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Reuters Digital News Report

Weniger Interesse an News, aber mehr Zahlungsbereitschaft

Foto: Imago/imagebroker

Viele deutsche Internetnutzer verlieren das Interesse an aktuellen Nachrichten im Netz, auch das Vertrauen in Online-Nachrichten geht zurück. Das sind Ergebnisse des Digital News Report 2022 des Reuters Institute. Ebenfalls auffällig: Der Anteil derjenigen, die Nachrichten aktiv vermeiden, ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Hoffnung für Redaktionen machen die Daten zur Zahlungsbereitschaft.

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Dem Bericht zufolge interessieren sich nur noch 57 Prozent der erwachsenen Internetnutzer für Information über das aktuelle Geschehen – ein Rückgang von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei 18- bis 24-Jährigen ist sogar ein Rückgang von 19 Prozent zu beobachten: Nur noch 31 Prozent dieser Altersgruppe interessieren sich für aktuelle News. Trotz dieses Rückgangs bleibt der Anteil derjenigen, die mindestens einmal wöchentlich Nachrichten konsumieren, stabil auf dem hohen Vorjahres-Niveau (92 Prozent). Erstmals informierten sich mehr Menschen über digitale Kanäle als über das Fernsehen. Jüngere nutzten dabei vorrangig soziale Medien, insgesamt dominierten aber die Digitalauftritte klassischer Nachrichtenangebote.

Einen stark ansteigenden Trend gibt es bei der Gruppe derjenigen, die aktiv den eigenen Nachrichtenkonsum beschränken oder vermeiden. 65 Prozent aller Nutzenden tun dies mindestens gelegentlich. Themenmüdigkeit vor allem im Zusammenhang mit der Coronapandemie, aber auch das Hervorrufen schlechter Laune und Erschöpfung seien hierfür die Hauptgründe. Junge Menschen seien dazu oft nicht von der Nützlichkeit und persönlichen Relevanz von Nachrichten überzeugt, beziehungsweise fürchteten Streitigkeiten, die aus dem Nachrichtenkonsum entstehen könnten.

Nachrichten-Vertrauen geht leicht zurück, Zahlbereitschaft steigt

Nach einem kurzen Vertrauens-Hoch in Nachrichten allgemein während der Pandemie-Jahre 2020 und 2021, ist der Trend in diesem Jahr wieder rückläufig. In Deutschland sei zu Beginn des Jahres 2022 die Hälfte der erwachsenen Onliner der Ansicht gewesen, man könne dem Großteil der Nachrichten in der Regel vertrauen, heißt es im Report. Damit liegt der Wert zwar 3 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert, aber 5 Prozentpunkte über dem Vor-Corona-Niveau. Im internationalen Vergleich bedeutet das einen Platz im oberen Drittel hinsichtlich des Nachrichtenvertrauens.

Ein Hoffnungsschimmer für Redaktionen in Deutschland liefern die aktuellen Zahlen zur Zahlungsbereitschaft, die deutlich gestiegen sind: 14 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr einen gebührenpflichtigen Online-Nachrichtendienst genutzt zu haben (2021: 9 Prozent). Auch hier legte die junge Zielgruppe besonders stark zu – um 14 Prozent auf 23 Prozent. Am beliebtesten seien Abonnements bzw. Mitgliedschaften.

Studie in 46 Ländern durchgeführt

Die Studie basiert auf insgesamt 93.432 Befragten aus 46 Ländern auf sechs Kontinenten. Für die deutsche Teilstudie ist das Hamburger Leibniz-Institut für Medienforschung verantwortlich. Detaillierte Ergebnisse der Studie für den deutschen Markt veröffentlicht das Leibniz-Institut am heutigen Mittwoch auf seiner Website.

Die Befragung wurde im Januar und Februar 2022 durchgeführt und deckt damit nicht den Zeitraum nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ab. Gerade in den ersten Tagen und Wochen war jedoch ein enormer Anstieg des Nutzerinteresses an aktuellen Informationen zu beobachten (MEEDIA berichtete).

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