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Instagram, Facebook & Co.: Datenleck zeigt Ausmaß gekaufter „Gefällt mir“-Angaben

Knapp 90.000 Fanseiten in sozialen Netzwerken haben von bezahlten „Gefällt mir“-Angaben profitiert. Dies hat der Rechercheverbund von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ herausgefunden. Wissenschaftler hatten durch ein Leck Zugriff auf die Daten eines der größten Anbieter für manipulierte Bewertungen.

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Knapp 90.000 Fanseiten in sozialen Netzwerken haben nach einem Medienbericht von bezahlten „Gefällt mir“-Angaben profitiert. Es gehe dabei um Seiten von Politikern, Parteien, Unternehmen und Prominenten bei Facebook, Instagram, Google und Youtube, berichtet der Rechercheverbund aus NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf einen Datensatz. Daraus gehe aber nicht hervor, wie viele sogenannte Likes gekauft wurden und wer das für die entsprechenden Fanseiten getan hat.

Forscherinnen und Forscher der Ruhr-Universität Bochum konnten laut Rechercheverbund die Daten eines der größten Anbieter für manipulierte Bewertungen, der Magdeburger Firma Paidlikes, auslesen, „weil die Seite offenbar nachlässig programmiert war“, heißt es. Das Magdeburger Unternehmen widersprach in einer Stellungnahme allen Vorwürfen. Es sehe in der Sehnsucht nach Ruhm im Netz ein legales und legitimes Geschäftsmodell. Den Vorwurf des Betruges könne Paidlikes nicht nachvollziehen. Und weiter heißt es: „Der nachhaltige Aufbau von neuen Fans, Followern oder Reichweite ist nicht als unlauter zu werten, da die Vergabe von sozialen Interaktionen auf Freiwilligkeit beruht.“

Nehmen Politiker so Einfluss auf die allgemeine Meinungsbildung?

Die Auswertung habe ergeben, dass unter den im Bundestag vertretenen Parteien die FDP 17 Mal, die SPD 16 Mal, die CDU 13 Mal und die AfD 12 Mal von manipulierten „Gefällt mir“-Angaben profitierte. Und je dreimal die Grünen und die Linke. Insgesamt geht es um 29 Orts- und Kreisverbände, fünf Landesverbände sowie zehn Landtagsabgeordnete und einen Bundespolitiker, wie der Rechercheverbund berichtet.

Die Bundesgeschäftsstellen der Parteien erklärten demnach, sie lehnten gekaufte Likes ab. Viele der angefragten Orts- und Kreisverbände erwiderten, sie könnten sich den mutmaßlichen Like-Kauf nicht erklären, heißt es. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Roman Müller-Böhm soll dem Bericht zufolge seit 2018 mutmaßlich für rund 40 Beiträge auf Facebook und Instagram Likes gekauft habe. Auf Anfrage habe er sich dazu nicht äußern wollen.

Tobias Schmid, Direktor der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen, kritisierte den Kauf von „Gefällt mir“-Angaben vor allem durch Politiker: Man versuche so auf die allgemeine Meinungsbildung Einfluss zu nehmen. Auch er sprach von Irreführung. Mit dem Like-Kauf werde die Meinung im öffentlichen Raum manipuliert.

Facebook und Google arbeiten an einer Problemlösung

Ein Facebook-Sprecher sagte dem Verbund: „Wenn wir Anbieter und Accounts identifizieren, die anbieten, durch unechte Likes, Kommentare und Abonnenten die Popularität eines Accounts oder Profils zu vergrößern, entfernen wir diese.“ Das Unternehmen habe nach Eingang der Anfrage durch die drei Medien der Firma Paidlikes vorerst die technische Möglichkeit genommen, ihr Geschäftsmodell weiter zu betreiben. Ein Google-Sprecher erklärte mit Hinblick auf Youtube, man investiere weiterhin in Technologien, um die künstliche Aufblähung der Reichweite eines Videos zu verhindern.

tb/dpa

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