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Gefährliche Einflussnahme

Drosten kritisiert Medien im Umgang mit Corona-Pandemie

Christian Drosten von der Berliner Charité – Foto: Imago

Virologe Christian Drosten gibt manchen Medien und Akteuren Teilschuld an der niedrigen Impfquote in Deutschland. Das äußerte er in einem am Donnerstag erschienenen Interview mit der „Süddeutschen Zeitung.“ Dabei kritisierte er die „False-Balance-Mechanismen“ und den politischen Journalismus.

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Im Interview sprach Drosten davon, dass sich Medien als Antagonisten zu ihm durch „False-Balance-Mechanismen“ und Mutmaßungen gezielt aufgebaut hätten. Denn obwohl man sich im Grunde in der Wissenschaft einig sei, werde Widerspruch oft von denselben Personen vorgebracht, die sich eine Bühne suchten. Auf Nachfrage der „Süddeutschen Zeitung“ betonte er, dass er ausdrücklich nicht den Bonner Virologen Hendrik Streeck als Antagonisten sehe. Weitere Namen nannte Drosten nicht.

Konkreter wurde er jedoch in Bezug auf Medienvertreter selbst: So äußerte sich Drosten kritisch über die Berichterstattung zur Corona-Pandemie. Zwar hätten Wissenschaftsredaktionen gut gearbeitet, doch den politischen Journalismus habe er als „schwierig“ empfunden. „Es geht mir vor allem um diejenigen, die systematisch und subtil vorgehen, die ständig sticheln. Sie finden freie Journalisten, Kommentatoren, auch im Fernsehen, die immer und immer wieder zur Verharmlosung beitrugen“, so Drosten.

Damit sei einer breiten Bevölkerung über Monate suggeriert worden, dass das Problem viel kleiner sei als in Wirklichkeit. „Und das hat natürlich dazu beigetragen, dass das Vertrauen erodiert ist in die leider schmerzhaften politischen Maßnahmen, die man nun einmal ergreifen musste. Ich bin mir sicher, dass auch unsere schlechte Impfquote daher kommt“, sagte Drosten.

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