Anzeige

Fußball-WM

„One Love“-Binde: Die Revolution ist ausgefallen

Ministerin Faeser mit Fifa-Boss Infantino (l.) und DFB-Chef Neuendorf

Ministerin Faeser mit Fifa-Boss Infantino (l.) und DFB-Chef Neuendorf beim ersten Spiel der deutschen Mannschaft bei der WM in Katar – Foto: Imago

Fußball-Sponsoring am Scheideweg: Worin liegt der kommunikative Wert für Unternehmen, welche Risiken lauern? Rewe ist abgesprungen, Adidas als Fifa-Partner wird dem DFB sicherlich verbunden bleiben. Aber die anderen?

Anzeige

Die Revolution findet nicht statt. Die deutsche Fußballnationalmannschaft trägt bei der Fifa-WM in Katar keine Armbinde, um ihr Einstehen für die Rechte aller Menschen zu zeigen. Auch weitere sechs europäische Länder knicken vor den Androhungen der Fifa ein und die Fußball-WM im Menschenrechte verachtenden Gastgeberland Katar nimmt ihren Lauf. Zugegeben, Neuer und Co. haben sich beim Mannschaftsfoto direkt vor Beginn des Spiels gegen Japan die Hand vorn Mund gehalten – als Symbol dafür, dass ihnen die Fifa den Mund verboten hat. In diesem Kampf zwischen dem Weltfußballverband und dem DFB sitzen die deutschen Verbandsmanager eindeutig am kürzeren Hebel. Sie befinden sich zudem in der Klemme, denn die negative Sicht auf die WM in Katar und das Geschäft rund um den Fußball überhaupt ist in der deutschen Gesellschaft während der letzten Wochen stetig gewachsen. Und hat jetzt durch das Armbinden-Hickhack nochmal richtig Fahr aufgenommen. Auch wenn Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) mit Binde direkt neben Infantino sitzend abgelichtet wird.

Wenn sich Marken wegducken, kann man das Sponsoring auch bleiben lassen, meint MEEDIA-Redakteur Reiner Kepler – Illustration: Bertil Brahm

Der DFB wird sicherlich seine Vermarktung mit Werbepartnern nicht wie bisher fortführen können. Zu unsicher sind bei weltweiten Spielen die Bedingungen, unter denen sie ausgetragen werden und die Reaktionen darauf hierzulande. Fußball lebte bisher vom positiven Image, von der gemeinsamen Freude am schönen Spiel und Erfolg. Auf diesen Freudenzug sprangen Unternehmen gerne auf, damit das Positive auf sie abstrahle. Wenn dann aber nicht viel bleibt, was strahlt? Rewe hat es öffentlichkeitswirksam vorgemacht und kehrt dem DFB den Rücken. Bei anderen deutschen DFB-Sponsoren sieht es anders aus. Adidas zum Beispiel agiert als weltweites Unternehmen – Rewe hat seinen Fokus in Deutschland und Zentraleuropa – häufig in Ländern, die es mit Menschenrechten nicht so ernst nehmen. Da gibt es die Katar- und Fifa-Debatte überhaupt nicht. So sind die Interessen von Rewe und Adidas – der Sportartikler sponsert auch die Fifa – sowie der anderen DFB-Sponsoren von Commerzbank über Ergo bis Lufthansa und Volkswagen recht unterschiedlich.

Gemeinsam ist allen 13, dass jetzt auf sie geschaut wird, wie sie zu Katar und Fifa Stellung beziehen. Der generelle Tenor: Abwarten und schauen. Wie gesagt, keine Revolution. Vielen ist auch gemeinsam, dass sie in ihre Werbung Katar nicht einbinden. Keiner will von dem Dreck was abkriegen, der aktuell rumfliegt. Dieses Abtauchen ist aber nicht Sinn des Sponsorings, dann kann man es auch bleiben lassen.

Auf der anderen Seite ist Katar bald wieder vorbei und der Massenmagnet Fußball baut den Sponsoren wieder sichere Brücken zu den Fans. Die nächste WM findet in Kanada, Mexiko und den Vereinigten Staaten statt. Da ist das Thema der Menschenrechte relativ safe. Vielleicht shiften DFB-Sponsoren dennoch ihr Geld um: Frauenfußball ist bekanntlich im Kommen. Die Zuschauerzahlen steigen, die Unterstützung durch Politik und Gesellschaft wächst. Wie weit die Fifa beim Frauenfußball schon mitmischt, sei hier dahingestellt. Aber auf dem Weg zu mehr Professionalität ließe sich vieles besser machen als bei den Männern. Eine Evolution, aber keine Revolution – zumindest beim DFB.

Anzeige