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Das große MEEDIA-Sommerinterview mit dem ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm: “Wir können nicht in eine Nische”

MEEDIA-Sommerinterview: Der ARD-Vorsitzende und BR-Intendant Ulrich Wilhelm im Gespräch mit Stefan Winterbauer
MEEDIA-Sommerinterview: Der ARD-Vorsitzende und BR-Intendant Ulrich Wilhelm im Gespräch mit Stefan Winterbauer

Im großen MEEDIA-Video-Sommerinterview spricht der ARD-Vorsitzende und BR-Intendant Ulrich Wilhelm mit MEEDIA-Redakteur Stefan Winterbauer über die großen Themen, die den Senderverbund bewegen. Es geht u.a. um die Beitrags-Debatte, Nachholbedarf bei einer digitalen Infrastruktur in Europa und twitternde Journalisten.

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Das MEEDIA-Sommerinterview mit Ulrich Wilhelm fand im Innenhof des Bayerischen Rundfunks in München statt. Noch ein halbes Jahr lang hat Wilhelm den Vorsitz unter den ARD-Intendanten inne.

In seine Amtszeit fiel u.a. die Einigung mit den Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern auf ein neues Telemedienauftrag. Von Seiten des Privatrundfunks wird allerdings immer wieder eine Neufassung des gesamten öffentlich-rechtlichen Auftrag gefordert, hin zu mehr Information und Bildung. Wilhelm weist dies im Gespräch von sich: “Wir können nicht in eine Nische.” Sonst müssten viele Menschen für den Geschmack einer kleinen Gruppe bezahlen, so Wilhelm. Eine Verengung des Auftrags “nur auf Kultur oder Bildung oder nur auf Information ist zu kurz gedacht.” Es brauche einen möglichst breiten Auftrag unter Einbeziehung von Unterhaltung und Sport, so der ARD-Vorsitzende.

Streitthema Beitragserhöhung

Was die anhaltende Debatte um eine mögliche Erhöhung des Rundfunkbeitrags betrifft, so verweist Wilhelm darauf, dass die Etats der ARD-Sender nach allen Berechnungsmodellen schrumpfen würden, wenn man die Kaufkraftverluste dagegen rechne: “Wir gehen unter keinem Modell davon aus, dass wir expansiv aufgestellt sein werden. Kein Intendant vertritt die These, wir wollen ständig weiter wachsen. Wir wollen sparsam wirtschaften aber auf der anderen Seite für unser Publikum die Attraktivität unserer Programme erhalten und natürlich zusätzlich im digitalen Wandel attraktive Mediatheken, Nachrichten-Apps und dergleichen vorhalten.”

Ein Groß-Thema, das Wilhelm in seiner Amtszeit als ARD-Vorsitzender angestoßen hat, ist eine gemeinsame europäische digitale Infrastruktur als Gegenmodell zu den US-Internet-Plattformen von Facebook und Google: “Europa ist nicht souverän im Digitalen. Wir wenden im wesentlichen die Technologien aus Amerika an. Wer heute eine große Zahl von Menschen im öffentlichen Raum erreichen möchte, habe keine Alternativen zu Facebook oder YouTube. “Die Algorithmen der amerikanischen Anbieter sind nicht neutral, sondern sie versuchen, Werbebudgets optimal zu platzieren. D.h., dass sie die Gruppen im Netz fortwährend so strukturieren, dass gleichgerichtete Interessen zusammengefasst werden. Das ist bei Themen der Freizeit völlig in Ordnung, wenn es aber um politische Diskussionen geht, ist das gefährlich”, so Wilhelm.

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Ihm schwebt eine alternative, öffentliche Infrastruktur vor, die von Privatunternehmen, staatlichen und öffentlichen Einrichtungen gleichermaßen und auf verschiedene Weise genutzt werden könnte, und “in der die öffentliche Debatte nach anderen Regeln abläuft.”

Twitternde ARD-Journalisten

Kritik am öffentlichen Rundfunk und der ARD müsse man ernst nehmen, so Wilhelm. Man dürfe sich dabei auch nicht durch eine “Verrohung der Debatte” irritieren lassen: “Die härtere Kritik uns gegenüber und gegenüber allen Medien ist ein Teil der gesellschaftlichen Entwicklung, mit der wir erst umzugehen lernen müssen.”

Allzu pauschale Medienschelte hält er freilich für nicht angebracht. Die Vielfalt der deutschen Medienlandschaft sei so ausgeprägt wie in wenigen Ländern. Gleichwohl sollten sich Journalisten, zum Beispiel auf Twitter, seiner Meinung nach nicht wie Politiker benehmen: “Journalisten haben eine politische Debatte abzubilden, aber sie nicht selbst zu bestreiten.”

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Alle Kommentare

  1. Hat der Herr schon einmal über Reduktion von Kosten nachgedacht sowie über das Zurückschneiden von Wildwuchs in Form völlig unbedeutender Programminhalte und Sender? Es geht um Grundversorgung, das ist der Staatsvertrag. Was sollen dann diese dämlichen Rateshows und Quizzsendungen mit unterforderten aber hoch überbezahlten Moderatoren?

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