Anzeige

NDR-Info

Drosten und Ciesek verabschieden sich vom Corona-Podcast

Christian Drosten und Sandra Ciesek verabschieden sich vom "Coronavirus-Update" Podcast

Christian Drosten und Sandra Ciesek verabschieden sich vom "Coronavirus-Update" Podcast des NDR – Foto: Imago

Nach 113 Folgen und 135 Millionen Abrufen ist Schluss. Die Virologen Christian Drosten und Sandra Ciesek gehen zwei Jahre nach der ersten Folge beim NDR-Info-Podcast „Coronavirus-Update“ von Bord. Das Format wird fortgeführt.

Anzeige

Mit der Folge vom 29. März haben sich Christian Drosten und Sandra Ciesek in einer letzten gemeinsamen Folge von dem NDR-Info-Format „Coronavirus-Update“ verabschiedet. „Ich habe das Gefühl, dass die Orientierung in der Pandemie da ist“, sagte Christian Drosten bereits Anfang März. In der letzten Folge erklärt Drosten zur aktuellen Lage: „Die Situation ist deutlich besser geworden, aber sie ist nicht komplett aufgelöst. Wir sehen, dass im Moment die Krankenhaus-Aufnahmen relativ linear ansteigen, gleichzeitig sehen wir eine Umverteilung in die älteren Altersgruppen. Das heißt, wir werden auch wieder mehr Intensivbetten voll haben und auch wieder mehr Todesfälle sehen in der nächsten Zeit, vielleicht bis etwa Mitte Mai.“ Sandra Ciesek berichtet aus der eigenen Erfahrung mit Blick auf die hohen Infektionszahlen dass es im eigenen Krankenhaus kaum noch Mitarbeiter gebe, „vor allem keine mit Schulkindern, die noch nicht infiziert waren oder gerade in Quarantäne oder Isolation sitzen. Das ist natürlich fatal für kritische Infrastruktur, wenn zu viele auf einmal ausfallen.“ Auch wenn die Maskenpflicht vielerorts fällt, hoffen die Experten auf eine Art asiatischer Höflichkeit, dass die Maske nicht nur bei eigenen Symptomen sondern auch in Sozialsituationen aus Höflichkeit getragen werde.

Erste Folge „Coronavirus-Update“ am 26.2.2020

Mit der letzten Folge endet, was vor etwas mehr als zwei Jahren gestartet ist. Am 26. Februar 2020, kurz nach dem Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland, launchte NDR Info das Wissensformat rund um die aktuellen Entwicklungen um Covid–19 mit Professor Christian Drosten, dem Leiter der Virologie an der Berliner Charité, als Gesprächspartner. Im Verlaufe der Pandemie wurden die Corona-Mutationen genauso debattiert wie gesundheitspolitische Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sowie alle Fragen rund um die Impfung.

15 Millionen Abrufe nach einem Monat – der Erfolg des „Coronavirus-Update“

Das Format, das anfänglich unter der Woche sogar jeden Tag erschien, wurde aus dem Stand zu einem großen Hörererfolg. Gegenüber MEEDIA erklärte der Erfinder des Coronavirus-Updates, Norbert Grundei, „Think Audio“-Leiter und Head der Audio-Strategy beim NDR, dass der Podcast allein nach einem Monat bereits mehr als 15 Millionen Abrufe verzeichnen konnte. „In der ARD Audiothek belegen die Folgen immer Top-Platzierungen. Bei Apple Podcasts sind wir seit dem 28. Februar nonstop auf Platz 1. Allein in den Top 10 der Folgen sind dort sechs Folgen aus unserem Podcast“, sagte Grundei im März 2020 zum Erfolg des Formats. Bei Spotify lag man damals auf Platz 2 hinter dem Unterhaltungspodcast „Fest und Flauschig“. Ende 2020 wurde der Podcast laut NDR Info bereits 100 Millionen Mal abgerufen, insgesamt zählt der Sender 135 Millionen Abrufe abgerufen, die Folgen können auf mehr als 1400 Seiten Skript nachgelesen werden.

So kam Christian Drosten zum Corona-Podcast

Im Interview mit MEEDIA erzählte Grundei auch, wie es damals überhaupt zu dem Podcast kam. Seine Grundidee zum Start der Pandemie damals: „Wie wäre es, wenn wir mit diesem ausgewiesenen Experten einen Podcast machen könnten, in dem er uns täglich den aktuellen Stand in Sachen Corona geben kann?“. Es sollte eben kein Ratgeber-Podcast sein, es sollte um wissenschaftliche Informationen gehen, „auf deren Grundlage jede Hörerin und jeder Hörer gute Entscheidungen für sich selbst treffen kann“.
Christian Drosten habe Grundei damals einige Wochen zuvor „zum Thema Coronavirus in mehreren Sendungen gesehen und fand ihn als Gesprächspartner sehr interessant“.

Das ganze MEEDIA-Interview mit Norbert Grundei, dem Erfinder des „Coronavirus-Update“ können Sie hier lesen: 

„Ich habe besseres zu tun“

Mit seiner Expertise war Christian Drosten nicht nur im Corona-Podcast des NDR gefragt, sondern auch in als Berater in den bundespolitischen Entscheidungen zur Coronapolitik. In dieser Funktion geriet er im Mai 2020 in die mediale Kritik. Große Bekanntheit erreichte die Auseinandersetzung mit der „Bild“-Zeitung, als Drosten selbst eine Anfrage des Blattes auf Twitter öffentlich machte, die seiner Meinung nach nur eine tendenziöse Berichterstattung zum Zweck hatte. (MEEDIA berichtete) Zum geflügelten Wort wurde sein letzter Satz der Absage: „Ich habe Besseres zu tun.“

Nachdem der Podcast in über 30 Folgen werktäglich erschien, wurde der Rhythmus kurzeitig auf alle zwei Tage verlängert und dann auf zweimal die Woche reduziert. Ab Folge 49 erschien das „Coronavirus-Update“ einmal pro Woche. Im September des ersten Pandemiejahres stieß Professorin Sandra Ciesek, die Leiterin der Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt, als weiterer Gesprächsgast dazu, mit Drosten wechselte sie sich im Wochenrhythmus ab. Außerdem gab es später Folgen mit weiteren Gästen. 

Aktuell ist die 111. Folge des Corona-Podcasts live, mit den Sonderfolgen kommt das Format bis Ende März auf mehr als 130 Folgen. Am 15. März soll noch einmal Sandra Ciesek zu Gast sein. In der Abschiedsfolge am 29. März werden laut NDR beide „ihr vorläufiges Schlusswort“ sprechen.  

Grimme Preis und weitere Auszeichnungen für das „Coronavirus-Update“

Der Podcast hat mehrere Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Grimme Online Award 2020 in der Kategorie „Information“ und den Publikumspreis. Das Team wurde mit dem Preis der Bundespressekonferenz 2020 geehrt. Ende 2020 erhielten Norbert Grundei, Korinna Hennig, Katharina Mahrenholz und Anja Martini vom „Medium Magazin“ eine Auszeichnung in der Kategorie Team. Ciesek und Drosten wurden als Hochschullehrer des Jahres geehrt. 

Es geht weiter für den Corona-Podcast

Trotz des Abschieds von Ciesek und Drosten geht es mit dem „Coronavirus-Update“ mit Sonderfolgen mit anderen Expertinnen und Experten weiter. Und: „Als Gesprächspartner bei aktuellen Entwicklungen bleiben Drosten und Ciesek der Redaktion grundsätzlich erhalten“, schreibt der NDR.

Update am 30.3.2022

Anzeige