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Programm-Umbau

NFL statt „Local Hero“ – ProSieben zieht Reißleine beim Sonntagsprogramm

Das Team von "Ran Football". Bisher lief die NFL vor allem bei ProSieben Maxx, jetzt wandert sie am Sonntagabend in die ProSieben-Primetime - Foto: ProSieben

Die Debüt der Promi-Show „Local Hero“ auf ProSieben am vergangenen Sonntagab war ein Quoten-Desaster. Stattdessen läuft auf dem Sendeplatz künftig American Football. Die Strategie von Senderchef Daniel Rosemann hat damit einen schweren Schlag bekommen.

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„Raus aus der Comfort-Zone, rein ins Abenteuer“: So warb ProSieben noch vor wenigen Tagen für die neue Eigenproduktion „Local Hero“, die der Sender am Sonntag ausstrahlte. In der ersten Sendung meisterten die Choreografin Nikeata Thompson und Journalist Jenke von Wilmsdorff Herausforderungen in Mexiko – dazu gehörte, dass sich beide einer traditionellen Mariachi-Band anschlossen, um auf Spanisch live auf den Straßen des Landes zu performen. 

Doch beim TV-Publikum kam das nicht gut an. Gerade einmal 420.000 Zuschauer schalteten am Sonntag um 20.15 Uhr ein. Damit bewegte sich der Gesamt-Marktanteil bei 1,5 Prozent. Auch das nachfolgende Programm lief kaum besser. Die Wiederholung von „Fahri sucht das Glück“ schauten lediglich 220.000 Menschen. Das bedeutet einen äußerst schwachen Marktanteil von 3,0 Prozent.

Für Daniel Rosemann, Doppelsender-Chef von ProSieben und Sat.1, ist der Quoten-Flop von „Local Hero“ eine Katastrophe. Die Sendung galt als Auftakt zu einer Reihe von neuen Eigenproduktionen besonderer Machart. Hier schickt der TV-Kanal Promis rund um die Welt, um verschiedene Aufgaben zu bestehen. Zu den Formaten gehören „Mission: Job Unknown“ oder „Country Challenge“.  Rosemanns Strategie: Er will mit den Eigenproduktionen die Hollywood-Blockbuster auf ProSieben ersetzten, die künftig auf Sat.1 laufen sollen. Dadurch hofft der TV-Manager, den seit Jahren kriselnden Bällchen-Sender in ruhiges Fahrwasser zu steuern. 

Für ProSieben dagegen bedeutet dies einen radikalen Kurswechsel. Jahrelang war das Spielfilm-Angebot am Sonntag ein Garant für meist zweistellige Quoten, die für gute Abschlüsse im Vermarktungsgeschäft sorgten. Bei der Vorstellung seiner Programmstrategie sprach Rosemann deshalb vor einigen Monaten auch von einem „historischen Umbau“. Der gebürtige Münsteraner begründete die Maßnahme damals damit, dass sich der Markt für Spielfilme durch die Corona-Krise radikal gewandelt hat. Die Pandemie habe dazu geführt, dass Hollywood deutlich weniger Spielfilme produziert, hieß es. Daher setze er bei ProSieben auf Eigenproduktionen. 

Doch mit dem Fehlstart bei „Local Hero“ wackelt nun die neue Programmstrategie am Sonntag gleich zu Beginn. Zwar wies Sat.1 mit dem Spielfilm „Phantastische Tierwesen“ eine deutlich höhere Reichweite aus. Doch ProSieben ging mit „Local Hero“ zeitgleich unter. In der Branche geht man nicht davon aus, dass die weiteren Eigenproduktionen am Sonntag ein herausragender Quotenhit werden. Damit droht nun der Strategieschwenk auch Werbetreibende zu vergraulen. 

Rosemann reagiert nach dem „Local Hero“-Flop schnell. ProSieben zeigt ab sofort sonntags American Football. Von 18.30 Uhr bis tief in die Nacht läuft #ranNFL, heißt es. Dazu Rosemann: „Diese offensive Football-Programmierung mag den ein oder anderen überraschen. Aber wir wollen die letzte Saison der NFL mit der höchstmöglichen Intensität auf ProSieben zelebrieren. Wir feiern jeden einzelnen Spieltag mit der #ranNFL-Crew, die Football in Deutschland zum TV-Event gemacht hat und verdientermaßen zum zweiten Mal mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde.“

Tatsächlich läuft American Football bei ProSieben Maxx und sicher auch bei ProSieben erfolgreich. Die Sache hat aber für den Sender einen bitteren Beigeschmack. Ab dem kommenden Jahr hat sich der Konkurrent RTL die Rechte an der NFL gesichert.

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