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Wochenrückblick

Sind beim WDR wirklich „irre Nazi-Prepper“ unterwegs?

Das neue Entertainment-Groß-Reich von RTL nimmt Formen an. Bei den Quoten muss sich die neue Strategie des Hauses aber erst noch beweisen. Der WDR geht unter die Prepper. Und Wechsel von der „Taz“ zu Springers „Welt“ sind nicht so ungewöhnlich, wie manche denken. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne

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Das sich neu formierende Groß-RTL hat diese Woche sein Personal-Führungstableau bekanntgegeben. Schau an: Vor allem Männer haben in der neuen RTL-Welt das Sagen. Die beiden Ober-Alpha-Männchen Stephan Schäfer und Matthias Dang sind sich nach der Einverleibung des Verlagshauses G+J sogar so grün, dass sie in Pressemitteilungen nur noch gemeinsam sprechen. Die wörtlichen Zitate stammen dann jeweils von Matthias Dang UND Stephan Schäfer. Das ist eine Unsitte, die in jüngerer Zeit grassiert, nicht nur beim RTL. Irgendwelche Chefs geben gemeinsame Statements ab. Ich dachte, so ein Zitat ist halt was, das eine Person mal gesagt oder geschrieben hat. EINE Person. Oder sagen die Chefs ihres Statements gemeinsam im Chor auf? Hintergrund ist natürlich, dass man dokumentieren will, dass zwischen die zwei Chefs kein Blatt Papier passt und man sich super-einig ist. Was dabei herauskommt sind gestanzte, vielfach weichgespülte Phrasen-Statements im Sinne von „Erlöspotenziale erschließen“, „strategische Prioritäten“, „starkes Führungsteam“, „hohes Maß an Kreativität“ usw. Greta Thunberg würde sagen: „Blablabla“. Über eine Formulierung in dem gemeinsamen Statement bin ich dann doch gestolpert: „Mit diesem Team, ehrlicher Arbeit und gemeinsam mit allen Kolleginnen und Kollegen bauen wir das Medienhaus der Zukunft.“ „Ehrliche Arbeit“? Das ist aber ganz was Neues in der TV- und Entertainmentbranche … kleiner Spaß.

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Nochmal zu RTL: Künftig sollen die Marken des neuen Entertainmentreichs ja ganz dolle verzahnt werden. So soll beispielsweise auch die Marke „Stern“, bei der es im Print ja eher so mittel läuft, stärker im TV präsent werden. Dazu bekommt „Stern TV“ neue Ausgaben zur Primetime, die dann u.a. vom interessanten Gespann Nikolaus Blome / Frauke Ludowig präsentiert werden. Diese Woche konnte man im TV-Programm schon mal beobachten, wie sich die Macher das vermutlich vorstellen. Da durfte „Stern TV“-Moderator Steffen Hallaschka eine ellenlange Strecke zum Thema „So wohnt Deutschland“ moderieren. Mit viel Statistik, Experten, Betroffenen (eine Frau wohnt in einem Wasserturm – huiuiui!) So ein Thema könnte man sich tatsächlich auch auf dem Cover des Print-„Stern“ vorstellen (oder dem „Focus“). Auch gerne in den 90er-Jahren. Nebenan auf Sat.1 räumten sie den TV-Abend auch für eine magazinige Langstrecke frei. Die Sendung hier hieß „Jetzt.Besser-Leben“, Thema: Ernährung. Mit Schützenhilfe von Promis wie Christine Neubauer, die „offen wie nie“ über ihre Diät-Erfahrungen sprach. Wann hat Frau Neubauer eigentlich mal nicht „offen wie nie“ über irgendetwas gesprochen? Egal. Die beiden Sender RTL und Sat.1 entdecken hier den Human-Interest-Magazin-Journalismus vergangener Tage neu. Die Frage ist nur: Interessiert das die Leute? Nun: RTL hatte mit dem „Stern TV“-Spezial und 6 Prozent Marktanteil immerhin die meist gesehene Primetime-Sendung der Privaten an diesem Donnerstag. Die Sat.1-Show ging mit 1,5 Prozent Marktanteil völlig unter. Ein Erfolg für RTL? Geht so. Zum Vergleich: Am selben Tag kam der „Nord bei Nordwest“-Krimi im Ersten auf 28,8 Prozent MA und der ZDF-„Bergdoktor“ auf 21,3 Prozent (im Detail bei uns in Video Daily nachzulesen).

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Beim WDR gehen sie neuerdings unter die Prepper. Der Instagram-Kanal „klima.neutral“, der vom WDR betrieben wird, veröffentlichte Grafiken mit Tipps, wie man sich auf einen Stromausfall vorbereiten kann.

Taschenlampen, Konserven, kann man sich im Prinzip selbst denken. In Social Media triggerte das einige Kritiker des öffentlichen Rundfunks. Lesart: Der WDR gibt Blackout-Tipps, weil wegen der Energiewende Stromausfälle wahrscheinlicher werden. Medien-Anwalt Ralf Höcker schrieb auf Twitter: „‚Die Energiewende wird zu Blackouts führen. Bunkert Wasser, Konserven und Kurbelradios!‘ Was irre Nazi-Prepper schon immer auf Telegram verschwörungstheoretisierten, ist nun WDR-Mainstream.“

Das Zitat „Die Energiewende wird zu Blackouts führen. Bunkert Wasser, Konserven und Kurbelradios!“ fällt allerdings auf dem Insta-Post von „klima.neutral“ gar nicht. Gleichwohl warnt der Kanal in einem anderen Post davor, dass Blackouts durch die Energiewende wahrscheinlicher werden und erklärt auch warum.

Und wer ist beim Draufhauen auf ÖRR-Medien auch gleich zur Stelle? Na, wer? Richtig:

Sonderlich schlau oder erhellend war der Beitrag von „klima.neutral“ jetzt nicht. Aber „irre Nazi-Prepper“-Inhalte sehen dann doch nochmal anders aus. Glaube ich.

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Von der linken „Taz“ zur – naja – konservativen „Welt“. Wie kann man nur? Der bisherige „Taz“-Redakteur Jörg Wimalasena wechselt als politischer Korrespondent zur „Welt“, was auf Twitter für erstauntes Raunen sorgte. Dabei ist das gar nicht so ungewöhnlich. Auch „Welt“-Mann Deniz Yücel war mal bei der „Taz“ und sogar „Welt“-Vize Robin Alexander. Ja, genau der! Obwohl er aussieht, wie ein geborener CDU-Politiker (und vielleicht darum auch immer diese Infos aus CDU-Kreisen durchgestochen bekommt?).

Die „Taz“-Kollegen schrieben dem scheidenden Kollegen dann noch einen netten Abschieds-Artikel.

Ist doch eigentlich prima, wenn Journalisten die „Lager“ wechseln. Gab es das eigentlich mal umgekehrt? Also, dass jemand von Springer zur „Taz“ gewechselt ist? Mir ist kein Fall bekannt. Vermutlich zahlt Springer zu gut und die „Taz“ zu schlecht …

Schönes Wochenende!

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