Anzeige

Sexismus in Agenturen

Elf weitere Agenturen unterzeichnen Sexismus-Manifest des Ad Girls Clubs

Isabel Gabor und Lisa Eppel

Isabel Gabor und Lisa Eppel (v.l.) vom Ad Girls Club – Foto: Valerie Schmidt

Nach der Veröffentlichung des Manifests zur Selbstverpflichtung gegen Sexismus im Oktober 2021 treten jetzt weitere elf Agenturen dem Manifest bei – zusätzlich zu den bisherigen sechs. Zu den Neuen gehören Network- und Inhaberagenturen mit unterschiedlichen Leistungsschwerpunkten.

Anzeige

Hinter dem Manifest steht der Ad Girls Club mit seinen beiden Gründerinnen Lisa Eppel und Isabel Gabor. Nach der Club-Gründung 2020 haben die zwei Initiatorinnen vor allem auf Instagram und LinkedIn auf Sexismus in der Werbewelt aufmerksam gemacht. Im Oktober 2021 dann haben sie das Manifest mit sechs unterzeichnenden Agenturen veröffentlicht (MEEDIA berichtete).

Es soll Agenturen die Möglichkeit geben, sich zu einer „klaren Haltung sowie wichtigen Maßnahmen für eine fairere Branche zu bekennen“, heißt es von Aktivistinnen. Mit der Unterzeichnung des Manifests geht das Commitment zu einer Frauenquote von 50 Prozent, Lohngleichheit, der Vereinbarkeit von Kind und Karriere sowie vertraulichen Ansprechpartnern einher. Nach der Bekanntgabe des Manifests samt den mitmachenden Agenturen habe es eine Welle von Agenturanfragen gegeben, auch das Manifest unterzeichnen zu wollen. Elf neue sind bis dato hinzugekommen, 20 weitere Agenturen stünden aktuell auf der Warteliste.

Zu den elf neuen Agenturen gehören:

● DDB & Tribal

● Designplus

● GGH MullenLowe

● House of Yas

● La Red

● Muehlhaus Moers

● Ogilvy

● Philipp & Keuntje

● Social Match

● We Do Communication

● Wysiwyg

„Wir freuen uns, dass wir eine so große Bandbreite an Agenturen für unser Manifest gewinnen konnten. Jede Agentur hat unterschiedliche Herausforderungen – und teilweise auch schon Lösungen. Der Austausch mit anderen Agenturen ist ein so elementar wichtiger Punkt beim Kampf gegen das strukturelle Problem und wir sind uns sicher, dass jeder davon profitiert“, sagt Eppel.

Laut Gabor gab es 2021 viele Lippenbekenntnisse und Versprechungen von Agenturen: „2022 müssen jetzt die Taten folgen. Der Wandel muss spürbar werden – für die Branche und alle Mitarbeitenden. Das schafft keine Agentur allein, sondern nur im Kollektiv.“ Für eine große Schlagkraft will der Ad Girls Club daher möglichst viele Agenturen hinter der Idee des Manifests versammeln.

„Wir wollen anhand eines Fragenkatalogs herausfinden, welche Haltung die Agenturführung hat und wie ehrlich sie es mit unseren Punkten meint.“

Isabel Gabor

Dabei achten die zwei Gründerinnen nach eigenen Angaben „sehr genau“ auf die Werte und Haltung der einzelnen Agenturen. Unter dem Motto „Vertrauen statt Pinkwashing“ werden alle Agenturen vor der Aufnahme auf das Manifest einer „gründlichen Prüfung unterzogen und müssen in einem Chemistry Meeting überzeugen“.

Vor Manifestunterzeichnung Prüfung auf Herz und Nieren

Gabor: „Der gesamte Prozess verläuft nur dann positiv, wenn er von großem gegenseitigen Vertrauen getragen ist. Wir wollen zum Beispiel von den Agenturen wissen, wie bei ihnen die „Gender-Pay-Gap“ aussieht und welche Frauen-Männer-Quote sie auf den einzelnen Personalebenen haben. Da sind wir natürlich auf ehrliche Antworten angewiesen. In einem Chemistry Meeting, an dem von der Agenturseite die Geschäftsführung und die Diversity-Beauftragten teilnehmen, wollen wir anhand eines Fragenkatalogs herausfinden, welche Haltung die Agenturführung hat und wie ehrlich sie es mit unseren Punkten meint.“

Eppel fügt hinzu: „Wenn wir uns beim Chemistry Meeting noch kein klares Bild von der Agentur machen konnten oder wir negative Erfahrungsberichte von Mitarbeitenden erhalten haben, starten wir zusätzlich noch eine Umfrage unter den Mitarbeitenden der Agentur. Hier können wir herausfinden, wie es hinter den Kulissen ausschaut und wie Mitarbeitende den Status quo einschätzen.“

Dass Sexismus in Agenturen unverändert verbreitet ist, das machten neulich zwei Artikel in der „Zeit“ deutlich. Darin geben mehr ein Dutzend Frauen zu Protokoll, welche Form von Sexismus sie erlebten, wie wenig sie dagegen tun konnten und dass sie als Konsequenz kündigten. Beim Punkt Kündigung sollte jeder hellhörig werden. Immer wieder – und gerade in diesen Tagen – ist darüber zu lesen, wie schwierig es Agenturen haben, Personal zu finden und zu halten. Ein sexistisches Arbeitsklima und ein entsprechender Ruf der Agentur hilft hier sicherlich nicht. Laut Gabor und Eppel berichten einige Mitarbeitende davon, dass sie nur dann eine Stelle antreten wollen, wenn die betreffende Agentur das Manifest unterzeichnet hat.

Wieder eine ADC-Schniedeljury in diesem Jahr?

Einen großen Bekanntheitsschub erlebte der Ad Girls Club im vergangenen Frühjahr, als der ADC seine Jury für den Kreativwettbewerb vorstellte. Die Jury war zu rund 80 Prozent von Männern besetzt, und schnell machte der Begriff der „Schniedeljury“ die Runde. Im Gegensatz zum GWA ist der Ad Girls Club mit dem ADC nicht in Gesprächen. „Wir hoffen, dass die Jury sich in diesem Jahr zumindest etwas paritätischer zusammensetzt als 2021. Wir wollen nicht gegen den ADC agitieren, sondern mit dem Kreativenclub zusammen etwas verbessern. Aber wenn die Jury wieder so einseitig besetzt wird, dann werden wir mit unserer Meinung auch nicht hinterm Berg halten.“

Hier einige Statements von Agenturen, die neu unterzeichnet haben

„Das Manifest ist gut. Und ehrlich gesagt, ist es überfällig. Es reicht aber auch nicht, es gut zu finden und zu unterschreiben. Bei uns ist das Manifest der Beginn von mehr Reflektion und neuen Lernprozessen, die in unsere Kultur einfließen werden“, so Jessica Avenell, Gleichstellungsbeauftragte bei Philipp und Keuntje.

„Gender Equality und der Kampf gegen Sexismus sind elementare Bausteine unserer DE&I Strategie. Deshalb freuen wir uns sehr auf die Zusammenarbeit mit dem Ad Girls Club“, so Björn Bremer, CEO von Ogilvy.

„Niemand ist völlig frei von Sexismus. Auch nicht in unserer Branche. Wenn Einzelne sich dieser Tatsache bewusst sind und versuchen, aktiv dagegen zu arbeiten, ist das gut. Wenn wir das als Branche gemeinsam tun, ist das tausend Mal besser, und wird schneller mehr bringen. Deshalb freuen wir uns, als Unterzeichner des Manifests unsere Verantwortung klar zu machen“, so Nina Jünemann, CSO bei GGH MullenLowe.

Anzeige