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Mr. Media

Miniverse oder Metaverse? Schluss mit dem Rätselraten!

Thomas Koch – Zeichnung: Bertil Brahm

Das Metaverse. Wird es meta-relevant? Oder mini und unbedeutend? Die Experten sind sich uneins. Dabei sprechen alle Zeichen eine klare Sprache. Schluss mit dem Rätselraten!

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Es gibt kaum JournalistInnen auf diesem Planeten, die noch keinen Artikel über das Metaverse, das gehypte Web 3.0, geschrieben haben. Jeder beginnt mit Fragen und endet mit Fragen. Damit ist jetzt Schluss. Es gibt eine Antwort.

Anfänglich gehörte auch ich zu den Skeptikern: Was soll das? Wessen Problem löst es? Warum sollten sich Milliarden ins Metaverse begeben, wo es doch Games und Social Media satt und überhaupt alles im Internet in Übermaß gibt. Die Liste der Zweifler ist lang. „Time“: „The Metaverse is solving a problem that doesn’t exist“; BBC: „Second Life, a tale told twice“; „Horizont“: „Das Metaverse ist vielen bekannt, der Mehrwert jedoch unklar“.

Was wissen wir? Kein Unternehmen, das auf sich hält – Coca Cola, Sony, Lego, Nike, Adidas, Louis Vuitton, Gucci & Co – hat nicht schon Millionen in seinen Metaverse-Auftritt investiert. In Shops, Stunts, Grundstücke, Veranstaltungen – you name it. Gartner prognostiziert, dass 2026 ein Viertel der Menschheit eine Stunde täglich im Metaverse verbringt und ein Drittel aller Firmen Produkte und Services bereitstellen. Citibank spricht gar von fünf Milliarden Nutzern bis 2030 und einem Wirtschaftswert von bis zu 13 Billionen Dollar. Jeder vierte Deutsche weiß bereits, was Metaverse ist, 40 Prozent können sich vorstellen, es zu nutzen und zwei Prozent waren schon „drin“.

„Mir geht es um die Meta-Ebene. Daumen rauf oder Daumen runter?“

Klar ist: Metaverse bringt Verdrängung. Gleichzeitig zwei Milliarden aktive Facebook-Nutzer wird es parallel nicht geben. Ich will aber nicht darüber sinnieren, was wir mit der neuen Virtualwelt anstellen. Mir geht es um die Meta-Ebene. Daumen rauf oder Daumen runter?

Deshalb Szenenwechsel: Wir schreiben das Jahr 1995. David Letterman interviewt einen jungen Mann namens Bill Gates zum Internet und fragt ihn, was das soll und warum die ganze Aufregung. Gates gestikuliert wild und schwärmt von E-Mails, Baseball-Übertragungen im Internet und Statistiken zu Autorennen. Letterman macht seine Witzchen darüber. Genauso wie heute viele nicht verstehen, was Metaverse überhaupt soll. Die Situation ist dieselbe, der Ausgang auch.

Damit ist erwiesen, dass das Metaverse unser Leben ebenso beherrschen wird, wie das Internet es damals heraufbeschwor, oder? Ein paar Widersprüche müssen noch ausgeräumt werden: z.B. die Gartner-Prognose zum Jahr 2026, wenn selbst Meta zugibt, dass noch fünf bis zehn Jahre vergehen, bis die Technologie steht.

Jetzt kann nur noch eins dazwischenkommen. Etwas, das die Erbauer wohlweißlich ignorieren: den Energiebedarf. Die Rechenleistung, die das Meta-Universum benötigt, ist unvorstellbar: Sie muss um das 1.000-fache gesteigert werden. Dann hat iTunes-Erfinder Tony Fadell recht, dass die Investitionen ins Metaverse dem lebenswichtigen Thema Klima sprichwörtlich die Energie entziehen: „Das Metaverse ist eine falsche Wahl. Es ist eine Abzweigung von Ressourcen. Entweder ist man Teil des Problems oder Teil der Lösung. Wenn man in das Metaversum investiert, ist man Teil des Problems.“ 

Fazit: Das Metaverse kommt, ist aber falsch. Unsere Welt hat Wichtigeres verdient.  


Thomas Koch hat im Media-Biz eigentlich schon alles gesehen. Er wird trotzdem nicht müde, gegen die Unsitten und Missverständnisse seiner Branche anzuschreiben.

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