Partner von:
Anzeige

Der weite Weg zu Netflix: Wie RTL versucht, mit dem Dschungelcamp den TV Now Premium Service zu pushen

Trommeln für TV Now: Dschungel-Moderatoren  Sonja Zietlow und Daniel Hartwich
Trommeln für TV Now: Dschungel-Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich

Ende vergangenes Jahr hat RTL verkündet, aus seiner Online-Mediathek TV Now einen vollwertigen Streaming-Anbieter zu machen. Dazu wurde das kostenpflichtige Angebot von "Plus" in "Premium" umbenannt und der Preis von 2,99 Euro auf 4,99 Euro pro Monat erhöht. Damit ist TV Now deutlich preisgünstiger als der globale Streaming-Platzhirsch Netflix. Was Angebot und Nutzerfreundlichkeit betrifft, gibt es aber auch große Unterschiede.

Anzeige

Aktuell versucht RTL, die immer noch große Popularität der Dschungelshow “Ich bin ein Star – holt ich hier raus!” zu nutzen, um das neu gestaltete TV Now zu pushen. In der Sendung weisen die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartiwch regelmäßig auf das TV Now Angebot hin und erwähnen, dass man die einzelnen Folgen der Dschungelshow dort bequem nachträglich sehen kann, falls man eine Folge verpasst hat. Die Dschungelshow wird auch auf der Startseite von TV Now prominent beworben und dürfte aktuell einer der meist gesehenen Inhalte dort sein.

Wie sehr TV Now vom Dschungelcamp profitiert, dazu will man sich bei RTL nicht konkret äußern. Ein Sprecher bestätigt lediglich, dass man “was die Abrufzahlen (Videoviews) als auch die Entwicklung der Mitgliederzahlen betrifft, sehr zufrieden” sei. Eine andere Aussage wäre auch verwunderlich. Was die Gesamtzahl der Premium-Abos betrifft, hält sich RTL ebenfalls bedeckt. Kommuniziert wird lediglich die Zahl der Unique User: “TV Now erreichte im vergangenen Jahr insgesamt bis zu 4,53 Mio. Unique User ab 16 Jahren im Monat (AGOF digital facts).”

Evolution von TV Now

Hier zählen allerdings auch die Nutzer dazu, die die Gratis-Version von TV Now via Web-Broser verwenden. Das Angebot TV Now hat sich im Laufe der Zeit zu seiner jetzigen Form entwickelt. Zunächst betrieb die Mediengruppe RTL für jeden ihrer Sender eine eigene Online-Mediathek mit dem Namenszusatz “now”, also RTLnow, VOXnow. Hinzu kam dann ein gebündeltes Dach-Angebot, eben TV Now. Nun hat sich RTL entschieden, TV Now als eigene Digital-Marke im boomenden Streaming-Segment weiter zu entwickeln. Um dem Publikum den erhöhten Preis schmackhaft zu machen, sind in der Premium-Variante von TV Now auch Pay-Sender der RTL-Gruppe wie RTL Living, RTL Passion oder Geo Television enthalten. Außerdem erhalten Nutzer Zugriff auf den hauseigenen Streaming-Service Watchbox (früher: Clipfish) und es gibt mit Now US eine ganz neue Rubrik, in der US-Serien und -Filme zu sehen sind.

Der Katalog von TV Now wurde damit deutlich aufgewertet, hinkt aber, was Umfang und Exklusivität betrifft, weiter sehr stark hinter den führenden Streaming-Angeboten Prime Video (Amazon) und Netflix hinterher. Zwar verspricht RTL, künftig auch TV Now Original-Inhalte anzubieten. Für das Frühjahr ist etwa die Serie „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ als Exklusiv-Inhalt für Premium-Nutzer von TV Now angekündigt.  Dass qualitativ hochwertige (und damit teuer produzierte) Inhalte ausschließlich bei TV Now zu sehen sein werden, ist unwahrscheinlich. Auch ProSiebenSat.1 hat die zunächst für den hauseigenen Streamingdienst Maxdome produzierte Comedy-Reihe “Jerks” im Free-TV zweitverwertet. So ist auch bei der von RTL mitproduzierten Serie “M” schon jetzt klar, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Pay-Kanal RTL Crime zweitverwertet wird. Spätere Verwertung im Free TV nicht ausgeschlossen.

Anzeige

Weitere Features, die ein Premium-Abo von TV Now schmackhaft machen sollen, sind, dass man einige Sendungen (etwa den “Bachelor” oder neue Folgen “Der Lehrer”) bereits vor der TV-Ausstrahlung sehen kann. Außerdem ist das Live-Streaming der RTL-TV-Kanäle den zahlenden Premium-Kunden vorbehalten. Der Mehrwert erschließt sich hier aus Kundensicht nicht unbedingt, immerhin kann man das TV-Programm ja auch im TV kostenlos live verfolgen. RTL bezeichnet die Kosten für diesen “Service” als “technisches Zugangsentgelt”, dabei soll es auf absehbare Zeit auch bleiben.

Sender first, Nutzer second

Nicht nur was die Inhalte betrifft, auch die Nutzerführung und technische Qualität des TV Now-Angebots sind noch nicht auf dem Niveau von Netflix & Co. So ist eine Anmeldung beispielsweise nur im Web möglich. Wer mit dem Tablet im Wohnzimmer die aktuelle Folge der Dschungelshow via TV Now streamen möchte und noch kein Konto hat, muss sich also zunächst zum PC bewegen, dort anmelden und die entsprechenden Daten dann via App eingeben. Immerhin scheint man an diesem Punkt zu arbeiten. Ein Sprecher sagte auf Anfrage hierzu: “Wir werden in regelmäßigen Abständen neue Funktionalitäten mit dem Fokus auf die Bedürfnisse unserer Nutzer launchen. Die Registrierung via App ist eine davon.”

Aus Usabilty-Gesichtspunkten nicht nachvollziehbar ist auch, dass TV-Inhalte im Web sieben Tage nach Ausstrahlung gratis verfügbar sind, in der App aber nicht. RTL hierzu: “Wir unterscheiden in unserer Produktstrategie in Reichweiten- und Premium-Produkte. Unsere Browser-Produkte dienen der Generierung von Reichweite. Unsere Apps (iOS, Android, Fire TV etc.) sind unsere Premium-Produkte und somit als Teil des Premium Paketes von TV Now nutzbar. Die Premium-Produkte zeichnen sich durch eine bessere User Experience und besseres User Interface sowie zusätzliche Funktionalitäten aus.” Das ergibt vielleicht Sinn aus Sicht des Senders, der sein Premium-Produkt finanzieren will, gleichzeitig aber nicht auf digitale Werbe-Umsätze verzichten mag. Aus Nutzersicht ist diese Unterscheidung nicht nachvollziehbar. Entweder ein Inhalt ist kostenpflichtig oder nicht. Hierbei ist anzumerken, dass RTL auch bei TV Now Premium nicht ganz auf Werbung verzichtet. Vor den Sendungen wird jeweils kurz Werbung eingespielt, Unterbrecher-Werbung, wie im TV und bei der Gratis-Version von TV Now im Web-Browser, gibt es bei “Premium” nicht.

Es ist vor allem diese Doppel-Strategie die RTL (und andere klassische TV-Sender) vor Probleme beim Einführen eines konkurrenzfähigen Streaming-Produkts stellt. Die Sender wollen im Streaming-Segment mitmischen, gleichzeitig aber ihre Werbe-Umsätze nicht antasten. Exklusivität bedeutet hier bislang stets lediglich eine zeitlich frühere Ausstrahlung. Die Produktion von Inhalten ist zu teuer, als das RTL, ProSieben & Co sie wirklich exklusiv auf ihren Streaming-Portalen zeigen würden. In gewisser Weise ähnelt die strategische Situation der Sender hier jener von Zeitungsverlagen, die ihren Print-Produkte nicht zu viel hauseigene Konkurrenz durch Online-Angebote machen. Mittlerweile sind hier viele Verlage weiter – auch aus der Not heraus. In der TV Branche ist diese Entwicklung noch nicht so weit. Die Angebote, die aktuell dabei herauskommen, sind in erster Linie aus Sender-Sicht konzipiert und erst in zweiter Linie auf Nutzerfreundlichkeit hin optimiert. Ob man solche Produkte angesichts der finanzstarken und global aufgestellten Konkurrenz dauerhaft am Markt etablieren kann, erscheint zumindest fraglich.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Wer für das hervorragende Premium-Bouqet tatsächlich bezahlt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren und geht auch in eingestuhlter Jogginghose zum ALDI

    Wie kaputt muss man sein

    Aber, es gilt der alte Thoma:

    Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia