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Austausch von Suchbegriffen statt enger Verzahnung: das mutlose Vernetzen der Mediatheken von ARD und ZDF

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Montagmittag ist etwas online gegangen, das ARD und ZDF per Pressemitteilung wie folgt angekündigt haben: "ARD und ZDF vernetzen sich digital". Der eine oder andere mag schon daran gedacht haben, dass nun doch eine gemeinsame Mediathek entsteht, doch das ist nicht der Fall. Nichtmal annähernd. Hinter dem "Vernetzen" steht lediglich ein stumpfer und überflüssiger Hinweis auf Formate des anderen Senders bei bestimmten Suchbegriffen. Ein MEEDIA-Kommentar.

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Zu ‘heute-show’ gibt es ein Angebot des ZDF: Möchten Sie in der ZDFmediathek weiterschauen?” Diesen Hinweis bekommt man in der ARD-Mediathek seit Montag, 12 Uhr, wenn man dort nach der “heute-show” sucht. Wenn Sie nun fragen, warum man in der ARD-Mediathek nach der “heute-show” suchen sollte – es wird Ihnen niemand beantworten können. Dafür bekommen nun auch die vielen “Tatort”-Fans, die beim ZDF suchen – warum auch immer – den Hinweis “Zu ‘Tatort’ gibt es ein Angebot der ARD: Möchten Sie in der ARD Mediathek weiterschauen?

Die wechselseitigen Hinweise sind das Ergebnis einer Vernetzungs-Offensive, die ARD und ZDF sogar mit einer Pressemitteilung feiern: “ARD und ZDF treiben ihre digitale Zusammenarbeit voran” heißt es da. Doch dieses Vorantreiben besteht leider ausschließlich aus den Such-Hinweisen: “Insgesamt haben die Sender über 200 Formate und Suchbegriffe ausgetauscht.”

Nun hätte einem viele Ideen einfallen können, wie man die beiden großen öffentlich-rechtlichen Mediatheken besser miteinander vernetzt, ohne ein gemeinsames Angebot daraus zu stricken. Man hätte zum Beispiel Highlights des ZDF auf der Startseite der ARD-Mediathek und ARD-Highlights auf der ZDF-Startseite präsentieren können, gern auch mit klarem optischen Signal – Achtung, Inhalt von unseren ZDF- bzw. ARD-Kollegen.

Selbst den nun eingeführten Minimalschritt des Suchbegriffe-Austauschs hätte man für den Nutzer komfortabler und praktischer umsetzen können: entsprechende Sendungen des Fremd-Senders direkt in der eigenen Suche anzeigen – wiederum mit klarem Logo der Kollegen. Oder wenigstens einen besseren Link. So landet man nach dem Klick auf “Zu ‘heute-show’ gibt es ein Angebot des ZDF: Möchten Sie in der ZDFmediathek weiterschauen?” auch beim ZDF erstmal in der Suche – und nicht direkt auf der “heute-show”-Seite der ZDF-Website. Warum? Ach – und was die Sache noch schlimmer macht – Zitat Pressemitteilung: “Die vernetzte Suche ist zunächst nur im Browser-gestützten Angebot verfügbar, nicht in den Apps.”

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Dabei wäre eine bessere Vernetzung der vielen zum Teil grandiosen Inhalte von ARD und ZDF untereinander unbedingt erforderlich. Erst recht, wenn man bedenkt, dass spätestens seit Netflix, Amazon, DAZN & Co. die TV-Sender Gefahr laufen, den Anschluss zu verlieren. 14- bis 29-Jährige nutzen inzwischen sogar stärker solche Streamingdienste als das lineare Fernsehen, Mediatheken spielen mit 12 Minuten zu 53 Minuten Streamingdiensten ohnehin bislang nur eine untergeordnete Rolle.

Doch das Vorantreiben der “digitalen Zusammenarbeit” von ARD und ZDF im Jahr 2019 – es fühlt sich an wie eine Innovation des World Wide Webs aus dem Jahr 1994.

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