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ARD-Sommerinterview

Genervt oder respektlos? Olaf Scholz und sein gestörtes Verhältnis zu Journalisten

Tina Hassel befragte Olaf Scholz im "Bericht aus Berlin" – auch über Respekt – Screenshot: ARD Mediathek

Im Sommerinterview mit Tina Hassel in der ARD wird Bundeskanzler Olaf Scholz auf seine flapsige Antwort während der G7-Pressekonferenz angesprochen. Seine Antwort lässt aufhorchen. Wenn er über Respekt rede, dann meine er Leute, die hart arbeiten, beschied der Kanzler. Und was ist mit den Journalisten?

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In der „Bericht aus Berlin„-Sommerausgabe mit Olaf Scholz wird der Bundeskanzler von Tina Hassel auch auf einen Moment angesprochen, der speziell Journalistinnen und Journalisten nach dem G7-Gipfel in Schloss Elmau beschäftigt haben dürfte. Der SPD-Mann hatte auf der Abschlusspressekonferenz eine Frage von Rosalia Romaniec, Leiterin des Hauptstadtstudios der Deutschen Welle, zu den Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach dem Krieg schmallippig abgewehrt – manche sprachen von einer arroganten Haltung (MEEDIA berichtete). Hassel sprach den Kanzler auf genau diese Episode mit Hinweis auf seinen viel plakatierten Wahlkampfspruch „Respekt“ an:  „Sie wirken manchmal auch arrogant, manchmal sogar ziemlich rüde. Jetzt zuletzt in Elmau auf dem G7-Gipfel, wie Sie mit der Journalistin der Deutschen Welle umgegangen sind. Ist das der Respekt, den Sie sich als Respektkanzler vorgestellt hatten?“

Olaf Scholz: „Wenn ich über Respekt rede, meine ich natürlich die Leute, die hart arbeiten.“

Ganz überraschend dürfte die Frage für den Bundeskanzler nicht gekommen sein. Bereits auf der Pressekonferenz nach dem Nato-Gipfel sprach ihn ein Redakteur von „Politico“ auf die Episode an, Scholz blieb eine wirkliche Antwort schuldig. Und auch auf Twitter wurde die Antwort von Scholz immer wieder mit dem Wahlkampfspruch „Respekt“ gegenübergestellt. Aber wie fiel nun die Replik des Kanzlers in der ARD aus? Olaf Scholz antwortete: „Wenn ich über Respekt rede, meine ich natürlich die Leute, die hart arbeiten und dafür sorgen, dass man ins Restaurant gehen kann.“ Daraufhin zählt er weitere Berufszweige auf – von der Stadtreinigung über den Einzelhandel bis zum Krankenhausbereich. Respekt habe zwar auch etwas mit dem Umgang untereinander zu tun, konstatiert der Kanzler. Aber das sei genau das, was „ich mir in dieser Gesellschaft unter Respekt vorstelle“, so Scholz gegenüber Hassel zu seinen Ausführungen.

„Es würde Krisen produzieren“

Kann man Scholz jetzt am Ende auslegen, dass er seinen selbstdefinierten Respekt nur gegenüber diesen Berufszweigen hat? Möglich. Aber es ist doch auch recht unwahrscheinlich, dass der Bundeskanzler Journalistinnen und Journalisten, wie auch allen anderen nicht genannten Berufszweigen seinen Respekt absprechen wollte. Wahrscheinlicher ist eher, dass der Kanzler seine eigene klassische SPD-Zielgruppe herausstellen wollte. Etwas konkreter zur Situation bei der G7-Abschlusspressekonferenz und zu der Frage, mit welchen Sicherheitsgarantien die Ukraine nach dem Krieg rechnen können wird, wird der Kanzler schließlich auch noch: „Es ist noch nicht die Zeit darüber zu reden, wie es sein kann, weil es Krisen produzieren würde“, erklärt Scholz mit Verweis auf die internationale Sicherheit. Am Ende steht dann der freundliche Hinweis auf die unfreundliche Replik in Elmau: „Und wenn dann das dritte Mal gefragt wird, kann man schon sagen, das habe ich schon beantwortet.“ Bleibt also der genervte Olaf Scholz als Erklärung.

Das ganze „Bericht aus Berlin“ -Sommerinterview mit Bundeskanzler Olaf Scholz und Tina Hassel

Ab Minute 21:28 spricht Tina Hassel mit Bundeskanzler Olaf Scholz über den Umgang mit einer Journalistin bei der Pressekonferenz zum G7-Gipfel in Elmau.

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