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Entnervt von “Bremer AfD-Diktatur”: Fernsehjournalist Lührssen tritt nach nur acht Monaten aus der Partei aus

Nach der Abstimmungsniederlage gegen den Bremer AfD-Landeschef Frank Magnitz (li.) hat sich Hinrich Lührssen neu orientiert: Bei den “Bürgern in Wut” darf er Spitzenkandidat sein
Nach der Abstimmungsniederlage gegen den Bremer AfD-Landeschef Frank Magnitz (li.) hat sich Hinrich Lührssen neu orientiert: Bei den "Bürgern in Wut" darf er Spitzenkandidat sein

Das war ein kurzes Gastspiel: Rund acht Monate nach seinem überraschenden AfD-Beitritt hat der freie Fernsehjournalist und Buchautor Hinrich Lührssen (ehemals u.a. Radio Bremen und "stern TV") am Montag seinen Parteiaustritt erklärt. Damit reagierte er offenbar auf seinen gescheiterten Versuch, AfD-Spitzenkandidat für die Bremer Bürgerschaftswahl im Mai zu werden.

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Von Eckhard Stengel

„Viele meiner Freunde, Bekannten und Berufskollegen waren nach meinem Eintritt in die AfD im Sommer 2018 entsetzt. Aber ich musste es ja unbedingt ausprobieren. Jetzt ist der Spuk endlich beendet.“ Mit selbstkritischen Worten verkündete der 60-jährige Journalist am Montag seinen Parteiaustritt. Lührssen – bekannt für seine humoristischen Beiträge in „stern TV“ und bei Radio Bremen und bis 2012 auch als Buchautor im Rowohlt-Verlag – war im Juni 2018 überraschend in die Partei eingetreten und dort umgehend in den Landesvorstand berufen worden. Auf AfD-Kenner machte er damals den Eindruck, als wüsste er nicht recht, auf welchen besonders rechtslastigen und zerstrittenen Landesverband er sich damit einließ. Inzwischen scheint er selber diese Einsicht gewonnen zu haben.

In einer Pressemitteilung zu seinem Austritt schreibt er: „Im Bremer Landesverband haben nach meiner Meinung Anti-Demokraten das Sagen, die sich mit üblen Tricks an der Macht halten.“ Als Beleg führte er unter anderem eine große Zahl von Parteiausschlussverfahren der Landesparteispitze gegen interne Kritiker an. Vorsitzender ist der Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz, der kürzlich bundesweite Prominenz erlangt hatte, weil er auf offener Straße überfallen und schwer verletzt worden war. Für Diskussionen hatten in diesem Zusammenhang vor allem von der AfD befeuerte und von Medien verbreitete Versionen des Hergangs gesorgt, die in wesentlichen Punkten von den tatsächlichen Geschehnissen abwichen.

Bittere Abrechnung mit Partei-“Kollegen”: “Einzug dieses Clans in ein Parlament wäre Steuergeldverschwendung“

Vor acht Tagen hatte Lührssen bereits von einer „Bremer AfD-Diktatur“ gesprochen und eine Parallele zu Nordkorea gezogen. „Mein Rat an alle, die mit den Verhältnissen in Bremen und Bremerhaven unzufrieden sind: die AfD in Bremen hilft garantiert nicht weiter. Der Einzug dieses Clans in ein Parlament wäre nur ein weiterer Fall von Steuergeldverschwendung.“

Der Auslöser für Lührssens Abgang dürfte sein gescheiterter Versuch vom Januar gewesen sein, sich zum AfD-Spitzenkandidaten für die Bremer Bürgerschaftswahl wählen zu lassen. Nach Gesprächen mit anderen Parteimitgliedern hatte er sich gute Chancen ausgerechnet. Doch dann trat Landesparteichef Magnitz völlig überraschend als Gegenkandidat an und wurde prompt gewählt: mit 32 zu 19 Stimmen. Der Unterlegene warf Magnitz daraufhin vor, „seine Mehrheit gut organisiert“ zu haben. Allein sechs der rund 50 erschienenen AfD-Mitglieder seien Magnitz-Familienmitglieder gewesen. „Wegen des Verdachts von schwerwiegenden Manipulationen bei der Listenaufstellung“ haben Bremer Parteimitglieder laut Lührssen inzwischen das zuständige AfD-Landesschiedsgericht Niedersachsen eingeschaltet.

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Lührssen jedenfalls warnt jetzt: „Nach meinen Kenntnissen muss ich dringend davor abraten, bei der Bürgerschaftswahl im Mai AfD zu wählen – es ist keine Alternative.“ Die Fraktion würde wegen interner Streitigkeiten „über kurz oder lang wieder auseinanderbrechen“. Und weiter: „Gemeinsame politische Ansichten gibt es schon gar nicht – es geht nur um Macht und Mandate.“

AfD-Landesvorsitzender nennt Lührssens Vorwürfe “einfach nur dummes Zeug”

Auf MEEDIA-Nachfrage nannte Lührssen am Montag auch politische Motive für seinen Austritt: „Ich fand gut an der AfD, dass sie die möglichen Folgen der Einwanderungspolitik seit Sommer 2015 benannt hat. Die tägliche Hetze gegen Flüchtlinge habe ich allerdings nur schwer ertragen. Und in der Sozialpolitik ist leider für die AfD die Zeit stehen geblieben. Ich war von einer Weiterentwicklung der Themen wie Mindestlohn, Grundrente und Leiharbeit ausgegangen.“

In seiner Austrittserklärung erhebt der 60-Jährige auch schwere Vorwürfe gegen den Bundesvorstand: Die Verhältnisse in Bremen seien ihm offenbar egal. Schon seit Jahren hätten Bremer AfD-Mitglieder auf die Missstände aufmerksam gemacht. „Aber der Bundesvorstand schaltet sich nicht ein“, so Lührssen.

Wie zur Bestätigung seiner Vorwürfe wollte sich die AfD-Bundesgeschäftsstelle am Montag nicht zu Lührssens Kritik äußern. „In der Sache ‚Austritt Hinrich Lührssen’ wenden Sie sich bitte an den AfD-Landesverband Bremen“, teilte ein Sprecher auf MEEDIA-Anfrage mit. Auch der Landesvorsitzende Magnitz wollte zunächst gar nichts sagen, da die Austrittserklärung noch nicht eingegangen sei. Dann meinte er aber doch noch, dass Lührssens Vorwürfe „einfach nur dummes Zeug“ seien. Nachdem der Journalist die demokratische Abstimmung um die Bremer Spitzenkandidatur verloren habe, versuche er jetzt, „mit Dreck zu schmeißen“. Lührssen selbst behauptet dagegen auf Facebook: „Das ist kein Nachtreten.“

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Alle Kommentare

  1. Interessant wäre auch mal folgender Aspekt: Wieso ist Lührssen, als er eine politische Heimat in einer Partei gesucht hat, nicht in eine etablierte Partei eingetreten? Was hat ihn an diesen Parteien gestört? Oder hatte er gar nicht vorgehabt in der AfD zu bleiben und wollte dort vielleicht nur den Günter Wallraff spielen?
    Vielleicht kann man diesbezüglich auch mal auf einen anderen Parteiaustritt hinweisen, den von Günter Weißgerber, der seit 1989 in der SPD war. Viele der im obigen Text verwendeten Formulierungen treffen auch dort zu: „…haben Anti-Demokraten das Sagen, die sich mit üblen Tricks an der Macht halten.“
    (Weißgerber-Freiheit.de, „Das Maß ist voll! Ich trete aus der SPD aus.“)

    1. Natürlich kann jemand nur in die AfD eintreten, um dort „den Günter Wallraff [zu] spielen“; welche Gründe sollte es auch sonst geben! Der AfD Bremen selbst dürfte Ihre Schlussfolgerung allerdings überhaupt nicht gefallen; Sie haben Ihr damit einen Bärendienst erwiesen. Weiter so!

  2. Herr Lührssen,

    kennen Sie eigentlich den lustigsten Witz, der mit den Medien zu tun hat?

    “..fünf Jahre lang das arme, ahnungslose und somit erwiesenermaßen auch völlig unschuldige(!!) Opfer einer international operierenden Ersatzenkeltrickbetrügerbande!’

  3. Was hat Herr Lührssen in der AfD eigentlich gewollt? Wenige Monate vor der Bremer Landeswahl einzutreten, dann als Spitzenkandidat zu kandidieren und zu verlieren, um dann zu sagen, diesen Laden kann man nicht wählen!? Was sollte.das Ganze? Lührssen hat sich jedenfalls aufgeführt wie ein Zersetzer.

  4. Ach, Herr Lührssen,

    der demographische Charakter der Migrationswelle wird SOWIESO in Zeiten des demographischen Wandels, also in den 2020er Jahren allerspätestens irgendwann vollständig auffliegen!

    Und wer mangels selbstständigen Denkens selbst persönlich am längsten auf diesen durchschaubaren Ersatzenkeltrick dauerhaft hereingefallen ist, hat diese politische Variante des Spiels Reise nach Jerusalem VERLOREN, und disqualifiziert sich ohnehin nur selbst für höhere Führungsaufgaben in Zeiten des demographischen Wandels!

    Selbst Schuld, denn kurzfristig ist fortgesetzter Ersatzenkeltrickbetrug zwar ein in finanzieller und politischer Hinsicht äußerst lohnendes Geschäft, aber langfristig betrachtet, ist man letztendlich nur der tumbe Dorftrottel vom Dienst, der jahrelang auf diesem durchschaubaren Ersatzenkeltrick dauerhaft hereingefallen ist!

  5. “Vorsitzender ist der Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz, der kürzlich bundesweite Prominenz erlangt hatte, weil er auf offener Straße überfallen und schwer verletzt worden war”

    Medizinisch spricht man hier von leichtverletzt. Der Mann hat zwei Platzwunden erlitten und wurde nach einer 24h-Commotioüberwachung entlassen.
    Man muss diesem hysterischen Opfergeschrei mit anfänglicher starker Übertreibung des Geschehens, die durch ein Überwachungsvideo widerlegt werden konnte, nicht auch noch Vorschub leisten. Und nach der Darstellung der internen Streitigkeiten im Landesverband in diesem Artikel würde es mich auch nicht überraschen, wenn Herr Magnitz von Parteifreunden angegriffen wurde.

  6. Jeder weiß das die AfD von U-Booten durchsetzt ist. Natürlich ist dieser Schmierfink auch eines gewesen. So viel Mist wie die etablierten Parteien hier in Deutschland angerichtet haben, kann selbst eine AfD nicht in 200 Jahren wieder kitten! Die Menschen vergessen einfach, wer ihnen diesen Mist eingebrockt hat. Denke ich nur an meine 50% Rente, kommt mir die Wut hoch.

  7. Soll er es bei den Grünen probieren. Dort dürfte schon eine Langhaarperrücke und Kleider ausreichen, damit der Herr, dank Opferhierarchie ganz nach oben gespült wird.
    Dann noch ein paar 0815 Reden.
    Alles Nazis außer Merkel, mehr Afrika für Europa ,Toiletten für alle Geschlechter und deutsche Agrarplanwirtschaft und schon sitzte er oben mit dabei.;D

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