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Erhebung zu Frauen-Anteil

Gleichstellung im Rundfunk: RBB und die Deutsche Welle schneiden gut ab

Patricia Schlesinger – Foto: rbb

Der Anteil an Frauen in journalistischen Führungspositionen des Rundfunks in Deutschland ist in den vergangenen drei Jahren gestiegen. Eine Parität wird allerdings nur von wenigen Sendern erreicht. Das geht aus einer ProQuote-Studie hervor.

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Vor allem im privaten Rundfunk und im Bereich der Sportberichterstattung sind die Zahlen jedoch enttäuschend – das sagt der Verein ProQuote Medien, der sich für die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern einsetzt.

Seit 2018 ermittelt der Verein, wie die Führungspositionen im deutschen Rundfunk besetzt werden. Nun wurden aktuelle Zahlen erhoben und mit der ersten Studie verglichen. „Wir freuen uns, wie weit einige Sender auf ihrem Weg zur Parität gekommen sind. Das ist ein ermutigendes Signal“, sagt Edith Heitkämper, Vorsitzende von ProQuote Medien.

Bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten und bei der Deutschen Welle waren 2021 im Durchschnitt knapp 44,7 Prozent der Stellen in der Programm- und Redaktionsverantwortung weiblich besetzt, gewichtet waren es 43,4 Prozent (ohne Arte). 2018 lag der durchschnittliche Anteil noch bei 37,7 Prozent (ohne Arte).

Zwei Sender kommen über 50 Prozent

Zwei Sender erfüllen die ProQuote-Forderung von 50 Prozent Frauen in Führungspositionen im Bereich der Programm- und Redaktionsverantwortung: der RBB (57,4 Prozent) und die Deutsche Welle (50,8 Prozent). Bis auf den HR (29,4 Prozent) und den SR (36,1 Prozent) erreichen alle öffentlich-rechtlichen Sender laut Zählung einen Frauenmachtanteil – wie ProQuote das nennt – von mindestens 40 Prozent Die stellvertretende Intendantin des Hessischen Rundfunks, Gabriele Holzner, nannte auf einer Podiumsdiskussion Gründe für den Rückgang. „Wir haben in den letzten Jahren massiv Stellen abgebaut.“ Viele Stellen seien nicht wieder besetzt worden. Das könne übergangsweise dazu führen, dass die Quote zunächst sinkt..

Grundlage der Zählung waren Organigramme und Selbstauskünfte der elf öffentlich-rechtlichen Sender sowie der Deutschen Welle. ProQuote gewichtet die Zahlen nach Hierarchieebene. Die Position der Intendantin etwa fließt vierfach gewertet in die Zählung ein. Davon profitiert also zum Beispiel der RBB. Patricia Schlesinger steht seit 2016 als Intendantin an der Spitze, ihre zweite Amtszeit begann 2021. Erhoben wurden die obersten vier Hierarchieebenen im Bereich der Redaktions- und Programmverantwortung.

Privater Rundfunk liefert wenig Informationen

Der private Rundfunk stellte keine Organigramme zur Verfügung, sodass die Studie vergleichbar aussagekräftige Werte nicht darstellen kann, so der Verein. Die vorliegenden Zahlen basieren also auf öffentlich zugänglichen Informationen. Demnach ist der Anteil an Frauenführung bei RTL im Zuge der Fusion mit Gruner+Jahr weiter gesunken, im programmrelevanten Top-Management waren mit 13,8 Prozent kaum Frauen vertreten.

Gering ist der Einfluss von Frauen auch auf Inhalte und Gestaltung in der Sportberichterstattung. In den Leitungspositionen der Redaktionen dominieren weiterhin Männer. Das gilt sowohl für den öffentlich-rechtlichen als auch für den privaten Rundfunk.

Für ProQuote-Vorsitzende Heitkämper sind Gleichberechtigung und Diversität „nicht überall ein selbstverständlicher Teil der Unternehmenskultur“.

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