Anzeige

Folgen aus dem Fall Schlesinger

Warum eine Fusion von RBB und MDR eine sinnvolle Lösung wäre

Der RBB steht vor großen Veränderungen – Foto: Imago

Die ARD-Intendanten stehen vor der schwierigen Aufgabe, den öffentlich-rechtlichen Medienverbund nach der Schlesinger-Affäre wieder in ruhiges Fahrwasser zu steuern. Dabei könnte eine Fusion des RBB mit dem MDR ein passabler Ausweg sein. Welche Gründe dafür sprechen, erklärt MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski.

Anzeige

Tom Buhrow ist nicht zu beneiden. Kaum hat der WDR-Intendant den ARD-Vorsitz interimistisch übernommen, muss er nach dem verheerenden Skandal um die inzwischen fristlos entlassene RBB-Intendantin Patricia Schlesinger die schwerste Krise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks meistern. Und die Ausgangslage ist denkbar schlecht: Das Vertrauen der Zuschauer und Mitarbeiter in das System ist schwer erschüttert. Schlagzeilen von Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme bestimmen das Bild des ÖRR in der Bevölkerung. Die ist auch wegen der anziehenden Inflation immer weniger bereit, die Haushaltsabgabe zu zahlen. 

MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski glaubt, dass eine Fusion von MDR und RBB auch in der Öffentlichkeit die richtige Wirkung haben könnte – Illustration: Bertil Brahm

Da reicht es nicht aus, wenn Buhrow und die restlichen ARD-Intendanten der RBB-Führung das Vertrauen entziehen und die Berliner Anstalt erstmals in der ARD-Geschichte bei einer Intendantenschalte demonstrativ ausschließen. Sie treiben zwar damit die verbleibende RBB-Führung in die Auflösung. Damit jedoch ist das Problem nicht vom Tisch, wie die weitere Zukunft des Senders innerhalb der ARD aussehen soll. Denn Buhrow kann kein Interesse daran haben, den RBB dauerhaft aus dem ARD-Verbund auszuschließen und als einsamer Satellit um das ÖRR-System kreisen zu lassen. Er muss es schaffen, den Sender schnell wieder einzufangen und zu stabilisieren. Dabei bleiben ihm wenige Optionen. Eine denkbare Lösung ist, dass der RBB auf allen Ebenen eine völlig neue Führungsmannschaft bekommt. Diese verspricht den Mitarbeitern einen radikalen Neuanfang und unterwirft sich verschärften Compliance-Vorschriften, um eine erneute Affäre wie im Fall Schlesinger zu verhindern.

Eine bessere Lösung wäre eine Senderfusion mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), der seit 1991 für die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen aktiv ist. MDR-Intendantin Karola Wille könnte hier eine zentrale Rolle spielen, um den RBB wieder in ruhiges Fahrwasser zu steuern. Doch das ist nicht alles. Eine Fusion von MDR und RBB hätte den Charme, dass sich die öffentliche Wahrnehmung der Bürger über das System ÖRR aufhellt. Sie würden registrieren, dass der ARD-Verbund endlich seine verkrusteten Strukturen aufbricht, und nicht mehr nur den Status-Quo verteidigt.

Auch kostenseitig brächte eine Verschmelzung Vorteile. Das hierdurch eingesparte Geld käme dem Programm zugute. Möglich ist dies aber nur, wenn die Politik für den neuen ÖRR-Kurs grünes Licht gibt. Sollte dieser gelingen, wäre er eine willkommene Blaupause für weitere Senderfusionen, beispielsweise von SWR und Saarländischen Rundfunk.

Denn klar ist: Die Beitragszahler verlangen einen großen Wandel, um wieder Vertrauen in den ÖRR zu gewinnen. Der Wille zu einem Zusammenschluss von ARD-Sendern wäre hierfür ein gutes Signal. 

Anzeige