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Teuer, verwirrend, unflexibel: Warum der Pay-TV-Ansatz von Sky in der Netflix-Welt ein Auslaufmodell ist

Ja, wo streamen sie denn? Sky-Deutschland-Chef Carsten Schmid © Foto: Picture Alliance

Netflix hat nur wenige Jahre gebraucht, um so viele Abonnenten in Deutschland zu gewinnen wie Sky und vorher Premiere in über 25 Jahren. Die Gründe liegen auf der Hand, wenn man auf die Angebots-, Paket- und Preisstruktur von Sky schaut: das Angebot ist teuer, kompliziert und altmodisch.

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Schaut man sich die Abo-Seiten erfolgreicher Streaming-Services an, so wird eins klar: Einfacher geht es nicht, Kunde zu werden. Bei Netflix muss man nur auswählen, ob man HD oder Ultra-HD braucht und ob auf 1, 2 oder 4 Geräten parallel geschaut werden soll – fertig. Zu zahlen sind dann zwischen 7,99 Euro und 13,99 Euro pro Monat. Bei Amazon ist es noch einfacher: 7,99 Euro pro Monat und dafür schneller Versand von Bestellungen – und Amazon Prime Video obendrauf. Der noch recht neue Sport-Anbieter DAZN macht es Kunden ebenfalls einfach: 9,99 Euro pro Monat, keine weiteren Fragen.

Schaut man hingegen auf Sky, so fühlt man sich in einer anderen, einer alten Welt: Als potenzieller Abonnent muss man sich zwischen vier Paketen entscheiden: Sky Entertainment mit Sendern, die hauptsächlich Serien und Filme zeigen, Sky Cinema für die Film-Sender, Sky Sport für Handball, Champions League, Golf, Tennis und nun auch wieder Formel 1 – und Sky Fußball Bundesliga. Möchte man alle vier Pakete abonnieren, so werden theoretisch bereits 69,99 Euro pro Monat fällig. Völlig antiquiert: Um seine teuer abonnierten Programme auch in mittlerweile zum Standard gewordener HD-Auflösung zu schauen, sind weitere zehn Euro zu zahlen.

Fehler Code: 130

Theoretisch sind die Inhalte der abonnierten Sender via Sky Go auch als Stream abrufbar. Doch das betrifft längst nicht alle Serien, Filme, etc. Und: Der Service hat sich in Teilen an dieser Stelle sogar verschlechtert. Seit Kurzem werden Sky-Go-Nutzer, die beispielsweise einen Fußball-Stream am Büro-PC schauen wollten, auf eine Windows-App verwiesen. Die Sky-Go-Website wurde abgeschaltet. In der App ist weniger verfügbar als vorher, es gibt keine (!) Highlights oder Komplett-Streams irgendeines Fußballspiels, selbst eine Show wie „Sky90“ lässt sich nun nicht mehr via Sky Go schauen. Und mindestens Altkunden werden die Fehlermeldung „Du benötigst das entsprechende Sky-Abonnement, um diese Sendung zu sehen. Code: 1310“ kennen, wenn sie eine Serie wie „Das Boot“ schauen wollen. Obwohl sie doch 80 Euro pro Monat zahlen und so etwas eigentlich nicht vorkommen dürfte. Vermutlich muss ein Update auf die neue Paketstruktur vollzogen werden, aber vermittelbar ist so eine Einschränkung ehemals vorhandener Angebote bei einem solchen Preis kaum.

Zwar investiert Sky mittlerweile auch in die eine oder andere eigenproduzierte Serie wie „Babylon Berlin“, „Das Boot“, „Der Pass“, usw., doch gegen die Menge an exklusiven Serien bei Netflix oder auch Amazon kommt der Pay-TV-Anbieter längst nicht heran. Kinofilme hat man teilweise noch früher im Programm als andere Anbieter, doch dafür ist dann ja das extra-teure Sky-Cinema-Paket nötig. Und: In Zeiten, in denen die neueste Netflix-Serie ohnehin oft einen größeren Hype auslöst als 98% der Kinofilme, sind ein paar Monate früher für einen Hollywood-Streifen womöglich auch kein so großes Kaufargument mehr.

80 Euro also für lineare TV-Inhalte, die es nur teilweise als On-Demand Stream gibt – im Vergleich zu 8 bis 14 Euro für Netflix, 8 Euro für Amazon Prime oder 10 Euro für DAZN. Wenn man als Abonnent ehrlich ist, so gibt es nur noch ein Argument dafür, sich ein teures Sky-Abo zu leisten: Fußball. Doch selbst hier wurde das Angebot ausgedünnt, auch wenn Sky teilweise nichts dafür kann. Aus rechtlichen Gründen musste bei der Bundesliga Eurosport und bei der Champions League DAZN dazu geholt werden, Sky darf nicht mehr alle Spiele zeigen. Auf den Kauf der Europa-League-Rechte hat man aus freien Stücken verzichtet. Wurde dafür der Preis gesenkt? Oder dem Kunden ein Ausgleich angeboten? Nein. Dass der Sport trotz jeder Entertainment-Offensive – wie vor einigen Jahren mit dem Sender Sky 1 – das Haupt-Kaufargument für ein Sky-Abo ist, sieht man nun auch bei Sky selbst wieder verstärkt ein: Die Formel 1 kehrt zurück und ab der kommenden Saison gibt es auch wieder den englischen Premier-League-Fußball zu sehen.

Was könnte besser sein?

Dass Sky selbst merkt, dass das alte Pay-TV-Modell in der Generation Netflix zum Auslaufmodell wird, zeigt der Ansatz Sky Ticket. Dieser Ansatz muss die Zukunft von Sky sein, wenn man nicht den Anschluss an die boomenden Streaming-Dienste verlieren will. Sky Ticket ist ebenfalls ein reines Streaming-Angebot, das via Smart TV auch auf dem herkömmlichen Fernseher genutzt werden kann. Der Kunde hat die Auswahl aus drei Paketen: 9,99 Euro für Filme (Cinema), 9,99 Euro für Serien (Entertainment) und 29,99 Euro für sämtlichen Sport (Supersport). Wenn aus dem alten Pay-TV-Anbieter mit seinen vielen Paketen und Optionen ein cooler Streaming-Anbieter und Netflix-Killer werden soll, so müsste er in etwa so aussehen:

  • Nur ein Paket für alle Filme und Serien – für 10 bis 12 Euro
  • Sämtlicher Sport für 20, maximal 25 Euro
  • Beide Pakete zusammen für 30 Euro
  • Lineare TV-Kanäle als kostenlose Zusatz-Option
  • Abschied von sämtlichen Partnersendern im linearen Fernsehen, die ohnehin kaum jemand schaut. Es sei denn, sie stellen all ihre Inhalte auch für Sky Ticket oder wie auch immer es dann heißen würde, zur Verfügung
  • Verstärkte Investition in eigenproduzierte Serien und Filme, sowie in eine maximale Menge an Sport-Rechten
  • Technische Plattform: egal. Jeder Kunde muss seine gebuchten Inhalte dort schauen können, wo er will – egal ob auf dem PC, dem Smartphone, dem Smart-TV, im linearen Fernsehen, …

Wenn das alles gegeben wäre, sähe die Zukunft von Sky durchaus rosig aus. Ein Kundenwachstum wäre möglich, um die teuren Sport-Rechte trotz günstigerer Abo-Preise zu refinanzieren. 80 Euro und immer wieder Einschränkungen beim Online-Konsum der Inhalte sind heutzutage aber schlicht nicht mehr vermittelbar.

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