Anzeige

Apple ATT

Ein Segen für die digitale Werbebranche

Foto: Imago

Die Verleger, Marken und ihre jeweiligen Verbände sind sich wunderbar einig, wenn es ums Klagen geht. Wie wäre es mit einer solchen Einigkeit im operativen Geschäft.

Anzeige

„Gut für die Werbeindustrie: Viele Nutzer haben zwar von ATT gehört, wissen aber gar nicht, wo sie jetzt was einstellen“.

Eine gewagte These, die mir gerade in meiner E-Mail Inbox begegnet ist. WENN Apple ernst macht, und Tracking generell von OptOut auf OptIn umschaltet, ist es wohl eher nicht gut für die Werbeindustrie, wenn die User nicht wissen, was App Tracking Transparency bedeutet und wie sie etwas an den Einstellungen ändern können. Und DASS Apple ernst macht, ist spätestens seit der Beschwerde deutscher Werber und Publisher beim Bundeskartellamt eine Ehrensache für den Konzern aus Cupertino. 

Wenn ich ein Marketer wäre, würde ich jetzt mein ganzes Werbegeld auf Google setzen. Den heute veröffentlichten Zahlen zu Folge haben das auch ganz viele Werbungtreibende so gemacht. Google kann Tracking und Targeting. Google hat Reichweite. Google kann fast alle Formate. Ok, Google kann Brand Safety nicht ganz so gut, aber ein bisschen Schwund ist immer.

Wenn ich ein Verband wäre, würde ich mich erstmal schämen. Die Beschwerde ist die Bankrotterklärung der deutschen Werbebranche. Sie mag vielleicht berechtigt sein, aber sie beweist einmal mehr, dass es einer kompletten Industrie nicht gelungen ist, rechtzeitig die Weichen weg von den „Walled Gardens“ zu stellen. Seit zehn Jahren weiß die deutsche Werbebranche, dass das nur gemeinsam geht. Und was ist passiert? Nichts. Selbst Gründungsmitglieder tun sich schwer, wie sie den Nutzen der NetID kommunizieren sollen. 

Wenn ich Apple wäre, würde ich schleunigst meine eigenen Apps so umstellen, dass der User genauso seine Einwilligung zur Datenübertragung geben muss, wie bei allen anderen Apps. Da findet sich sicher noch ein unauffälligerer Trick, um User vom OptIn zu überzeugen.

Wenn ich Verleger wäre, würde ich diejenigen im Unternehmen feuern, die verhindert haben, dass ich alternative Targeting-Modelle so aufgebaut habe, dass sie heute meine Umsatzverluste kompensieren können. Und ich würde diejenigen anzählen, die mir immer noch nicht täglich aussagekräftige Traffic-Analysen auf den Tisch legen, damit ich gezielt auf LogIns optimieren kann. 

Und wenn ich Google wäre, würde ich mich freuen. Vorübergehend zumindest. 

Anzeige