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43,5% Minus in zehn Jahren: der dramatische Auflagen-Niedergang der DuMont-Zeitungen

Das traditionsreiche Medienhaus DuMont will sich offenbar von sämtlichen Regionalzeitungen trennen. Das wäre der letzte Schritt des Unternehmens im Zeitungsgeschäft nach einem teilweise dramatischen Niedergang der Blätter. Ein Blick auf die verkauften Auflagen laut IVW bescheinigt den Titeln ein Minus von 43,5% bei Abos und Einzelverkauf in nur zehn Jahren. Vor allem die drei Boulevardzeitungen befinden sich im freien Fall.

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Vor zehn Jahren, im vierten Quartal 2008, verkauften sich DuMonts Regionalzeitungen noch über eine Million mal pro Tag: Bei 1.072.220 Exemplaren lag die verkaufte Auflage in den beiden wichtigen Kategorien Abonnements und Einzelverkauf laut IVW. Zehn Jahre später sind davon noch 605.633 Exemplare übrig – ein Minus von 43,5%. Der Niedergang beschleunigte sich dabei in der jüngeren Vergangenheit sogar noch: In den fünf Jahren zwischen 2008 und 2013 gingen 214.425 Abos und Einzelverkäufe verloren, in den fünf Jahren von 2013 bis 2018 sogar 252.162.

Relativ glimpflich davon gekommen sind dabei die Kölner Abozeitungen des Hauses, also Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnische Rundschau, sowie die Mitteldeutsche Zeitung. Zwar liegen auch sie deutlich im Minus, aber längst nicht so stark wie die anderen DuMont-Titel: Stadt-Anzeiger und Rundschau, deren Auflagen DuMont nur gemeinsam als „Zeitungsgruppe Köln Abozeitungen Gesamt“ ausweisen lässt, liegen im 10-Jahres-Vergleich bei einem Minus von 32,1%, im 5-Jahres-Vergleich bei einem von 20,1%. Für die Mitteldeutsche Zeitung ging es bei den Abos und im Einzelverkauf seit 2008 um 35,0% nach unten, seit 2013 um 20,5% bergab. Das sind zwar auch dramatische Zahlen, sie entsprechen aber weitestgehend der allgemeinen Branchenentwicklung. So beträgt das Minus für alle deutschen Tageszeitungen in den vergangenen zehn Jahren ähnliche 36,2%.

Dramatischer sieht es bei der Berliner Zeitung aus

Wesentlich schlimmer sieht es bei der Berliner Zeitung aus, die seit 2008 satte 49,9% einbüßte, seit 2013 deutliche 33,6%. Mit nur noch 69.738 Abos und Einzelverkäufen erreicht sie nichtmal mehr die Hälfte der Mitteldeutschen Zeitung (148.674) und nichtmal mehr ein Drittel der Kölner Abozeitungen (219.767).

Besonders dramatisch läuft es aber für die drei Boulevardzeitungen, die sich im freien Fall befinden. Die Hamburger Morgenpost büßte im 10-Jahres-Vergleich 54,1% bei den Einzelverkäufen und Abos ein, der Berliner Kurier 55,7% und der Express sogar 57,1%. Aus 183.204 Kiosk-Käufern und Abonnenten des Express wurden in Köln, Düsseldorf und Bonn ganze 78.509 – ein Minus von über 100.000 Stück in nur zehn Jahren. Ein solcher Niedergang ist nur schwer zu verkraften.

Die Berliner Zeitung ist inzwischen bei 50.552 Abos und Einzelverkäufen angekommen, die Hamburger Morgenpost bei nur noch 38.393. Zahlen, bei denen sich allmählich die Existenzfrage stellt. Zwar geht es den meisten Boulevardzeitungen anderer Verlage – allen voran der Bild – auch nicht besser, doch drei Boulevard-Titel in unterschiedlichen Städten wirken sich in einem Haus wie DuMont natürlich vergleichsweise stark aus.

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