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Gegen Sexismus

Ad Girls-Manifest von neun weiteren Agenturen unterzeichnet

Isabel Gabor und Lisa Eppel

Isabel Gabor und Lisa Eppel (v.l.) vom Ad Girls Club – Foto: Valerie Schmidt

Der Ad Girls Club, der gegen Sexismus in der Werbebranche kämpft, hat weitere neun Agenturen von seiner Idee überzeugt. Das Manifest unterschrieben haben unter anderem die Thjnk-Gruppe sowie AKQA und Oberüber Karger.

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Mit der Thjnk-Gruppe haben auch die Agenturen Loved, Upljft und 24/7 das Manifest des Ad Girls Clubs unterschrieben. Diesen Schritt ebenfalls gegangen sind zum Beispiel die alteingesessene Dresdner Agentur Oberüber Karger und die junge Münchener Agentur Social Media Piraten. Insgesamt haben das Manifest jetzt 30 Agenturen unterzeichnet. Im Februar war die Group M mit ihren Medianetworks hinzugekommen – ein echtes Schwergewicht in punkto Branchenrelevanz. Von der Fahne gegangen ist allerdings GGH Mullen Lowe (MEEDIA berichtete).

Den GGH-Fall nehmen die beiden Club-Aktivistinnen Isabel Gabor und Lisa Eppel zum Anlass, beitrittswillige Agenturen genauer als früher unter die Lupe zu nehmen. Eppel sagt: „Grundsätzlich waren wir schon immer vorsichtig beim Aufnahmeverfahren und haben in der Vergangenheit auch schon Agenturen nach dem Chemistry Meeting abgelehnt. Trotzdem muss man immer im Hinterkopf behalten, dass keine Agentur perfekt ist und jede Agentur ihre Schwierigkeiten hat. Was wir jetzt aber vielleicht verstärkt machen ist, noch mehr auf die Zwischentöne zu achten und härter nachzuhaken, wenn sich am falschen Ort ein ‚aber‘ einschleicht. Außerdem bedarf es natürlich trotzdem jedes Mal eines Vertrauensvorschusses an die jeweilige Agentur – und den geben wir auch gerne!“ Nur so könne der Club den Mitarbeitern helfen und möglichst viele Agenturen unter dem Manifest versammeln.

Umfrage in Agenturen dankbar angenommen

Wenn in der Community negative Erfahrungsberichte über eine Agentur die Runde machen, dann ist es für den Club klar, diese Informationen ernst zu nehmen. Gabor: „Wir positionieren uns schließlich eindeutig als Vertreterinnen der Mitarbeiter*innen. Daher führen wir in einem solchen Falle neben dem Chemistry Meeting auch eine Mitarbeitendenbefragung in der jeweiligen Agentur durch. Das hilft uns, den Status-Quo zu evaluieren, die Größe des Problems zu definieren und natürlich zu schauen, ob die intern gelebten Werte wirklich zu unseren Werten passen. Bis jetzt sind diese Umfragen übrigens auch immer sehr dankbar angenommen worden und teilweise sogar von Agenturen angefordert, über die wir nichts Negatives gehört haben.“

Der Ad Girls Club wurde vor fast zwei Jahren von Eppel und Gabor ins Leben gerufen und seitdem von ihnen angeführt. Die beiden leisten Aufklärungsarbeit über Social Media und haben Lösungen für Mitarbeiter und Agenturen erarbeitet, um die Branche nachhaltig fairer zu gestalten. So haben sie gerade ein erstes Netzwerktreffen abgehalten, in dem es um die Themen „Teilzeit und Karriere“ (von Kolle Rebbe vorgetragen) und „Jobsharing“ (von Ressourcenmangel vorgetragen) ging. Zudem planen Eppel und Gabor Mitte des Jahres eine Branchenumfrage zu Sexismus und Fairness in der Branche, die vom GWA-Verband unterstützt wird.

„Safespace“ dank Unterschrift

Mit der Unterzeichnung geht das Commitment zu einer Frauenquote von 50 Prozent, Lohngleichheit, der Vereinbarkeit von Kind und Karriere, vertraulichen Ansprechpartnern und genderneutraler Sprache einher. Eine Unterschrift kommt einem Statement gleich, dass die jeweilige Agentur ein „Safespace“ für Betroffene ist – und nicht für Verursacher. Im Falle von Sexismus hätten Mitarbeiter also nicht nur eine klare Haltung von der Agentur zu erwarten, sondern im Notfall auch den Ad Girls Club als zusätzliche Instanz.

Das Ad Girls-Manifest mit allen Agenturen, die unterschrieben haben – Foto: Ad Girls Club

Eppel und Gabor: „Gleichzeitig fördert das Manifest den Austausch zwischen den Agenturen. So darf Haltung kein Wettbewerb sein. In quartalsweisen Treffen werden daher alle Agenturen an einen digitalen Tisch versammelt, um über die unterschiedlichen Herausforderungen der Branche zu diskutieren und Erfahrungswerte zu teilen, um bestmögliche Lösungen zu erarbeiten.“

Auf die richtige Haltung kommt es an

Die richtige Haltung sei das Allerwichtigste, Sexismus komme in jeder Agentur vor. „Wichtig ist, wie damit umgegangen wird. Wie offen man Vorfälle ansprechen kann. Wer beschützt wird – und wer nicht. Das schlimmste ist, wenn das Problem einfach ignoriert wird und so getan, als würde es die eigene Agentur nicht betreffen“, so Gabor.

Als einen Erfolg verbuchen die beiden die nicht mehr ganz so stark männerdominierten Jurys des diesjährigen ADC-Festivals. Waren die Jurys im vergangenen Jahr nur mit rund 20 Prozent Frauen besetzt, so liegt dieser Wert 2022 bei 31,5 Prozent – haben Eppel und Gabor ausgerechnet.

rk

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