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Wochenrückblick

„Selbst auf dem Bau geht’s ehrlicher zu als unter Chefredakteuren“

Die Springer-Führung rückt beim Diversity-Training ein. Verlags-Erbe Konstantin Neven DuMont ist froh, mit der Medienbranche nix mehr zu tun zu haben. Peer Kusmagk wünscht sich eine empathische Dschungelcamp-Moderation. Und Ösi-Mogul Wolfgang Fellner macht einen erstaunlichen Widerruf. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Da hat das Medien-Fachmagazin „Financial Times“ diese Woche ja mal richtig hingelangt. Der Artikel zu Hintergründen der Causa Reichelt, die ja längst eine Causa Döpfner ist, hat es in sich. Und bei Springer haben sie intern eine Menge zu (er)klären. Nach außen sagt man ja lieber nix mehr dazu. Außer, dass der „FT“-Artikel angeblich ganz sicher ein total falsches Bild zeichne und so weiter. Damit alles wieder gut wird, sollen sich die Springer-Führungskräfte jetzt einem Diversity- und Inklusions-Training unterziehen. Der Vorstand war wohl schon da. Das ist mal ein Termin, bei dem ich sehr gerne als unsichtbarer Geist unter der Decke geschwebt wäre: Mathias Döpfner beim Diversity-Training. Nächsten Montag ist dann BDZV-Delegiertenversammlung. Nicht vorstellbar, dass das Thema „FT“-Artikel da nicht auch auf den Tisch kommt. Die Funke-Gruppe reitet als Ouvertüre schon mal eine neuerliche Attacke gegen Döpfner als BDZV-Präsidenten. Wenn Funke-GF Christoph Rüth es ernst meint, müsste er aber mal selbst in die Bütt und seine Ambitionen aufs Präsidenten-Amt deutlich machen. Ob das passiert? Ich glaub’s, wenn es soweit ist.

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Der frühere DuMont-Vorstand Franz Sommerfeld hat auf Facebook eine Social-Media-Kachel mit einem Döpfner-Zitat aus dem „FT“-Artikel geteilt. Darunter kommentiert hat u.a. DuMont-Erbe Konstantin Neven DuMont, der nach einigen Irrungen und Wirrungen der Medien-Branche den Rücken gekehrt hat und seit geraumer Zeit lieber in Immobilien macht:

Schon OK. Aber was heißt denn hier „selbst“?

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Wir schalten um in den RTL-Dschungel. Dass Dauer-Moderierer Daniel Hartwich den Dschungel-Stab abgibt, hat das RTL ja schon kommuniziert. Nicht aber, wer sein Nachfolger wird. Die Spekulation, dass es der auf RTL ebenso allgegenwärtige Chris Tall werden könnte, sind ebenso wahrscheinlich wie offensichtlich. Dschungelkönig a.D. Peer Kusmagk bringt im Interview mit dem Medien-Fachmagazin „Watson“ einen ganz anderen Namen ins Spiel, seinen nämlich. „Ich fände es sehr spannend, wenn der Co-Moderationsplatz neben Sonja Zietlow einmal mit einer empathischen Person besetzt wird, die sich nicht wie bisher im Dialog gemeinsam über die Kandidaten erhebt und lustig macht, sondern eine neue Perspektive einnimmt.“ Gemeinsame Lästereien der Moderatoren seien in Zeiten von allgegenwärtigem Mobbing „nicht sehr zeitgemäß“, meint Herr Kusmagk. Ob er die Sendung, die er mal gewonnen hat, jemals angeschaut hat? Verstanden hat er das Prinzip des Formats jedenfalls nicht.

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Und hier noch mein Fundstück der Woche. Ein Widerruf der etwas anderen Art …

Der Widerruf scheint tatsächlich echt zu sein. Vielleicht hat Springer in seinen Diversity- und Inklusions-Trainings noch ein Platzerl für den Wolferl frei?

PS: Im Podcast „Die Medien-Woche“ haben wir diesmal ein Interview mit Ahmad Mansour, der gemeinsam mit Sabine Leutheuser-Schnarrenberger die Antisemitismus-Vorfälle im Umfeld der Deutschen Welle aufgearbeitet hat. Außerdem geht es um den Konflikt zwischen Deutschland und dem russischen Staatsmedium RT DE und die Aufregung um neue Social-Media-Richtlinien beim WDR. Es freut mich, wenn Sie reinhören!

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