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Wochenrückblick

Wo sind die Fotos von der Springer Weihnachtsfeier 2018?

Axel Springer-CEO Mathias Döpfner kommt nicht aus den Schlagzeilen. Der BDZV sortiert sich neu. Die ARD-Intendanten geloben Besserung in Sachen Transparenz. Die NDR-Führung macht sich aber einen schlanken Fuß. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Bei Axel Springer wird es nie langweilig. In jüngerer Zeit genießt der große Vorsitzende dort aber mehr mediale Aufmerksamkeit, als ihm vermutlich lieb ist. Erst die ganze Sache mit den „Propaganda-Assistenten“, dann „Gebete“ für Donald Trump. Jetzt hat die „Financial Times“ ausgegraben, dass Mathias Döpfner höchstselbst den entscheidenden Tip an die „Bild“-Redaktion gegeben hat, dass Adidas während der Corona-Hochphase trotz erklecklicher Profite seine Mietzahlungen ausgesetzt hat. Döpfner wusste dies aus erster Hand, da er, so die „FT“, selbst Mit-Eigentümer eines Gebäudes ist, in dem eine Adidas-Filiale residiert. Da wird nun wieder eine große Nummer daraus gemacht: Interessen-Konflikt, Kampagne zum eigenen Vorteil usw. Ich weiß ja nicht. Dass der Verleger etwas mitbekommt und der Redaktion dazu einen Hinweis gibt, finde ich jetzt nicht so ungewöhnlich. Rein monetär hat MD es sicher nicht nötig, hinter jedem Miet-Groschen von Adidas her zu berichten. Insgesamt ist die Presseschau der vergangenen Tage für Döpfner aber gewiss nicht – sagen wir mal – optimal. Was mich wundert ist, dass die angelsächsische Presse noch nicht die alten Fotos der Springer-Weihnachtsfeier anno 2018 hervorgekramt hat, bei der sich Döpfner als Drag-Queen im Olivia-Jones-Look verkleidet hat. Die entsprechenden Foto-Dokumente wurden mittlerweile von Instagram, entfernt. Warum nur? Das eine oder andere Bild geistert freilich weiter durchs Web.

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Dr. Döpfner hielt diese Woche seine seine Abschiedsrede als BDZV-Präsident. Wegen fortgesetzter Ironie-Anfälle war er als oberster Zeitungs-Lobbyist nicht mehr allzu wohl gelitten. Unter dem Döpfner-Schock schafft der Verband das Präsidenten-Amt nun gleich ganz ab. Stattdessen soll es bald einen dreiköpfigen Vorstand geben. Mitglied Nr. 1 ist BDZV-Geschäftsführerin Sigrun Albert, die in der Öffentlichkeit bislang nicht durch eine Überdosis Ironie aufgefallen ist. Ein weiteres Mitglied könnte Funke-Verlegerin Julia Becker werden. Dazu müsste Funke aber erstmal seine Kündigung beim BDZV zurückziehen. Und, womöglich schwieriger: Frau Becker müsste wollen.

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Diese Woche tagten einige ARD-Intendanten in Köln, der Home-Base des Interims-ARD-Vorsitzenden Tom Buhrow. Wer fehlte war die neue RBB-Interims-Intendantin Katrin Vernau. Die hatte Besseres zu tun, nämlich in Berlin anzutreten. Dabei wäre es im Sinne der Krisen-Bewältigung gewiss hilfreich gewesen, sie hätte sich zumindest zuschalten lassen. So wurde jetzt mal wieder Besserung gelobt und neue Arbeitskreise wurden vorgestellt. Tom Buhrow erklärte zudem, dass er jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag an den WDR zurückzahlt. Warum denn das? Buhrow sitzt in einigen Aufsichtsräten von ARD-Tochterfirmen, wie das scheinbar für Intendanten üblich ist. Und die dafür gezahlten Gelder zahlt er zurück. Nun ist es ja generell vielleicht ein bisschen fragwürdig, dass ausgerechnet ARD-Intendanten Tochterfirmen von ARD-Anstalten beaufsichtigen sollen. Dass sie dafür auch noch Geld kassieren, ist doppelt dubios. Immerhin zahlt Buhrow das Geld zurück. Und die anderen Intendanten? Man weiß es nicht.

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Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ berichtete diese Woche mal wieder in eigener Sache. Es ging um die Vorgänge rund um NDR-Landesfunkhauschefin Sabine Rossbach. Die soll mehrfach dafür gesorgt haben, dass Beiträge von Kunden der PR-Agentur ihrer Tochter ins Programm gehievt wurden. Außerdem ist die Rede von einem – natürlich – „Klima der Angst“. Es ist schon toll, wie unerschrocken „Zapp“ hier Aufklärungsarbeit in eigener Sache betreibt. Das ist etwas, das man dem Sender und seinen Mitarbeitern hoch anrechnen muss. Weniger beeindruckend ist, wie sich die Führungsebene des Senders wegduckt. NDR-Intendant Joachim Knuth habe für ein Interview nicht zur Verfügung gestanden, so „Zapp“. Schwach. Der Justitiar des Senders verweist im Beitrag auf laufende Verfahren und wirkt reichlich zugeknöpft. Am Ende sagt die Redakteurin:

„Bei Interessenkollisionen ist Transparenz das Allerwichtigste. Aber jetzt wissen wir nach all der Zeit immer noch nicht, wer was wann gewusst hat und wer dann was gemacht hat. ‚Ne ziemlich unbefriedigende Situation finde ich, oder?“

Dem Befund kann man nur zustimmen. „Zapp“ berichtete dann auf Twitter noch von einem „ungewöhnlichen Schritt an die Öffentlichkeit“ von WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn.

Der informierte intern, dass ein Neffe seiner Frau einer von zwei Redaktionsleitern der Sendung „Hart aber fair“ ist, für die Schönenborn als Chefredakteur im Programmbereich Politik und Zeitgeschehen selbst lange verantwortlich war. Die Show wird allerdings von einer externen Firma produziert. Auch dieser Transparenz-Schritt erfolgte nicht ohne Druck von außen. Die „Welt“ hatte dazu recherchiert und eine Veröffentlichung stand kurz bevor. Dem wollte Schönenborn zuvorkommen.

Die ARD hat in Sachen Transparenz noch einen weiten Weg vor sich.

Schönes Wochenende!

PS: Auch im Podcast „Die Medien-Woche“ spreche ich mit Kollege Christian Meier von der „Welt“ über die ARD und die Transparenz. Außerdem geht es um den Kongress der Zeitungsverleger und die Probleme von ProSiebenSat.1. Es freut mich, wenn Sie reinhören.

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