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TV-Debüt von "Stern TV" am Sonntag

Warum RTL-Co-Chef Stephan Schäfer die Markenführung überdenken sollte

Frauke Ludowig und Nikolaus Blome präsentierten die Sonntags-Ausgabe von "Stern TV" – Screenshot: RTL

„Stern TV“ soll nach der Übernahme von Gruner + Jahr durch RTL häufiger über den Bildschirm flimmern. Das könnte der Marke schaden, wenn die redaktionelle Führung nicht aus einer Hand erfolgt, meint MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski.

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Stephan Schäfer hat sich viel vorgenommen. Der RTL-Co-Chef will in Köln ein neues Medienreich mit 1.500 Journalisten schaffen, die multimedial arbeiten. Die Redakteure sollen alle Medienmarken auf mehreren Absatzkanälen bestücken. Damit soll die Mediengruppe RTL Deutschland mehr Umsatz und Gewinn erwirtschaften. 

RTL-Co-Chef Stephan Schäfer muss die Markenführung überdenken, findet MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski – Illustration: Bertil Brahm

Teil des Konzepts ist es auch, die Print-Marken des von RTL erworbenen Zeitschriftenhauses Gruner + Jahr verstärkt ins Fernsehen zu übertragen – so soll die Promi-Zeitschrift „Gala“ im Sommer einen TV-Ableger bekommen. Und auch „Stern TV“, das seit Jahren am Mittwoch ausgestrahlt wird, soll seine Bildschirm-Präsenz verstärken. Künftig bekommt das Format am Sonntag einen zusätzlichen Sendeplatz. Die Idee, die G+J-Marken verstärkt im Fernsehen zu zeigen, um sie bekannter zu machen, ist sicherlich richtig. Denn das bringt RTL viele Vorteile: Leser, die von den TV-Formaten begeistert sind, greifen vielleicht verstärkt zum Gedruckten. Und auch die AdAlliance kann so Printanzeigen und Werbespots besser crossmedial verkaufen. 

Doch Schäfer sollte deutlich behutsamer vorgehen, um die Marken nicht zu schädigen. Das zeigt die völlig misslungene Sonntags-Premiere von „Stern TV“ mit Politik-Chef Nikolaus Blome und der Society-Fachfrau Frauke Ludowig. Um zur Prime-Time möglichst viel Quote zu machen, holten die RTL-Macher nicht nur inspirationslos den Klassiker „Der heiße Stuhl“ aus der Mottenkiste. Viel schlimmer: Sie holten sich mit Marcus Fuchs einen bekennenden Anhänger der „Querdenker“-Bewegung ins Studio. Viele Kritiker regten sich auf, dass „Stern TV“ einem Corona-Leugner eine solche Plattform bot, zumal die Moderatoren der Sendung mit der Thematik überfordert schienen. 

Doch das nicht das einzige Problem. RTL-Co-Chef Schäfer spaltet mit dem weiteren Sendeplatz hausintern die Redaktionen. Er schafft einen Graben auf zwischen der Produktionsgesellschaft I&U, die seit Jahren die Mittwoch-Ausgabe journalistisch verantwortet, und der RTL-Redaktion in Köln, die die „Stern TV“-Spezials am Sonntag produziert. Diese Doppel-Strategie kann auf Dauer nicht gut gehen. Beide Redaktionen haben eigene Vorstellungen wie sie das bekannte TV-Format entwickeln. Sorgt Schäfer hier nicht für eine redaktionelle Einheit, schadet er der Marke „Stern TV“ und damit auch der Marke „Stern“ schwer. Auch der Absatz des gedruckten „Stern“ wäre betroffen, falls sich weitere Fehltritte des sonntäglichen TV-Formats wiederholen.

Das fehlgeschlagene TV-Debüt von „Stern TV“ am Sonntag sollte Schäfer eine Lehre sein, die redaktionelle Führung einer Marke zu konzentrieren. Dies sollte er auch bei allen anderen Marken des Hauses beherzigen. Gelingt dies nicht, droht der geplante Aufstieg von RTL zum nationalen Medienchampion zu scheitern. 

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