkommunikation finden. Offenkundig ist sie noch auf der Suche nach der richtigen Schublade. „Business Insider“ hat zuerst über dubiose Beraterverträge berichtet. Schlesinger und RBB-Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf sollen nachlässig mit den Compliance-Regeln der ARD-Anstalt umgegangen sein. Außerdem wurde berichtet, dass Schlesinger des öfteren dienstliche Empfänge bei sich zuhause abgehalten habe. Dabei seien Rechnungen nachträglich verändert worden. Schlesinger und der RBB haben die Vorwürfe zurückgewiesen und rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung angekündigt. Der Fall soll aber natürlich transparent aufgearbeitet werden. Die „Welt“ zitiert aus einem internen Video-Meeting, bei dem Schlesinger Whistleblower aus den eigenen Reihen kritisiert haben soll. Die Personalratsvorsitzende des RBB, Sabine Jauer, bemängelt den bisherigen Umgang der Intendantin und ARD-Vorsitzenden mit der Sache. Die Vorwürfe seien pauschal zurückgewiesen und nicht sachlich entkräftet worden. Der Generalverdacht gegenüber Mitarbeitern habe „mit Drohungen und Anwürfen ein Klima der Angst“ erzeugt. Ich kann nicht beurteilen, inwieweit die Vorwürfe bezüglich der Beraterverträge zutreffend sind oder wie shady die Dinner im Hause Schlesinger waren. Aber die Vorwürfe sind durchaus so schwerwiegend, dass ein allgemeines Abstreiten und schnelles Aufbieten von Medienanwälten nicht sehr souverän wirkt. Auch dass Frau Schlesinger gegenüber der Belegschaft die Weitergabe von Informationen an Medien als „Akt der Illoyalität“ brandmarkt, ist kommunikativ mindestens ungeschickt. Was man sicher sagen kann, ist, dass diese Geschichte noch nicht durch ist.

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Manchmal kommen sie wieder. RTL hatte sein Sendergesicht Dieter Bohlen unlängst in die Wüste geschickt. Der zotige Dieter passte nicht mehr so recht zum neuen, bunten Wohlfühl-RTL. Stattdessen übernahm Florian Silbereisen die Casting-Show „DSDS“. Im Podcast „Baywatch Berlin“ sagte Jakob Lundt angesichts der Retro-Wut beim RTL neulich, RTL könne ja schwer Retro-„DSDS“ machen. Weil das ja seit 20 Jahren laufe. Turns out: Sie können es doch! Nun kommt Onkel Dieter also nächstes Jahr zurück. Irrer Plot-Twist des Senders: Die 20. Staffel wird dann auch die letzte sein. Man versucht also mit Bohlen-Buzz noch einmal Quote zu machen und hofft, dass man sich bis dahin was überlegt hat, womit die vielen Sendeplätze gestopft werden können, die bislang von „DSDS“ bespielt wurden. Wie wäre es mit „Murmel Mania XXL“?

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Der „Stern“ wird vom neuen Chef Gregor Peter Schmitz (GPS) in zunehmend politische Fahrwasser gesteuert. Jetzt hat man sich dort sogar schon den Photoshop-Praktikanten von Gabor Steingart ausgeliehen.

Das war jetzt unnötig fies, denn bei Steini sind selbstverständlich, wie auch beim „Stern“, absolute Photoshop-Profis am Werk, um diese allseits beliebten Politiker-Collagen zu erstellen. Auf Twitter gab es gleich wieder Haue für das Cover, weil das allzu plump populistische „Die da oben“-Reflexe bediene. Ja, naja. Kann man so sehen. Andererseits muss man zugeben, dass GPS tatsächlich für gewisse Akzente hin zum Politischen auf dem „Stern“-Cover sorgt. Immerhin: Nach zwei Minusrekorden in Folge zeigten die harten Verkaufszahlen für einige der ersten GPS-„Sterne“ (Söder, Lindner und die Queen auf dem Cover) nach oben. Print im Allgemeinen und der „Stern“ im Besonderen können jede gute Nachricht gebrauchen.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast „Die Medien-Woche“ spreche ich mit Christian Meier von der „Welt“ über den Berater-Ärger für RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, es geht natürlich um Puffmutter „Layla“, Dieter Bohlen und die neuesten Wendungen in der Elon-Musk-Twitter-Saga. Es freut mich, wenn Sie reinhören!

Korrektur-Hinweis: In einer früheren Version habe ich hier geschrieben, dass die Verkaufszahlen für die „ersten beiden GPS-‚Sterne'“ mit Söder und Lindner auf dem Cover wieder nach oben zeigten. Dabei war zwischen dem Söder und dem Lindner-Cover noch das mit dem Thron-Jubiläum der Queen, das ich übersehen hatte. Danke an GPS für den freundlichen Hinweis, gelobe Besserung!

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