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Transformation

NZZ-Mediengruppe will 13 Millionen Franken einsparen – und plant Stellenabbau

"NZZ"-Gebäude an der Zürcher Falkenstraße. Foto: NZZ

Die NZZ-Mediengruppe hat ihre Strategieschärfung im Zuge der Transformation vorgestellt. Laut Plan sollen die Kosten um zehn Prozent gesenkt werden. Vom größten Journalistenverband der Schweiz gibt es Kritik

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„Strategieschärfung im Zeichen der Transformation“ lautet die Überschrift der Pressemitteilung, die die NZZ-Mediengruppe am Donnerstag veröffentlicht hat. Zu jener Schärfung gehört eine Kostensenkung von knapp zehn Prozent, rund 13 Millionen Franken. „Diese erfolgt in erster Linie beim Marketing, im Vertrieb, bei den Service-Bereichen sowie beim Druck und der Logistik.“ Laut Mitteilung beträgt der Beitrag der Redaktionen daran weniger als 30 Prozent. Im nun verkündeten Maßnahmenpaket ist auch ein Stellenabbau von unter fünf Prozent enthalten, der „teilweise durch natürliche Fluktuation abgefedert werden kann“, heißt es. Vereinzelt werde es Entlassungen geben.

„Wir haben einen anspruchsvollen Weg vor uns“, so Felix Graf, CEO der NZZ-Mediengruppe. „Wir sind aber überzeugt, dass wir mit den beschlossenen Maßnahmen, die wir nun im Detail ausarbeiten müssen, den richtigen Weg eingeschlagen haben. Denn dies versetzt uns in die Lage, selbständig und aus dem Kerngeschäft heraus unsere Profitabilität nachhaltig sicherzustellen.“

Der Journalistenverband „Impressum“ bedauert in einer Mitteilung den Schritt und mahnt, die Redaktion müsse künftig „auf einen empfindlich grossen Anteil der Journalistinnen und Journalisten verzichten.“ Bei der Redaktion müssten laut Impressum 3,9 Millionen Franken gespart werden. Der Verband rechnet mit „mehreren Dutzend Betroffenen in Form von Entlassungen, forcierten Frühpensionierungen und Pensenreduktionen.“ Impressum-Geschäftsführer Urs Thalmann sagt zu den Maßnahmen: „Ein Abbau in diesem Umfang wird die Qualität und die Themenvielfalt einschränken. Die Redaktion arbeitet bereits jetzt unter sehr starkem Produktionsdruck. Zu behaupten, die journalistische Qualität mit weniger Ressourcen zu verbessern, ist Schönreden. Das hat in den letzten Jahren nie funktioniert – auch nicht bei anderen Verlagen.“

Langfristiges Ziel: 400.000 Abonnenten bis 2030

Im Zuge der Ankündigung hat die NZZ-Mediengruppe auch einen Einblick in die langfristigen Transformationsziele gegeben. Das für 2022 gesetzte Ziel von 200.000 Abonnenten über alle Titel hinweg werde man voraussichtlich erreichen, so Graf. Derzeit steht die Mediengruppe laut eigenen Angaben bei 187.000. Bis spätestens 2030 ist nun eine Zahl im Fokus: 400.000 Bezahl-Abos. „Dabei gilt es, vor allem im digitalen Bereich das Abo-Wachstum zu erzielen sowie den Umsatz pro Kunden zu steigern“, sagt der Geschäftsführer.

Um die Ziele zu erreichen sollen Marken wie die NZZ, NZZ am Sonntag und NZZ Bellevue integriert über das Dachmarkenportal nzz.ch angeboten werden. Für Deutschland bedeutet die Strategie, dass die Berichterstattung und das Angebot ausgebaut wird. NZZ-Chefredakteur Eric Gujer sagt zum aktuellen Stand: „Wir sind sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung in Deutschland, wo wir gegenwärtig über alle Titel hinweg knapp 25.000 Abonnentinnen und Abonnenten haben.“

Ein weiterer Bestandteil ist die engere Zusammenarbeit zwischen der NZZ und der Sonntagsausgabe. In der Mitteilung heißt es: „In Zukunft sollen vermehrt Synergien genutzt werden, wo es publizistisch und organisatorisch Sinn macht.“ Ein konkretes Modell wird in den nächsten Monaten mit den Redaktionen erarbeitet. Eine Zusammenlegung beider Titel ist nicht geplant.

tb

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