Partner von:
Anzeige

Wie die BBC in ihren Redaktionen einen Frauenanteil von 50 Prozent erreichte – ohne eine Quote einzuführen

Der BBC-Generaldirektor Tony Hall
Der BBC-Generaldirektor Tony Hall

Mit einem freiwilligen Wettbewerb hat es die BBC geschafft, deutlich mehr Frauen an der Berichterstattung zu beteiligen. 74 Prozent der teilnehmenden BBC-Teams erreichten innerhalb eines Jahres eine Quote von 50 Prozent. Das Konzept dient nun als Vorbild für andere Redaktionen.

Anzeige

Während in Deutschland Kanzlerin Angela Merkel mehr Parität in der Wirtschaft fordert und mit Sanktionen droht, schafft das britische Medienunternehmen BBC Fakten. Vor einem Jahr hat die BBC ihre Redaktionen zu einer “Challenge” aufgerufen. Mehr Frauen sollten an der Berichterstattung beteiligt werden – sowohl innerhalb der Redaktion als auch bei der Befragung von Experten. 500 Teams hatten sich dem Vorhaben angeschlossen.

Ein Jahr danach zeigt sich der Erfolg. Ganz ohne Quote produzieren mittlerweile 74 Prozent der Teams Sendungen, an der zur Hälfte Frauen beteiligt sind. Der Großteil der restlichen Redaktionen habe laut der BBC-Analyse einen Anteil von wenigstens 40 Prozent. Bei der BBC-World-News bestehe jedes einzelne Team aus mindestens 50 Prozent Frauen. Der Generaldirektor der BBC, Tony Hall, sagte: “Diese grundlegende Veränderung innerhalb eines Jahres ist erstaunlich. Man kann es überall in unserem Programm sehen und hören.”

Andere Redaktionen ziehen nach

Die BBC hat innerhalb eines Jahres geschafft, woran viele Redaktionen bis heute arbeiten: Eine geschlechtergerechte Verteilung in Teams und Berichterstattung. Redaktionen konnten freiwillig an einer Art Wettbewerb teilnehmen. Jeden Tag prüften sie den Anteil der Frauen an ihrer Berichterstattung selbst. Die Auswertung der Daten wurde Teil der regelmäßigen Teamsitzungen. Einmal im Monat tauschten die Redaktionen ihre Fortschritte mit den anderen BBC-Teams aus. Zu den teilnehmenden Sendungen gehören etwa “The Andrew Marr Show” oder “BBC Breakfast”.

Die Idee für den Wettbewerb hatte Rus Atkins, der selbst Moderator bei der BBC ist. Vor einem Jahr hatten nur 27 Prozent der teilnehmenden Teams ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis. Atkins erkannte, dass sich mehr Frauen in den Teams auch beim Publikum positiv bemerkbar machen. Ein Drittel der befragten Seher haben eine Steigerung des Frauen-Anteils festgestellt, wie eine Befragung der BBC zeigt. Ein Fünftel der jungen Zielgruppe sagt zudem, dass sie die Inhalte lieber schauen. Bei den über 55-Jährigen ist die Reaktion verhaltener: einer von sechs behauptet in dieser Altersgruppe, dass er wegen der Gendergleichstellung weniger BBC konsumiert hat.

Das Konzept wird wegen seines Erfolgs nun in anderen Redaktionen eingesetzt. Mehr als 20 Partner wollen an der 50:50-Challenge teilnehmen. Dazu gehören Medien wie ABC News, die Financial Times und Fortune.

Anzeige

Schwierigkeiten und Kritik

Schwierigkeiten gab es bei der Umsetzung jedoch auch. Vor allem dann, wenn sich eine Sendung auf ein bestehendes Reporternetzwerk verlässt, das sich nicht einfach ersetzen lässt. Bei der BBC ist das insbesondere in den Bereichen Politik und Business der Fall.

Auch bei Sport-Sendungen waren die Herausforderungen groß, aber machbar, berichten die Redaktionen. 85 Prozent der Mitarbeiter im Bereich Sport waren zu Beginn Männer. Ein Jahr später ist der Anteil der Frauen auf 43 Prozent gestiegen. “Unsere Berichterstattung hat das verbessert”, wird die zuständige Mitarbeiterin der Sportberichterstattung in dem BBC-Bericht zitiert. “Wir hinterfragen unsere Entscheidungen mehr und haben letztlich ein kreativeres und ausgeglicheneres Programm”.

Zur Wahrheit gehört auch, dass sich die BBC in Sachen Gleichberechtigung nicht nur von der guten Seite zeigt. Seit 2017 steht das Medienhaus in der Kritik, weil es Männer besser bezahlt als Frauen – insbesondere in Führungspositionen (MEEDIA berichtete). Im Januar 2018 kündigte die China-Korrespondentin der BBC ihren Job, als sie von der ungleichen Bezahlung im Konzern erfuhr. Im März dieses Jahres hat eine Beobachter-Kommission deshalb formale Untersuchungen zu dem Thema gestartet.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Und was ist aus den männlichen Reportern geworden, die durch diese “erfolgreiche Aktion wegen ihres Geschlechts entfernt wurden (immerhin 28% der Sportreporter)?

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia