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Nach gescheiterter Fusion mit TF1

Trennt sich RTL-Group CEO Thomas Rabe von der Sendergruppe M6?

Thomas Rabe ist CEO der RTL Group

Thomas Rabe, CEO der RTL Group – Foto: RTL Group (Montage: MEEDIA)

Nach der gescheiterten Fusion mit TF1 ist die weitere Zukunft der Sendergruppe M6 ungewiss. Bertelsmann will jetzt mit dem Management des Senders „zahlreiche strategische Optionen“ prüfen. Ob dazu auch ein Verkauf der Sendergruppe gehört, ist denkbar. RTL Group bezeichnet die Option als eine „reine Spekulation“.

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Für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe läuft es bei seinen Fusionsplänen nicht rund. Erst scheitert der geplante Zusammenschluss zwischen den Sendern M6 und TF1 in Frankreich, jetzt muss der gebürtige Luxemburger auch noch bei der geplanten Ehe zwischen Majorel mit dem doppelt so großen Konkurrenten Sitel eine schwere Schlappe einstecken. Am Montag hatten die Eigentümer der luxemburgischen Majorel, allen voran Bertelsmann, weitere Gespräche über einen Zusammenschluss mit Sitel gestoppt. Beide Unternehmen sind im Geschäft mit Callcentern aktiv.

Besonders misslich ist für Rabe aber die geplatzte Senderfusion in Frankreich. Zu seinen strategischen Zielen im TV-Geschäft gehört es, in den jeweiligen Ländern zum nationalen Medienchampion aufzusteigen. Diese Strategie wird nun mit dem Veto der Kartellbehörden in Frankreich durchkreuzt. Unklar ist nun, was Rabe jetzt mit der Sendergruppe anfängt. Fragt man bei der RTL Group nach, heißt es hierzu auf MEEDIA-Anfrage: „Die Groupe M6 hat zahlreiche strategische Optionen, die wir nun gemeinsam mit dem Management der Groupe M6 prüfen werden“. Ob hierzu ein Verkauf der Sendergruppe gehört, dazu hält sich ein Unternehmenssprecher bedeckt: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Spekulationen hierzu nicht kommentieren“. 

Für RTL-CEO wäre jetzt aber eine gute Gelegenheit, um sich von der französischen Sendergruppe zu trennen. Denn das Unternehmen befindet sich in bester Verfassung: „Die Groupe M6 ist ein starkes Unternehmen mit einem exzellenten Management-Team – das Unternehmen hat im Jahr 2021 Rekordergebnisse erzielt und im ersten Halbjahr des laufenden Jahres den operativen Gewinn auf dem Niveau des Vorjahres halten können“, sagt ein RTL-Sprecher. Käme es zu einem Verkauf, würde sich Rabe weiter aus dem französischen Markt zurückziehen. Erst 2021 veräußerte der Bertelsmann-Chef das Pariser Magazinhaus Prisma Media, das mit 1.200 Mitarbeitern glänzende Gewinne abwarf, an den französischen Medienriesen Vivendi. Dadurch verlor das Hamburger Magazinhaus Gruner + Jahr seine letzte Auslandstochter. Anschließend leitete Rabe den Verkauf von Gruner + Jahr an den TV-Riesen RTL ein, der ebenfalls zum Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann gehört. 

Salto-Deal geplatzt

Mit dem Verkauf von M6 würde sich Rabe auch hohe Investitionen in das Streaminggeschäft in Frankreich ersparen. Denn ursprünglich hatten M6 und TF1 geplant, dass beide Sender bei einer gelungenen Fusion den Anteil des öffentlichen-rechtlichen Sendergruppe France Television an der Streamingplattform Salto übernehmen. Gemeinsam wollten sie dann die Plattform zu einem führenden Bewegtbilddienst in Frankreich ausbauen. Doch daraus wird nun nach der geplanten Fusion nichts. Nun müsste M6 seine Kraft auf den eigenen werbefinanzierten Streamingdienst 6Play konzentrieren. Doch das kostet Geld, das Rabe auch besser in den Ausbau der Streamingplattform RTL + in Deutschland investieren könnte. Die Plattform will der Manager kräftig ausbaue und unter anderem Bewegtbildangebote der Zeitschriften dort bündeln. Doch bei der Integration der unterschiedlichen Mediengattungen gibt es Probleme. Sie soll nun erst im nächsten Jahr unter Dach und Fach sein. 

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