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Erkältungswelle: Krankschreibung über WhatsApp – ist das erlaubt?

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Krankschreibung via WhatsApp: Ein Hamburger Startup will's möglich machen

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Die Erkältungswelle hat Deutschland fest im Griff. Ein Hamburger Startup will davon profitieren und bietet die Krankschreibung über WhatsApp an. Mediziner sind beunruhigt. Was ist dran am Gelben Schein über den grünen Messenger? Und ist das überhaupt legal?

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Das Hamburger Startup AU-Schein.de hätte sich für den Start seines Dienstes wohl keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können: Seit Dezember rollt durch Deutschlands Großstädte die Erkältungswelle. Wartezimmer sind überfüllt, einen Termin als Patient zu bekommen schwierig. Dabei war für Arbeitnehmer, um eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) zu bekommen, der Gang zum Arzt bislang Pflicht. Das soll sich nun ändern: Wer kränkelt, der kann über die Webseite von AU-Schein.de eine Reihe von Fragen zu seinen Erkältungssymptomen beantworten. Diese Angaben werden dann von dem Dienst an einen ausgewählten Arzt gesendet. Die weitere Kommunikation zwischen Mediziner und Patient erfolgt wiederum über WhatsApp. Hat dieser eine Erkältung diagnostiziert, gibt es den Gelben Schein. Für 9 Euro. Über WhatsApp.

Hinter der ungewöhnlichen Startup-Idee steckt der Hamburger Rechtsanwalt Can Ansay. Für den Gründer hat der Dienst Vorteile für Kranke, aber auch für Mediziner: „Der Patient erspart sich den aufwändigen Arztbesuch und steckt niemanden im Wartezimmer an“, so Ansay gegenüber der Hamburger Morgenpost. Zudem würde durch Ausschluss von Risikogruppen, Spezialisierung und Checklisten die Fehldiagnoserate gesenkt.

Ist das erlaubt?

Aber eine Krankschreibung übers Handy – ist das überhaupt legal? Laut Ansay ermöglichen Lockerungen im Fernbehandlungsangebot seit Ende vergangenen Jahres die Diagnose übers Internet. Auch müssten die Krankschreibungen von den Kassen anerkannt werden, selbst wenn diese von einer Privatärztin ohne Kassenzulassung ausgestellt würden. Auch andere Startups, wie der digitale Krankenversicherer ottonova, wollen seit geraumer Zeit per Telemedizin Diagnosen aus der Ferne ermöglichen – nicht zuletzt auch um die Kosten zu senken. In Ländern wie Norwegen und der Schweiz ist die Telemedizin schon seit Jahren ein fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung. In Deutschland gibt es von Seiten der Mediziner noch etliche Vorbehalte.

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Rechtlich umstritten beim Angebot der Hamburger ist vor allem die Einbindung des Messengers. Denn der Service verlangt für die Aushändigung einer AU die Weitergabe persönlicher Daten des Patienten sowie eines Foto der Versichertenkarte. Für Ansay ist das dank der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von WhatsApp kein Problem. Allerdings ist die App im betrieblichen Einsatz derzeit nicht konform mit der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Und auch die Hamburger Ärztekammer steht dem Dienst skeptisch gegenüber: Kammer-Präsident Pedram Emami erklärte gegenüber NDR 90,3, dass er es als Arzt problematisch findet, einen Patienten vor einer Krankschreibung nicht persönlich zu sehen. Die Rechtsabteilung der Ärtzekammer prüfe gerade das Geschäftsmodell, heißt es. Es geht letzten Endes auch um die Frage, ob der Arbeitgeber eine solche Krankschreibung anerkennen muss.

Zu viele Anfragen legen Anbieter lahm

Wer nun aber glaubt, sich beliebig oft eine AU über WhatsApp bestellen zu können, den muss Ansay enttäuschen: Um einem Missbrauch durch notorische Blaumacher vorzubeugen, ist die Krankschreibung nur zweimal pro Jahr möglich. Zudem gilt der ausgestellte AU-Schein nur für drei Tage. Dennoch scheint der Dienst derzeit so erfolgreich zu sein, dass der Anbieter bei den Krankmeldung nicht hinterherkommt. Erst nach dem 9. Januar könne man wieder neue Anfragen annehmen. Einen zeitnahen Termin beim Arzt zu bekommen, dieses Problem vermag scheinbar auch die Digitalisierung nicht zu lösen.

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