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RTL Group

Thomas Rabes Vision von nationalen Medienchampions wackelt 

Thomas Rabe ist CEO der RTL Group

Thomas Rabe, CEO der RTL Group – Foto: RTL Group (Montage: MEEDIA)

Das drohende Aus der Fusion der französischen TV-Riesen M6 und TF1 ist für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe bitter. Damit zerplatzen seine Träume, sich über größere Zusammenschlüsse gegen die wachsende Übermacht der US-Riesen Google, Meta & Co. zu wehren.

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Bertelsmann-Chef Thomas Rabe bemüht sich seit mehr als einem Jahr darum, in Frankreich den Fernsehkonzern M6 mit dem Konkurrenten TF1 zu verschmelzen. Sein Plan: Er will einen nationalen Medienchampion schaffen, der über einen Zuschauermarktanteil von mehr als 40 Prozent und rund 75 Prozent auf dem TV-Werbemarkt verfügt. 

Jetzt jedoch scheinen hier seine Träume von einer Mega-Fusion zu platzen. Denn die französischen Wettbewerbshüter haben starke Bedenken gegen die angestrebte Verschmelzung geäußert. Ihnen bereitet vor allem die Marktkonzentration der beiden Fernsehriesen auf dem Werbemarkt große Sorgen. Doch Bertelsmann und der französische TF1-Eigentümer Bouygues halten an ihren Fusionsplänen fest und wollen sich hierzu binnen drei Wochen äußern. 

Ein Aus der Senderfusion in Frankreich wäre für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe bitter, meint MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski – Illustration: Bertil Brahm

Sollte Bertelsmann das Kartellamt mit seinen Antworten nicht überzeugen, wäre dies für Vorstandschef Thomas Rabe bitter. Der Zusammenschluss der beiden Fernsehriesen ist für den gebürtigen Luxemburger ein wichtiger Testfall, um sich gegen die wachsende Macht der US-Tech-Giganten Google, Meta & Co. zu behaupten. Rabe sieht in größeren Unternehmenseinheiten die einzige Chance, dass sich die Gütersloher im Werbemarkt gegen die Dominanz der Amerikaner behaupten können. Sollte sich aber das Kartellamt in Paris bei der Betrachtung der Senderfusion lediglich auf die TV-Werbemärkte konzentrieren und digitale Werbemärkte ausklammern, wird es Rabe schwer haben, die Verschmelzung durchzuboxen. 

Damit dürfte auch in Deutschland seine Vision von einer großen Fusion mit der Sendegruppe ProSiebenSat.1 zu einem nationalen Medienchampion kaum Chancen auf Erfolg haben. Denn die deutschen Wettbewerbshüter würden sich vermutlich den Marktansichten ihrer französischen Kollegen anschließen. 

Scheitert die Fusion der beiden Fernsehgesellschaften in Frankreich, steht Rabe vor erheblichen Problemen. Er muss sich dann überlegen, was er mit M6 anfängt. Sollte er an dem Unternehmen festhalten, könnte schnell ein harter Restrukturierungskurs folgen. So ist denkbar, dass Rabe durch den Abbau von Personal und eine deutlich eingedampfte Programmstruktur massiv auf die Kostenbremse drückt. Doch es gibt noch eine andere Option: Der Bertelsmann-Chef könnte den Sender an Finanzinvestoren verkaufen, um den Erlös in den Ausbau des wichtigen deutschen TV-Geschäfts von RTL zu investieren. Ob dies aber ausreicht, um sich dauerhaft gegen die US-Werbegiganten zu behaupten, ist fraglich. Ein Aus der Senderfusion in Paris würde Rabes gesamte Firmenstrategie schwer ins Wanken bringen.

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