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Krise im Verleger-Verband

Funke Mediengruppe verlässt den BDZV

Funke-Chefin Julia Becker und Springer CEO Mathias Döpfner

Funke-Verlegerin Julia Becker, Axel Springer-CEO Mathias Döpfner – Foto: Funke Mediengruppe / Axel Springer

Die Funke Mediengruppe verlässt den Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) Ende des Jahres. Funke-Geschäftsführer Christoph Rüth hat das in einem Schreiben an die drei Vize-Präsidenten des BDZV angekündigt. Vorausgegangen war ein Streit über die Rolle von BDZV-Präsident Mathias Döpfner.

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Über Döpfners Rolle als BDZV-Präsident war diskutiert worden, seit bekannt wurde, dass er in einer Textnachricht deutsche Journalisten, die nicht zu Springer gehören, als „Propaganda-Assistenten“ bezeichnet hatte. Döpfner hat die Formulierung später als überspitzt bezeichnet und sich entschuldigt, das BDZV-Präsidium stellte sich hinter ihn.

Nach Enthüllungen der „Financial Times“, wonach Döpfner frühzeitig von Vorwürfen gegen den ehemaligen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt gewusst hat und versuchte, Ermittlungs-Ergebnisse von der Öffentlichkeit fernzuhalten, bekam die Debatte um seine Rolle als Präsident neue Fahrt.

Zuerst zog sich Madsack-Chef Thomas Düffert als Vize-Präsident des BDZV zurück. Dann forderte Funke Döpfner in einem Schreiben offen zum Rücktritt auf (MEEDIA berichtete). Stattdessen stellte sich die BDZV-Führung weiter hinter Döpfner und bot Funke-Verlegerin Julia Becker die frei gewordene Position als Vize-Präsidentin an (MEEDIA berichtete).

Nun zieht Funke Konsequenzen. Die Essener Mediengruppe hat ihre Mitgliedschaft beim Verband fristgerecht zum 30. Juni gekündigt. In seinem Schreiben, das MEEDIA vorliegt, erklärt Funke-Geschäftsführer Christoph Rüth, Julia Becker lehne das Angebot, Vize-Präsidentin zu werden, „dankend ab“. Im Brief erwähnt Rüth zudem, dass Julia Becker immer wieder auch „im direkten Austausch mit Herrn Döpfner“ stehe. Das Vertrauen Funkes in in „die Veränderungsbereitschaft des geschäftsführenden Präsidiums“ sei durch die Entwicklung der vergangenen Wochen nicht gestärkt worden. Funke hatte neben der Rücktrittsforderung zudem ein Strategie-Papier eingebracht, in dem eine grundlegende Reform des BDZV angemahnt wurde.

Rüth verweist in seinem Brief an die drei Vize-Präsidenten Christian DuMont Schütte, Jan Dirk Elstermann und Valdo Lehari auf die Gesprächsbereitschaft von Seiten Funkes: „Nicht zuletzt meinen wir mit unserem Diskussionspapier und meinen Beiträgen während der Delegiertenversammlung gezeigt zu haben, dass wir an einem konstruktiven und offen Austausch über die Zukunft des Verbandes ehrlich interessiert sind.“

Den Verband bringt der Austritt Funkes in Bedrängnis. Die Gruppe ist einer der größten Beitragszahler im Verband und einer der wichtigsten Zeitungsverlage des Landes.

Zunächst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über den Austritt Funkes beim BDZV berichtet.

swi

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