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Wochenrückblick

Elon Musk bei Mathias Döpfner: Roboter und Atomkraft? Ja bitte!

Tesla-CEO Elon Musk hat Springer-CEO Mathias Döpfner eine Audienz gewährt. Dabei gab es den erwartbar bunten Themenstrauß. Gleichzeitig muss sich der große Vorsitzende mit einer Schwarze-Kassen-Affäre und Plagiatsvorwürfen zu seiner Doktorarbeit herumärgern. Fynn Kliemann wird von Jan Böhmermann als windiger Corona-Geschäftemacher entlarvt. Und Offene Briefe füllen viele Zeitungs- und Magazin-Seiten. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Als Fynn Kliemann in dieser Woche eine Konfro-Anfrage des „ZDF Magazin Royale“ auf Instagram öffentlich machte, hielt ich das zunächst noch für einen vielleicht nachvollziehbaren PR-Schachzug, um einer negativen Darstellung durch Jan Böhmermann entgegenzuwirken. Böhmermann und sein „ZDF Magazin Royale“ bewegen sich seit dem Wechsel ins ZDF-Hauptprogramm auf der Grenze zwischen Comedy und investigativem Journalismus. Das führt dazu, dass die hart recherchierten Stücke im Duktus des Comedians vorgetragen werden. Die Vorwürfe kommen so häufig noch härter und auch einseitiger rüber, als in klassischen Medien. Vorbild ist dabei erkennbar die US-Show „Last Week Tonight“ mit John Oliver. Wenn man sich das Böhmermann-Video zu Kliemann, das in der Nacht zum Freitag online ging, anschaut, wird aber sofort klar, dass Böhmermann und sein Team hier einen echten Scoop gelandet haben.

Sie überführen Kliemann und seine Geschäftspartner mit zahlreichen Belegen, während der heißen Pandemie-Phase schmutzige Maskendeals gemacht zu haben. Gesichtsmasken wurden scheinbar in der EU produziert, in Wahrheit aber in Bangladesh und Vietnam. Dazu habe sich Kliemann noch mit besonderer Menschenfreundlichkeit gebrüstet. Das Video ist eine einzige Vernichtung. Das ist auch darum bemerkenswert, weil Kliemann eigentlich in der „Bubble“ um Böhmermann zu verorten war. Kliemann hat mit Böhmermanns Podcast-Partner Olli Schulz eine gemeinsame Netflix-Produktion über die Renovierung des alten Hausboots von Gunter Gabriel gemacht. Kliemann war auch schon bei Böhmermann zu Gast. Man kennt sich. Dass Böhmermann trotzdem so gar keine Beißhemmung hat, ist nicht unbedingt selbstverständlich in der Medienlandschaft. Aber umso lobenswerter.

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Der große Vorsitzende des Axel Springer Konzerns, Mathias Döpfner, interviewte mit Elon Musk einen der ganzen Großen der US-Tech-Szene. Döpfner ließ sich seinerseits ja schon mal von Mark Zuckerberg befragen. Jetzt also Elon Musk, der zur Presse sonst ja ein eher Geht-So-Verhältnis hat. Aber mit MD kann er auf Augenhöhe plaudern. Im übertragenen Sinne natürlich. Dabei liefert Musk zuverlässig ab. Es geht um Kernenergie („Es ist völliger Irrsinn, sie abzuschalten. Ich will es ganz klar sagen: völliger Irrsinn.“), humanoide Roboter („Optimus ist überall einsetzbar, eine Art Arbeitsdroide.“) und natürlich das Springer Leib-und-Magen-Thema „Freiheit“ (Döpfner: „Ist Freiheit für Dich einer der wichtigste Werte in der Gesellschaft?“ Musk: „Nein, ich denke, nicht tot zu sein ist es.“). Die vorab veröffentlichten Zitate versprechen ein im Musk’schen Sinne interessantes Gespräch. Genau wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wurde auch Tesla-CEO Elon Musk schon mal mit dem Axel Springer Award bewienert. Diese Art der Premium-Kontaktpflege zahlt sich hinterher offensichtlich auch in besonderen Zugängen aus. Gezeigt wird das Interview am morgigen Samstag um 15.15 Uhr bei Welt TV.

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Anderswo ist es für Mathias Döpfner nicht ganz so kuschelig. Das „Handelsblatt“ rührt beständig in der aktuellen „schwarze Kassen“-Affäre bei Axel Springer herum. Die Staatsanwaltschaft wirft einer mutmaßlichen „Bande“ um den früheren Springer-Logistikchef vor, den Medienkonzern mithilfe eines Scheinrechnungssystems um mehr als sechs Millionen Euro betrogen zu haben. Dabei sollen u.a.Spediteure Touren abgerechnet haben, die sie niemals gefahren sind. Der Ex-Manager sprach laut „Handelsblatt“ vor Gericht auch von der Überwachung von Briefkästen, Transporten von Oldtimern sowie Tischen und Kunstwerken, die für Vorstände organisiert worden sein sollen. Die Rede sei auch von einer „konspirativen Wohnung am Potsdamer Platz“ für einen hochrangigen Springer-Manager gewesen. Belege bisher Fehlanzeige. Gut klingt das alles aber nicht. Von Springer-Seite wurde eine Mitwisserschaft von Vorstand und Aufsichtsrat dementiert. Es handle sich bei den Anschuldigen des Ex-Mitarbeiters um „Schutzbehauptungen“. Und am Freitag berichtet der „Spiegel„, dass Plagiatsjäger nun in der Doktorarbeit von Mathias Döpfner fündig geworden seien. Sie werfen Döpfner vor, abgeschrieben und bei den Literaturangaben gegen wissenschaftliche Standards verstoßen zu haben. Die Goethe-Uni in Frankfurt hat eine Prüfkommission eingerichtet. Springer ließ dem „Spiegel“ ausrichten, Döpfner habe „volles Vertrauen in die Arbeit der Kommission der Universität Frankfurt.“ Den Finanzinvestoren von KKR wird so schnell nicht langweilig mit ihrem Engagement bei Axel Springer.

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Das anachronistisch wirkende Format des „Offenen Briefs“ erfreut sich aktuell großer Beliebtheit und füllt reichlich Seiten. Zuerst veröffentlichte Alice Schwarzers „Emma“ einen Offenen Brief, unterzeichnet von 28 „Intellektuellen und KünstlerInnen“, die den „sehr geehrten Herrn Bundeskanzler“ Olaf Scholz aufforderten, Wladimir Putin doch jetzt nicht noch mehr mit schweren Waffen zu provozieren. Der Mann hat schließlich Atomraketen! Daraufhin gab es reichlich Aufregung und in der „Zeit“ einen weiteren Offenen Brief von Intellektuellen an den „sehr geehrten Herrn Bundeskanzler“, doch bitte genau das zu tun. Also schwere Waffen liefern. Unterdessen bekam zumindest eine Unterzeichnerin des ersten Offenen Briefs kalte Füße und schrieb gleich eine Art Rücktrittsartikel in der „Süddeutschen“. Da hatte die dann auch wenigstens was davon.

Nun können ja die Intellektuellen gerne diverse Ansichten vertreten und auch Zeitungsseiten vollschreiben. Aber kann man dabei nicht wenigstens dieses Format „Offener Brief“ endlich mal beerdigen? Den „sehr geehrten Herrn Bundeskanzler“ erreichen die Debatten sicher auch so.

Schönes Wochenende!

PS:

Im Podcast „Die Medien-Woche“ gibt es mal wieder eine Interviewfolge. Kollege Christian Meier von der „Welt“ hat ausführlich mit Sebastian Turner gesprochen. Was der Ex-Werber, Ex“Tagesspiegel“-Herausgeber und Medienunternehmer über den Zustand und die Perspektiven des Journalismus zu sagen hat, ist super interessant! Es freut mich, wenn Sie reinhören …

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