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Fake-Vorwürfe gegen Joko & Klaas: Laut NDR wurden in Einspielfilmen Schauspieler eingesetzt

Alles nur Fake? Konzert für einen Fahrraddieb bei "Late Night Berlin" Screenshot: YouTube / Late Night Berlin

Der NDR erhebt schwere Fake-Vorwürfe gegen Florida TV, die Produktionsfirma von Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt. Laut Recherchen des NDR-Formats „STRG_F“, das im Rahmen von Funk bei YouTube läuft, sollen in Einspielfilmen von „Late Night Berlin“ teilweise Schauspieler eingesetzt worden sein. Auch bei „Duell um die Welt“ soll gefaked worden sein.

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Zunächst einmal könnte man sich fragen, wieso es bei Unterhaltungsformaten wie „Late Night Berlin“ und „Duell um die Welt“ (beides läuft bei ProSieben) üerhaupt Fake-Vorwürfe geben soll. Beide Sendungen erheben schließlich keinen journalistischen Anspruch. Die Vorwürfe des NDR sind aber tatsächlich recht schwerwiegend, da sie allgemein die Glaubwürdigkeit von Medien betreffen.

Bei beiden Sendungen geht es um Szenen, die wegen ihrer (behaupteten) Authentizität funktionieren.

In einem Fall geht es um einen Einspieler bei „Late Night Berlin“ vom September vergangenen Jahres, bei dem Heufer-Umlauf und sein Team Fahrraddiebe in Berlin auf frischer Tat ertappen und erschrecken wollte. Dabei wurde einem vermeintlichen Dieb eine Art Revue mit Chor, dem Sänger Adel Tawil und Feuerspucker vorgeführt, bevor der „Dieb“ wegrannte. Laut NDR wurde die Szene mindestens zwei Mal gedreht. Zeugenaussagen und privates Videomaterial würden dies belegen. Die Polizei Berlin habe aufgrund der Ausstrahlung ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf schweren Diebstahl eines Fahrrads eingeleitet.

Im Fall eines angeblich authentischen Tinder-Dates wurde bei „Late Night Berlin“ eine junge Frau gezeigt, die verschiedene Ereignisse angeblich überrascht erlebt. Die Frau sei aber tatsächlich Schauspielerin und habe die Episode in ihrer Schauspiel-Vita aufgeführt, so der NDR. Mehrere Zeugen hätten ausgesagt, dass die Szene mehrmals gedreht worden sei.

Bei einer Folge „Duell um die Welt“ sei gezeigt worden, dass der Schauspieler Edin Hasanovic einen Heißluftballon alleine fliegt und landet. Seine Begleiter seien zuvor abgesprungen und hätten ihn angeblich alleine im Ballon gelassen.

Das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt gab laut NDR an, dass der Schauspieler zu keiner Zeit alleine im Ballon gewesen sei. Ein Pilot sei immer anwesend gewesen, dies sei auch die gesetzliche Vorgabe. Der Pilot habe dies gegenüber der Behörde bestätigt. „Es war Fake“, zitiert der NDR Urs Holderegger von der Behörde.

Sophia Thomallas Autofahrt

In der Vergangenheit waren bereits wegen eines Einspielfilms mit Sophia Thomalla Schummelvorwürfe gegen „Duell um die Welt“ laut geworden. Hier liegen der Redaktion von „STRG_F“ neue Belege vor, dass eine angebliche Autofahrt von Thomalla von Nizza nach Budapest nie stattgefunden hat. Die beiden Termine hätten Wochen auseinander gelegen und seien nicht, wie im Film nahegelegt, zusammenhängend gewesen.

Winterscheidt und Heufer-Umlauf wollten sich laut NDR ebensowenig wie ProSieben zu den Vorwürfen äußern. Florida TV räumte die Vorwürfe gegenüber dem NDR im Kern ein. Im Falle des Fahrraddiebstahls verweist Florida TV darauf, dass „der komödiantische Aspekt womöglich deutlicher gemacht hätte werden müssen“. Hinsichtlich des Heißluftballons wird erklärt, dass „keiner unserer Protagonisten bei der Erfüllung seiner Aufgabe in Lebensgefahr gerät.“ Im Falle des Tinder-Dates erklärt Florida TV, dass die junge Frau „offenbar ähnlich viel Spaß daran hatte wie wir und die Zuschauer.“ Zur Fahrt von Sophia Thomalla heißt es, dass man die Zuschauer nicht habe langweilen wollen.

Alle gezeigten Szenen hätten einen wesentlich anderen Effekt gehabt, wäre klar gemacht worden, dass es sich um gestellte oder fiktive Situationen handelt. Immerhin leben die Einspielfilme bei „Late Night Berlin“ und die Aktionen bei „Duell um die Welt“ gerade von dem Kick, dass es sich um angeblich echte Situationen handelt.

Vergangenes Jahr hatte Florida TV Ärger mit der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK), die „Late Night Berlin“ in einer Folge Schleichwerbung attestierte. In einem Film mit US-Star Will Smith wurden im Hintergrund Flaschen der Marke Just Water erkennbar postiert, die von Will Smiths Sohn gegründet wurde und die zu Smiths Just goods Inc. gehört. Florida TV räumte damals eine „werbliche Absprache“ ein, von der der Sender ProSieben nichts wusste (MEEDIA berichtete).

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