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Umstrittener Wahlkampf-Spot

Die Selbstzerstörung der CDU – in nur sieben Sekunden

Armin Laschet in der Diskussion mit einem Querdenker in Erfurt, zu sehen im finalen Wahlwerbespot der CDU

Armin Laschet in der Diskussion mit einem Querdenker. Was ein Zeichen von Besonnenheit im Wahlkampf war, setzt im Wahlwerbespot der CDU ein völlig falsches Signal, nicht nur vor dem Hintergrund der Tat von Idar-Oberstein. – Foto: Screenshot CDU Wahlwerbespot.

Im letzten Wahlkampfspot will sich die CDU auch als Partei in Szene setzen, die mit kritischen Stimmen umzugehen weiß – und bietet dafür einem Querdenker zu viel Raum. Das ist nicht nur nach der Tat in Idar-Oberstein ein Problem.

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„CDU – haben die nicht gerade 16 Jahre lang regiert?“ – diese Frage stellen sich aktuell sicher viele Wähler:innen. Und nach aktuellen Umfragen, sind 40 Prozent noch unentschlossen, wem sie ihre Stimme geben sollen. Da kann ein gut gemachter Spot vor der großen Entscheidung den richtigen Nerv treffen. Und genau mit dieser Frage startet der finale Werbespot der Union.

Am 20. September hat Armin Laschet ihn auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. 2 Minuten und 27 Sekunden, die, nach einer eher lähmenden „keine Experimente“-Kampagne, erstmal den richtigen Ton treffen. Der Spot setzt auf ikonische Bilder von Angela Merkel mit Barack Obama und Donald Trump. Schließlich hat die Kanzlerin in ihrer langen Amtszeit nicht nur Deutschland, sondern auch die Welt geprägt.

In dem Spot finden sich viele Zwischentöne, auch für die Merkel-Kritiker:innen aus den eigenen Reihen. Und er will den großen Bogen spannen, zur Union als Partei des Wandels, der „nicht Knall auf Fall“ kommt. Was dann aber kommt, ist Minute 1:27.

Die CDU will Haltung zeigen, an völlig falscher Stelle

Zum ersten Mal ist der aktuelle Kanzlerkandidat Armin Laschet zu sehen, und zwar bei einem Wahlkampfauftritt in Erfurt aus diesem Sommer, der vielen im Gedächtnis geblieben ist. Damals ist ein Impfgegner auf die Bühne gestürmt, um energisch auf Laschet einzureden. Der Kanzlerkandidat hat ihn gewähren lassen, ruhig. Das wirkte besonnen, deeskalierend, das wurde Laschet hoch angerechnet. Genau diese Szene hat jetzt Eingang in den Spot gefunden. Aus dem Off ist zu hören: „Erst denken, dann reden.“ Und weiter: „Auch mit denen, die eine kritische Haltung haben. Ja, gerade mit denen.“

Im letzten Spot vor der Bundestagswahl will die Union auf Haltung setzen. Dafür zeigt man sich auch mit einem Kritiker. Das Problem: Es handelt sich bei dem Mann, den Laschet auf seiner Bühne gewähren ließ, nicht einfach um einen Impfgegner. Der, der sich da mit Namen vorgestellt hat – der hier nicht wiederholt wird –, von dem war auch ohne Namen schnell klar: das ist ein Querdenker.

Und zwar nicht irgendeiner, sondern einer, der via YouTube und Telegramm aktiv ist, einer, der sich mit dem Rechtsextremisten und selbsternannten „Volkslehrer“ Nikolai Nerling (Wikipedia-Link) zeigt. Einer, der solche Bilder mit politischen Veranstaltungen und Entscheidungsträgern bewusst produzieren will – und zu nutzen weiß.

Genau der erhält in der letzten Phase des Wahlkampfs, in der der mediale Fokus noch enger ist, eine Bühne, die er sonst nie gehabt hätte. Dass der Spot dann auch noch einen Tag nach der Tat von Idar-Oberstein erschienen ist, ist nur ein weiteres Zeichen dafür, dass die Union taub für die wichtigen Feinheiten geworden ist.

CDU und CSU, sie brauchen keinen Rezo. Diese sieben Sekunden, die Armin Laschet zusammen mit dem Querdenker auf der Bühne zeigen, sie haben nicht nur den finalen Wahlkampfspot zerstört.

Hier sehen Sie den umstrittenen Wahlwerbespot der CDU:

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