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Frisches Kapital

Frank Otto und Ex-HSV-Präsident Jürgen Hunke retten Hamburg 1 

Frank Otto (links) und Jürgen Hunke helfen Hamburg 1 mit frischem Kapitel – Fotos: Enes Kucevic/ privat

Die Zukunft von Hamburg 1 ist gesichert. Der Medienunternehmer Frank Otto und der frühere HSV-Präsident Jürgen Hunke werden Gesellschafter bei dem Lokalsender. Der soll nun mit einem neuen Konzept in sicheres Fahrwasser gesteuert werden.

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Die Nachricht war ein Schock für die Mitarbeiter. Vor gut fünf Monaten meldete der Hamburger Lokalsender Hamburg 1 beim zuständigen Amtsgericht Insolvenz an. „Das ganze Team ist von der Entwicklung sehr betroffen – aber voller Tatendrang, diese Krise gemeinsam zu überwinden“, hieß es damals (MEEDIA berichtete).

Jetzt ist die Pleite abgewendet. Der Medienunternehmer Frank Otto und der frühere HSV-Präsident Jürgen Hunke sind künftig mit je 50 Prozent Gesellschafter der KG Hamburg 1 Fernsehen Beteiligung GmbH & Co. Dabei ist Hunke neu in die Gesellschaft eingetreten, während Otto seinen bisherigen Anteil von 40 auf 50 Prozent aufgestockt hat. „Dank eines Invests der beiden künftigen Eigentümer können die Gläubiger anteilig befriedigt und der Sendebetrieb fortgeführt werden. Die Aufhebung des Insolvenzverfahrens kann in Kürze erfolgen“, heißt es. 

Hamburg 1 musste stark unter Pandemie leiden

Mit dem Einstieg der beiden Geschäftsleute bekommt der Sender auch frisches Kapital. So haben sich Otto und Hunke bereit erklärt, gemeinsam rund eine Million Euro zu investieren, um die Gläubiger zu befriedigen und den Geschäftsbetrieb zu sichern. Die Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein hätte bereits die neue Gesellschafterstruktur genehmigt, heißt es. Erwartet wird, dass am Freitag die Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan zustimmt. Zu den Gläubigern gehören die Bundesagentur für Arbeit sowie verschiedene Dienstleister. Perspektivisch ist denkbar, dass weitere Gesellschafter bei Hamburg 1 hinzukommen. Neu-Gesellschafter Hunke macht aber deutlich, dass ausschließlich Investoren mit einem Bezug zur Elbmetropole gewünscht seien.

Dass der Sender zuletzt finanziell in die Enge geriet, lag an verschiedenen Faktoren. Ein Grund war, dass sich der Schweizer Mehrheitsgesellschafter, die Michel Medien Beteiligung GmbH, aus der laufenden Finanzierung des Unternehmens zurückzog. Zudem machte die Corona-Pandemie der KG Hamburg 1 Fernsehen Beteiligung GmbH & Co. schwer zu schaffen. Dadurch verzeichnete das TV-Unternehmen im 1. Quartal 2022 einen Umsatzeinbruch. Der Geschäftsführung blieb deshalb nichts anderes übrig, als die Reißleine zu ziehen. Sie meldete ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an, um den Sender zu sanieren. Dabei stand Otto dem Sender helfend zur Seite. Er sorgte dafür, dass der Betrieb des TV-Kanals weiterging. So griff der Sohn der Versandhaus-Dynastie dem angeschlagenen Sender weiter finanziell unter die Arme, nachdem im Herbst der Schweizer Mehrheitsgesellschafter die Finanzierung stoppte. 

Senderchef Michael Schmidt will neue Akzente setzen

Medienunternehmer Otto sieht Hunke als idealen Partner, um den Sender in ruhiges Fahrwasser zu steuern: „Es ist gut, dass es in Hamburg engagierte Menschen gibt, die auch im Jahr 2022 an lokales Fernsehen glauben. Mit vereinter Kraft werden wir den Sender wirtschaftlich auf Vordermann bringen, in dem wir das bestehende Geschäftsmodell dort stärken, wo es erfolgreich ist, und im Digitalen dort aus- bauen, wo es sinnvoll ist.“ Auch Hunke ist von seiner neuen Medienbeteiligung in der Elbmetropole überzeugt: „Mit meinem Engagement folge ich meinem Herzen: Seit jeher schlägt es für lokale Medien, für Hamburg und für gute Marken. Hamburg 1 vereint das alles miteinander. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Frank Otto in diesem ersten gemeinsamen Medienprojekt. Auch glaube ich an die Kraft des Teams um Michael Schmidt, den Sender konzeptionell fit für die digitale Zukunft zu machen.“ 

Auch Geschäftsführer und Senderchef Michael Schmidt begrüßt den Einsteig der beiden neuen Gesellschafter: „Das Bekenntnis zweier so bekannter und erfolgreicher Hamburger Unternehmer ist ein Booster für uns. Unser Beispiel zeigt: Hamburg steht zusammen, wenn es drauf ankommt“. Dabei macht Schmidt deutlich, wie er den Sender mit seinen 34 Mitarbeitern künftig ausrichten will. Er setzt verstärkt auf lokale Nachrichten und digitalisierte Angebote. „Beides können wir anbieten und wollen nun mit neuer Kraft durchstarten“, so Schmidt. Offenbar sind auch weitere TV-Formate geplant. Vor allem die Berichterstattung über Sport- und Kulturereignissen soll ausgeweitet werden. Dabei ist offenbar auch Hunke bereit, sein Netzwerk in die Sportwelt einzubringen.

Mit dem neuen Konzept will der Sender in 2024 in die Gewinnzone steuern. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet Senderchef Schmidt noch mit einem „kleinen Verlust“.

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