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Das erstaunliche Snap-Comeback: Snapchat-Mutter plötzlich auf 2-Jahreshoch

Das Geisterlogo glänzt wieder: Snapchat lockt mehr neue Nutzer an

Jahrelang wurde Snapchat böse verspottet: Keine Chance wurde dem Stories-Anbieter im Infight mit Erzfeind Mark Zuckerberg eingeräumt, der es sich persönlich zur Aufgabe gemacht zu haben schien, Snapchat in die Bedeutungslosigkeit zu befördern. Allein: Im Schatten des riesigen Instagram-Erfolgs erlebt auch der Social Media-Pionier mit dem Geisterlogo eine bemerkenswerte Wiederauferstehung. Die Nutzer kehren zurück, das Umsatzwachstum zieht an, die Aktie hebt ab. Wie nachhaltig ist das Comeback?

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Auch Scott Galloway liegt mal so richtig daneben. Genau ein Jahr ist es her, dass der extrovertierte Marketing-Professor den Untergang von Snap voraussagte. Der Stories-Anbieter sei immer noch “lächerlich überbewertet”, mahnte Galloway auf der Digital-Konferenz DLD in München an. In seinen Prognosen für 2019 hatte Galloway zuvor auf einem Niveau von 6 Dollar eine weitere Halbierung der Snap-Aktie vorausgesagt.

Zwölf Monate später ist Galloway dem DLD ferngeblieben, dafür sitzt Snap-Chef Evan Spiegel mit breiter Brust in München auf der Bühne der Alten Kongresshalle. Der 29-Jährige hat allen Grund dazu: Dem Erzfeind von Mark Zuckerberg ist in dem vergangenen Jahr etwas gelungen, was kaum einer mehr für möglich gehalten hatte: der Turnaround.

Aktie gelingt 200 Prozent-Comeback

Statt bei 3 Dollar notierte die Snap-Aktie am Freitag an der New York Stock Exchange (NYSE) tatsächlich bei 19 Dollar. Nach einem Kurszuwachs von mehr als 200 Prozent binnen zwölf Monaten notieren die Anteilsscheine damit auf dem höchsten Stand seit Februar 2018 und gleichzeitig wieder über dem Ausgabekurs zum Börsengang im März 2017.

Wie ist das wundersame Comeback zu erklären? Fundamental zumindest nur bedingt. Noch immer verbrennt der Stories-Anbieter mit dem Geisterlogo nämlich rasant Geld. In den ersten drei Quartalen des vergangenen Geschäftsjahres hat der 2011 gegründete Social Media-Pionier weitere Verluste von zusammengenommen knapp 800 Millionen Dollar angehäuft.

Rückkehr des Nutzerwachstums sorgt für Fantasie

Allein: der Trend zeigt nach oben.  Von Quartal zu Quartal konnte CEO Spiegel das Minus verringern: von 310 Millionen auf 255 Millionen auf zuletzt 227 Millionen Dollar im September-Quartal. Gleichzeitig zogen die Umsätze deutlich an: von 320 Millionen im Januar-Quartal auf bereits 446 Millionen Dollar im dritten Kalenderquartal 2019.

Für den eigentlichen Stimmungsumschwung an der Wall Street sorgte unterdessen die Rückkehr des Nutzerwachstums. 2018 hat Snapchat unter dem explosiven Nutzerzuwachs des übermächtigen Konkurrenten Instagram gelitten und drei Quartale in Folge Nutzerschwund ausweisen müssen. Vor einem Jahr konnte Snap wieder mehr täglich aktive Nutzer vermelden, die in den Folgequartalen dann weiter deutlich anzogen.

Wall Street entdeckt Snap neu

Der Turnaround ist unterdessen auch in den Researchabteilungen der Wall Street angekommen. Am Freitag erst änderte  die Schweizer Großbank UBS ihre Anlageempfehlung von „neutral“ zu „kaufen“ und stufte das Kurziel der Snap-Aktie von 16 auf 24 Dollar hoch.

Ob Snap der jüngsten Euphorie an der Wall Street weiter gerecht wird, dürfte sich Anfang Februar zeigen, wenn die Snapchat-Mutter, die inzwischen wieder mit knapp 27 Milliarden Dollar bewertet wird, ihre Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr vorlegt.

Wann gelingt Snaps Spectacles der Durchbruch?

Auf dem DLD in München dämpfte Snapchat-Gründer Evan Spiegel unterdessen die Erwartungen, neben den Werbeerlösen sobald eine andere große Einnahmequelle zu finden.

Ob Smartbrillen wie die 2016 von Snap gelaunchten Spectacles einmal zum Smartphone-Nachfolger taugen, wie zuletzt von Facebook-Chef Mark Zuckerberg prognostiziert, ließ Spiegel nämlich offen. Frühestens in zehn Jahren sei damit zu rechnen, so der Snap-Chef.

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