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Bundestagswahl 2021

Negative Campaigning: Der Weg zum Sieg führt selten über Nettigkeiten

"Rote-Socken-Kampagne" der CDU zum Bundestagswahlkampf 1994 – Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung / Wikimedia Commons

Negative Campaigning ist besser als sein Ruf – und macht einen müden Wahlkampf erst munter. Vor allem kurz vor Abpfiff. Das gilt auch für die anstehende Bundestagswahl.

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Erinnern Sie sich noch an die Plakate der Union zur Bundestagswahl 1994, auf denen eine rote Socke an einer Wäscheleine baumelte? Und an den Slogan „Auf in die Zukunft, aber nicht auf roten Socken“? Das war die legendäre „Rote-Socken-Kampagne“, mit der die CDU damals vor einer Kooperation der SPD mit der SED-Nachfolgepartei PDS warnte.

Am Ende entschied sich die Mehrheit der Wähler dann auch tatsächlich für die Union. Und das, obwohl Kanzler Helmut Kohl von vielen Beobachtern bereits angezählt war. Nun wäre es freilich zu viel des Guten, diesen Sieg auf die Sache mit der roten Socke an der Leine zurück zu führen. Geschadet, lässt sich aber festhalten, hat sie der Union nicht.

Solche „Schmutzkampagnen“ – oder „Negative Campaigning“, wie man heute sagt – mögen anrüchig wirken und ein bisschen unfair. Aber der Weg zum Sieg, das gilt für den Fußball und die Politik gleichermaßen, ist selten mit Nettigkeiten gepflastert. Und je knapper die Kiste kurz vor Abpfiff, desto mehr wird halt am Trikot gezupft und in die Hacken getreten. Engagement hat viele Facetten.

MEEDIA-Redakteur Ben Krischke findet, dass ein Wahlkampf ohne Fouls kein echter Wahlkampf ist – Illustration: Bertil Brahm 

Wir schreiben den September 2021. Über die vergangenen Monate wirkte dieser Bundestagswahlkampf eher wie ein Bundestagswahl-Appeasement. Ein bisschen hat man sich untereinander zwar schon getriezt, aber so richtig Stimmung kommt erst seit kurzem in die Bude. Und das liegt eben auch am Negative Campaigning, oder zumindest an dem, was manche als solches bezeichnen. In der Regel sind das die Betroffenen.

Die INSM-Kampagne gegen Annalena Baerbock mit den zehn Verboten, die von den Grünen emsig der Union angedichtete Flutkatastrophe, das Matroschka-Video der SPD mit Schwerpunkt Nathanael Liminski und jüngst „Wer ist Olaf“ von der CDU: All das und mehr mag man gemein finden, gar hinterlistig. Die Wahrheit ist, dass derlei Attacken zeigen, dass die Akteure zunehmend verstanden haben, dass es nach 16 Jahren Angela Merkel ums Ganze geht.

Die Erkenntnis mag spät kommen, aber nicht zu spät. Denn mit Blick auf die Prognosen und die möglichen Regierungskoalitionen, die sich aus diesen ergeben, bleibt das Spiel bis zum Abpfiff spannend. Und vielleicht entscheidet am Ende dann eben genau der eine Zupfer oder der eine Tritt in die Hacken, wer als Sieger vom Platz geht.

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