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Recherche zum Fall Relotius: Reporter Juan Moreno ist „Journalist des Jahres“

Juan Moreno Foto: Jens Kalaene/zb/dpa

Der Reporter Juan Moreno ist mit dem Titel „Journalist des Jahres“ ausgezeichnet worden. Ihm sei zu verdanken, „dass Ende 2018 der ‚Spiegel‘-Journalist Claas Relotius als notorischer Betrüger entlarvt wurde“, begründete eine von der Branchenzeitschrift „medium magazin“ beauftragte rund 100-köpfige Jury am Mittwoch in Frankfurt ihre Wahl.

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„Moreno zeigte als Reporter die Hartnäckigkeit des gründlichen Rechercheurs und ehrlichen journalistischen Handwerkers. Zudem bewies er den Mut, für die Wahrheit persönlich viel aufs Spiel zu setzen, da ihm zunächst niemand glauben wollte“, heißt es in der Begründung. Der undotierte Preis soll dem 47-Jährigen am 17. Februar 2020 in Berlin überreicht werden.

Das Nachrichtenmagazin war Ende 2018 mit dem Fälschungsskandal an die Öffentlichkeit gegangen. Der bis dahin renommierte und mit vielen Preisen geehrte Autor Relotius hatte in zahlreichen Artikeln Szenen, Gespräche und Ereignisse erfunden. Moreno hat mit hartnäckiger Recherche den Fall ins Rollen gebracht. „Letztlich hat Morenos Enthüllungsgeschichte die journalistischen Standards für Authentizität, Transparenz und Belegbarkeit von Recherchen im ganzen Land umgekrempelt“, so die Jurybegründung.

Er habe damit das Potenzial des Journalismus zur Selbstkorrektur gestärkt. „Vordergründig mag das nach brancheninterner Angelegenheit aussehen“, heißt es, „doch die Debatte über solche Standards ist zugleich eine über die Aufgaben des Journalismus in der modernen demokratischen Gesellschaft. Juan Moreno hat uns allen somit einen echten Dienst erwiesen.“

„Gefahr ist, dass viele Journalisten faktisch keine Zeit haben, den Beruf so zu machen, wie man ihn eigentlich machen sollte“

Im Interview zu seiner Ehrung erklärt Moreno: „Ein falscher Schluss wäre ein Generalverdacht gegenüber Journalisten im Allgemeinen und Reportern im Speziellen. Wenn ich mit Kollegen spreche, gerade mit Freien, höre ich, dass das Misstrauen gewachsen ist.“ Aus seiner Sicht wären die richtigen Konsequenzen aus Relotius’ Betrügereien gewesen, „mehr in die Recherche zu investieren, den Freien mehr Zeit zu geben, Reportern im Sinne des Vier-Augen-Prinzips stets einen Fotografen mitzuschicken, den Autoren mehr Zeit zum Verifizieren zu geben und das Ganze dann entsprechend zu bezahlen.“ Allerdings ist sein Eindruck, dass das nicht stattfindet.

Die größte Gefahr für den Journalismus seien auch nicht Fälscher wie Relotius, meint Moreno mit Blick auf die Sparmaßnahmen in der Branche: „Die Gefahr ist, dass viele Journalisten faktisch keine Zeit haben, den Beruf so zu machen, wie man ihn eigentlich machen sollte.“

tb/dpa

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