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Gastbeitrag

Wie Startups die deutsche Medienlandschaft verändern

Stephanie Schuhknecht –

Seit Jahren kämpfen konventionelle Medien mit sinkenden Auflagen und Umsätzen. Doch daneben gibt es einen weiteren Trend: Junge, frisch gegründete Unternehmen, die mit der klassischen Startup-Mentalität die konventionelle Medienlandschaft aufmischen. Die bayerische Grünen-Landtagsabgeordnete und Medienrätin der BLM, Stephanie Schuhknecht, sieht hier eine große Chance.

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Von Stephanie Schuhknecht

Laut des Startup Monitors 2021 sind zwar lediglich 2,6 Prozent der Startups im Bereich der Medien angesiedelt. Damit ist die Branche im Vergleich zu Gründungen in anderen Bereichen verschwindend gering. Gleichwohl wäre es zu kurz gedacht, dass sie keinen Einfluss haben: Durch ihre neue Herangehensweise können junge Unternehmen langfristig die deutsche Medienlandschaft verändern.

Zur Autorin

Stephanie Schuhknecht ist seit 2018 Mitglied des Bayerischen Landtages und Medienrätin der BLM. In ihrer Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist die Augsburgerin für den Themenbereich Startup und Gründerszene zuständig. 

Zum Beispiel hat sich die Nutzung von Medien in den letzten Jahren stark gewandelt. Auch die Gewinnung von Informationen findet immer stärker auf Social Media statt, durch Algorithmen sind wir es zudem auch immer stärker gewohnt, Inhalte zu erhalten, die speziell zu unseren Interessen passen. Personalisierung und kuratierte Inhalte lauten die zwei Schlagworte. Dies machen sich nun neue Unternehmen zu nutze: Statt allgemeiner Themenberieselung und undurchsichtigen Auswahlkriterien durch Algorithmen der großen Plattformen liefern sie Online-Content und Social Media Services, die die User*innen interessieren und diese erhalten ein Themenportfolio, das sie selbst aktiv steuern und auswählen können.

Ein weiterer Faktor ist mehr Diversität: In den Inhalten als auch unter den Medienanbieter*innen. Wie unter anderem eine Umfrage des Media Lab Bayern zeigt, ist mit einer der Hauptantriebe für Gründer*innen im Medienbereich, Themen und Meinungen, die bislang wenig Beachtung finden, verstärkt nach vorne zu stellen. Dass das nicht nur von Macher*innen und Konsument*innen erwünscht ist, sondern auch die Medienlandschaft einfordert, zeigt beispielsweise die Vergabe des Grimme Online Awards der letzten Jahre. 2021 wurden die Macher*innen des Podcast „190220 – ein Jahr nach Hanau“ ausgezeichnet, weil er einen neuen Blick auf die tragischen Geschehnisse möglich machte. 2020 gewann mit „Karakaya Talks“ ein Talkshow-Format, das unterrepräsentierten Gruppen eine Plattform bietet. 

Möglich wird dies unter anderem durch neue Finanzierungsmodelle. Statt einer einfachen Paywall, setzen junge Unternehmen auch auf ihre Community. Diese bezahlt für Inhalte, die sie wirklich betreffen. In den USA haben das Medienmacher*innen, wie etwa die „Washington Post“ schon erkannt und setzen beispielsweise auf Membershipmodelle und Communitybuilding. 

Große Chance für Startups

Gerade angesichts der aktuell bestehenden Konzentration auf wenige Verlagshäuser, denen eine Vielzahl von Angeboten untersteht, haben Startups eine große Chance, um mehr Sichtweisen zugänglich zu machen. Gleichwohl gilt, dass selbstverständlich journalistische Standards auch bei jungen Unternehmen bleiben, insbesondere in Zeiten, in denen Fake News ein immer größeres Problem darstellen. Laut Umfragen kommen aber auch viele der Gründer*innen im Medienbereich bereits aus dem Journalismus und verfügen damit auch die notwendige Berufserfahrung. Auch die Bekämpfung von Fake News selbst, ist eine Mission, die sich einige Medien-Startups auf die Fahne schreiben. Medienhäuser wie der BR oder WDR kooperierten beispielsweise mit dem Startup Factfox. Das in Augsburg ansässige Startup „Volksverpetzer“ erhielt Auszeichnungen, wie Blogger des Jahres und den Augsburger Medienpreis.

Es ist mehr als deutlich, dass Gründungen in dem Bereich durchaus einen positiven Beitrag leisten – und da sie, um zu bestehen, stärker am Puls der Zeit sind, für eine frische Brise in der Medienlandschaft sorgen können. Damit dies auch gelingt, brauchen die Unternehmen einen guten Start. 

Es ist aber auch klar, dass es einen neuen Anlauf beim Thema Presseförderung braucht! In der letzten Legislatur hatte die alte Bundesregierung einen Versuch gestartet, bei dem der finanzielle Ausgleich für die Verlage mit Print-Publikationen im Mittelpunkt stand. Es sollten künftig auch Angebote mit alternativen Geschäfts-, und Finanzierungsmodellen gefördert werden, zum Beispiel nicht-profitorientierter oder online-basierter Content. Außerdem braucht es einen zeitlich befristeten Innovationsfonds für den digitalen Umbau bei bestehenden Angeboten, und Unterstützung bei Neugründungen. Das ist ein komplexes und schwieriges Unterfangen, weil es das Ziel der Staatsferne zu Recht gibt, um die Unabhängigkeit der Medien zu erhalten. Gleichzeitig müssen rechtliche Hürden überwunden werden. Uns als Politik bleibt also nichts anderes übrig, als dieses Thema von Grund auf neu auszurichten. Wie das – neben den schon genannten Ideen – konkret gelingen könnte, zeigt ein ausführliches Gutachten des Mainzer Medieninstitutes.

Als Landesabgeordnete mit dem Schwerpunktthema Startupförderung und als Mitglied des Medienrates sehe ich es als meine Aufgabe an, die Vielfalt in der Medienlandschaft zu ermöglichen und die bereits bestehenden Initiativen von Bund und Land zusammenzubringen. 

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