Anzeige

Nach Debatte um Henri Nannen

Das sind die Gewinner des „Stern“-Preises

Inmitten einer Debatte um die NS-Vergangenheit des „Stern“-Gründers Henri Nannen ist die gleichnamige Journalistenauszeichnung dieses Mal einmalig unter dem Namen „Stern“-Preis verliehen worden. Die „beste Reportage“ ging an zwei „Spiegel“-Journalisten für „Die Hanau“-Protokolle. Auch die Recherche zu Julian Reichelts Rauswurf bei „Bild“ wurde ausgezeichnet.

Anzeige

Mit der Umbenennung in „Stern Preis“ wollten das Verlagshaus Gruner + Jahr und das zum Haus gehörende „Stern“-Magazin die Debatte um Nannen entschärfen und die Preisträger in den Mittelpunkt stellen. Nannen war dennoch am Mittwochabend in Hamburg mehrmals Thema.

Im Mai hatte ein Beitrag des Rechercheformats „STRG_F“ des Norddeutschen Rundfunks (NDR) mit Details zur Vergangenheit des Ex-„Stern“-Chefredakteurs und Magazininitiators Nannen (1913-1996) im Zweiten Weltkrieg die Debatte angestoßen. Gruner + Jahr kündigte an, man werde ein Gremium berufen, das über die künftige Verwendung des Namens für den Preis und für die Henri-Nannen-Schule beratend tätig werde. Bis Jahresende werde man eine Entscheidung treffen. Auch Nannen-Witwe Eske Nannen sagte vor Tagen, dass ein externer Historiker die Lebensgeschichte wissenschaftlich aufarbeiten soll.

Egon-Erwin-Kisch-Preis für „Die Hanau-Protokolle“

Der Journalistenpreis wurde am Abend in mehreren Kategorien verliehen. In der Königsdisziplin „Egon Erwin Kisch-Preis“ für die beste Reportage gewannen Timofey Neshitov und Özlem Gezer mit ihrer „Spiegel“-Reportage „Die Hanau-Protokolle“. Am 19. Februar 2020 hatte ein Deutscher im hessischen Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen. Das Journalistenteam sprach mit Angehörigen.

Als „Geschichte des Jahres“ zeichnete die Jury die Berichterstattung des damaligen Ippen-Investigativteams und von „Spiegel“-Kollegen zum Fall des ehemaligen „Bild“-Chefredakteurs Julian Reichelt aus. „Warum Julian Reichelt gehen musste“ von Isabell Hülsen, Juliane Löffler, Anton Rainer, Alexander Kühn, Martin U. Müller, Daniel Drepper, Katrin Langhans und Marcus Engert erschien im „Spiegel“. Bei dem Fall geht es um Machtmissbrauchsvorwürfe gegen den Ex-Chefredakteur von Deutschlands größter Boulevardzeitung, Reichelt musste schließlich den Konzern Axel Springer verlassen. Die Berichterstattung hatte auch deshalb viel Aufmerksamkeit in der Medienbranche erhalten, weil das Ippen-Team seine Recherchen nach Intervention des Ippen-Verlegers nicht in den eigenen Medien erstveröffentlichen konnte und sich dann mit den „Spiegel“-Kollegen zusammentat.

Sonderpreis für Dokumentarfilmer Stephan Lamby

In der Kategorie „Lokal“ gewannen die Journalisten Stella Vespermann, Andreas Neumann und Sebastian Manz mit einem Beitrag über Diskriminierung bei der Wohnungssuche. Dieser erschien bei Radio Bremen. In der Kategorie „Investigativ“ wurde das Autorenteam John Goetz, Bastian Berbner, Ole Pflüger, Ben Hopkins, Sabine Korbmann, Barbara Biemann, Johanna Leuschen, Kathrin Bronnert, Lukas Augustin, Poul-Erik Heilbuth, Dietmar Schiffermüller, Volker Steinhoff, Stefan Buchen und Gunnar Krupp für den Dokumentarfilm „Slahi und seine Folterer“ über einen Guantanamo-Häftling ausgezeichnet. Er lief in mehreren ARD-Kanälen. Einen Sonderpreis des „Stern“ bekam der bekannte Dokumentarfilmer Stephan Lamby, der per Video zugeschaltet war.

Trophäen überreicht bekamen die Gewinnerinnen und Gewinner bei der Preisverleihung diesmal nicht. Wegen der kurzfristigen Umbenennung des Preises gibt es noch keine neuen. Diese sollen aber schnellstmöglich nachgeschickt werden, kündigte der „Stern“-Chefredakteur an.

th mit dpa

Anzeige