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Debatte um Branchen-Award

Effie-Kritik: Bücher zu teuer und nur „Staubfänger“

Trophäe Effie Award – Foto: Jochen Günther

Raphael Brinkert, Gründer und Geschäftsführer der Werbeagentur Brinkert Lück, kritisiert den beim Branchenverband GWA angesiedelten Effie-Award. Der Gewinn von Auszeichnungen ziehe „Kosten von mehreren Tausend Euros nach sich“, so Brinkert in einem LinkedIn-Post. Was sagt die Branche dazu?

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Die von Brinkert kritisierten Kosten entstehen, weil die Gewinner-Cases und auch die Finalisten in einem jährlichen GWA-Buch abgedruckt werden. Dafür müssen die Agenturen bezahlen.

In unsere kurzfristige Umfrage haben wir auch den GWA einbezogen und wollten zum Beispiel wissen, wie der Verband die Kritik von Brinkert aufgreift. GWA-Präsidentin Larissa Pohl sagt: „Der GWA ist der Verband der 140 führenden Agenturen in Deutschland, die alle sehr heterogen sind. Manche reichen bei Awards ein, manche nicht. Viele reichen beim GWA Effie ein, manche nicht. Alle unsere Mitglieder sind meinungsstark und vertreten ihre Haltung. Manche machen das lautstark und öffentlich, andere nicht. Ich kann in der Aussage von Raphael keine Kritik erkennen, sondern die Haltung seiner Agentur, die wir respektieren.“

Die Kritik von Odaline

Brinkert Lück ist übrigens vor kurzem dem GWA als Mitglied beigetreten – die junge Agentur Odaline gehört dem Verband nicht an. Deren Geschäftsführer Jan König hält die Kosten rund um den Effie auch für „immens“ und teilweise nicht nachvollziehbar: „Warum im Jahre 2022 immer noch ein Buch gedruckt wird, wofür die meisten Kosten und Arbeit entstehen, erschließt sich mir nicht. Exzellenter Inhalt, aber am Ende aufgrund der Form ein Staubfänger in den meisten Agenturen. Diese Inhalte sollten digital für jeden Einreicher einsehbar sein – das würde Kosten senken und die Cases für alle MitarbeiterInnen verfügbar machen – das gibt jungen Talenten Insights.“

Auch Odaline bekam letztes Jahr GWA-Bücher (sie stand mit 5G Jump auf der Shortlist), was die Agentur „sehr ärgerte“. Denn neben dem Versenden sei das Drucken absolut nicht nachhaltig. Odaline ist dieses Jahr mit Jack Wolfskin #Gobackpack auf der Shortlist. Und König kann sich nicht verkneifen, die Einreichungsmaske für die Effies zu kritisieren: „Kein Award hat eine schlechtere Software und Übersicht. Das erschlägt sicherlich viele, die zum ersten Mal einreichen wollen. Ich verstehe, dass der Effie ‚mehr‘ Kennzahlen braucht, weil er eben auch kein klassischer Marketingaward ist, aber das Einreichen ist technisch eine Qual.“

Wie könnte der GWA speziell für junge Agenturen attraktiver werden? „Es muss alles simplifiziert und viel mehr als Community gedacht werden. Lokaler Austausch, besseres Verständnis, was der GWA für junge Agenturen tun kann. Momentan ist der GWA eher ein Zusammentreffen der Großen – dieses Bild muss sich verändern“, so König. Dennoch schließt er eine Mitgliedschaft in Zukunft nicht aus.

„Effie und GWA leben nicht von der Liebe allein“

Zu den Großen gehören sicherlich Grabarz & Partner und die Agentur Anomaly. Grabarz-Geschäftsführer Reinhard Patzschke sagt: „Qualität kostet, der Effie und der GWA leben nicht von der Liebe allein.“

Anomaly in Berlin ist eine Niederlassung der US-Agentur Anomaly, die in Europa neben Berlin auch in London und Amsterdam vertreten ist. Nadine Müller-Eckel ist Head of Strategy bei Anomaly und sagt: „Ich freue mich sehr zu sehen, wie sich der Effie und der GWA in den vergangenen Jahren quasi runderneuert und an Relevanz hinzugewonnen haben. Umso stolzer sind wir auf unsere (noch frische) Mitgliedschaft und die diesjährige Jury-Teilnahme.“ Die Agentur ist seit diesem Frühjahr GWA-Mitglied.

Brinkert sagt abschließend auf MEEDIA-Anfrage, dass der Effie wegen seiner „nachweislich effektiven Arbeiten die Benchmark der Branche“ ist. Weiter sagt er: „Gleichzeitig hat auch der GWA mit Relikten aus vergangenen Zeiten zu kämpfen. Die Verpflichtung zur Abnahme von überteuerten Buchseiten beim Finalisten-Status beim Effie ist ein solches. Es ist im Jahr 2022 keine Kosten-, sondern eine Haltungs- und Transparenz-Frage, ob Buchseiten ab 2.999 Euro je Finalist (2022: 82 Finalisten) noch zeitgemäß sind.“

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