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Non fungible Tokens

Das steckt hinter dem Hype um das Echtheitszertifikat NFT

NFT NBA

Foto: Screenshot

Nathan Apodaca bietet das Original-Video vom viralen Hit des letzten Sommers, „The Ocean Spray“, zur Versteigerung an. Woher aber soll der Käufer wissen, dass es echt ist? Weil es eine Registrierung als NFT besitzt. Sie macht die digitale Datei zum Sammlerstück. MEEDIA erklärt den Hype um die digitalen Echtheits-Zertifikate.

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Bitcoins, Blockchain, Ethereum – All zu oft schalten Marketer geistig in den Vorruhezustand, wenn Schlagworte am Anfang eines Artikels erscheinen, die irgendwie mit Krypto zu tun haben. Technisch komplex, schwer verständlich und vermittelbar und sowieso nur für Nerds relevant ist das digitale Paralleluniversum. Wenn dann noch Kampfparolen wie die „Demokratisierung der Finanzströme“ ins Feld geführt werden, ist es endgültig vorbei mit der kurzen Aufmerksamkeitsspanne.  

Diesmal sollten Sie das eventuell nicht tun, denn NFT, die Non fungible Tokens schicken sich gerade an, die Grenzen zwischen „Nerd“ und Normalo“ zu verwischen, wenn nicht zu sprengen. Viele der Marktplätze, die mit NFTs handeln, vermeiden eine zu deutliche Nähe zur Krypto-Szene. Es sind Markplätze, in denen Produkte zum Kauf oder zur Auktion angeboten werden und nur kleine Währungssymbole wie „ETH“ oder „WETH“ zeigen, dass es hier unter der Haube anders zugeht, als bei Ebay.

NFT: Ein einfaches Prinzip

Im Grunde ist es auch nicht nötig, dass ein Marketer weiß, was NFT sind. Er muss ihnen nur vertrauen und damit dem ganzen System.  NFT sind digitale Echtheitszertifikate. Sie werden mit digitalen Dateien verbunden und definieren dadurch eine im Grunde beliebig kopierbare Datei zu einem digitalen Einzelstück um. Die Summe der NFT bildet eine Art virtuelles Katasteramt. Jede Datei gibt es genau einmal oder – als limitierte Auflage – in einer genau vorbestimmten Menge. Jede Datei an einen Eigentümer, einen Besitzer und manche Dateien haben sogar einen Stammbaum und Vererbungsregeln, die dann greifen, wenn aus dieser Datei etwas Neues geschaffen wird.

Rarible
Rarible ist eine der bekanntesten Plattformen für die Versteigerung von NFT – Foto: Screenshot

Ob die Datei wirklich das Original ist, hängt davon ab, wie sie erzeugt wurde. Bei einem digitalen Kunstwerk wurde sie vermutlich auf der Festplatte des Urhebers erschaffen und dann ins Netz geladen. Das ist für sich ja bereits ein Kopiervorgang, insofern wäre zum Beispiel Nathans Skatervideo die erste öffentlich verfügbare Kopie.

Anders ist es bei Jack Dorsey. Dessen erster Tweet entstand auf Twitter – sofern man voraussetzt, dass der Twitterchef die Worte: „just setting up my twttr“ nicht in Word vorgeschrieben und durch die Rechtschreibprüfung hat korrigieren lassen. Ein Tweet entsteht erst durch den Akt der Veröffentlichung. Mithin ist hier die Frage der Originalität hinlänglich geklärt.

Wie jede Registratur ist auch NFT ein System des Vertrauens. Nur wenn man daran glaubt, dass das System dauerhaft existiert und seriös gepflegt wird, ist es von Wert. Für letzteres sorgt die Blockchain. Jede Veränderung am Zustand eines Tokens wird registriert, verifiziert und kann im Zweifel herangezogen werden, um Besitzverhältnisse eindeutig zu klären.

NFT ist also eigentlich dazu gemacht, um Streitfälle zu klären. Das ist auch der Grund, warum die Blockchain vor allem in Branchen viel Resonanz findet, die mit Verträgen zu tun haben, etwa im Energiesektor. Die schiere Möglichkeit der Nachvollziehbarkeit soll Missbrauch verhindern. In der Praxis hat die Angelegenheit einen Haken: Ein Gesetz ist halt nur so gut, wie es auch von Exekutiven durchgesetzt wird.

Der BTC ECHO Chefredakteur macht sich (nachvollziehbare) Gedanken über die weitere NFT-Entwicklung

Der zweite Faktor allerdings ist das Vertrauen in das System als solches. Wenn Spekulanten heute ein digitales Kunstwerk von Beeple für 69 Mio. Dollar erwerben, spekulieren sie darauf, dass der Wert steigen wird. Und das braucht Zeit. Und so lange sollte das Verifizierungssystem tunlichst funktionsfähig bleiben.

NFT und die Folgen fürs Marketing

Das als Rahmenbedingungen vorausgesetzt und in der optimistischen Annahme, dass NFT lange funktionieren wird, ergibt sich für den Marketer ein unglaublich spannendes Feld. Es stellt sich nämlich die Frage: Gibt es unter den digitalen Assets einer Marke Sammelnswertes oder gar Museales?

Gibt es einen Sammler – vermutlich einen Marketer mit zu viel Geld, aber davon gibt es einige – der das Original-Video von Friedrich Lichtenstein zum Thema „Supergeil“ gerne sein eigen nennen möchte?  Will der CMO einer großen Marke eventuell das erste publizierte Asset seiner Karriere „besitzen“? Wird ein digitales Museum eine Sonderschau machen und die User dadurch locken, dass man Originale zeigt und nicht billige (aber von der Pixelstruktur absolut gleichwertige) Kopien?

Letzteres ist schwer vorstellbar, aber hier könnte ja der Künstler Abhilfe schaffen. Er schaltet sich zur Ausstellungseröffnung nur dann per Zoom-Call zu, wenn hier das Original gezeigt wird.

Was das Thema Sammelleidenschaft angeht, muss man allerdings kaum spekulieren. Die gibt es, die übersteigt grundsätzlich immer die Fantasie der Nichtsammler und sie hat sich auch bei NFTs schon bewiesen. Die US-Basketballliga versteigert mit Erfolg virtuelle Sammelkarten von Top Shots, also verrückten Korbwürfen oder ausgefallenen Saves. Die teuerste dieser digitalen Sammelkarten wurde für kann eine Million Dollar versteigert.

Und das Beispiel NBA zeigt perfekt, warum NFT anders sein könnte als die Krypto-Hypes vorher. Bei der NBA meldet man sich an, macht sich ein Konto und kann auf Collectibles bieten. Fertig. Eine Umrechnung von Dollar in die jeweils verlangte Kryptowährung macht das System selbst und im Hintergrund.

Sven Wagenknecht, langjähriger Beobachter des Kryptomarkts und Chefredakteur der Publikation BTC Echo meint in einem Kommentar auf Youtube: „Der Erfolg von NBA Top Shots wird viele Nachahmer anlocken… Es wird eine Blase geben und das ist auch gut so, denn die gehört dazu… Dadurch werden auch viele kreative Köpfe angelockt, die Lust haben, sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen“.

Sollte einer der Leser Interesse am absolut ersten heruntergeladenen PDF vom ersten E-Paper der ersten gedruckten Ausgabe von MEEDIA haben: Bitte persönliche Nachricht an mich. Der exklusive Verkauf gegen Gebot erfüllt ganz bestimmt einen guten Zweck.


Doch Lust bekommen auf Krypto-Themen? MEEDIA-Autor Nils Jacobsen hat den Bitcoin-Hype nachträglich analysiert. Sein Fazit: Man hätte es wissen können.

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