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"Fatales Signal"

Pro Quote kritisiert Besetzung des neuen Führungsteams von RTL

Edith Heitkämper vom Vorstand des Vereins ProQuote – Foto: NDR/Ulla Brauer

Die neu ernannte Führungsriege bei der Mediengruppe RTL Deutschland stößt auf Kritik. Der Verein ProQuote, der sich für mehr Frauen in Führungspositionen einsetzt, vermisst die Diversität im neuen Management. Dadurch sende RTL ein „fatales Signal“ an die Leserinnen und Zuschauerinnen.

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Jahrelang hatte sich die frühere Verlagschefin Julia Jäkel dafür eingesetzt, dass die operative Führung des Hamburger Magazinhauses Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) von möglichst vielen Frauen besetzt wird. Jetzt – nach der Übernahme des Zeitschriftenunternehmens durch die Kölner Mediengruppe RTL Deutschland – scheint sich der Wind zu drehen und die Bertelsmann-Tochter zu einer Männerdomäne zu werden. So bemängelt jedenfalls der Verein ProQuote, der sich für mehr Frauen in Führungspositionen in Medienunternehmen einsetzt, die fehlende Diversität im neuen Management. „RTL stellt nach der Übernahme von Gruner + Jahr seine oberste Führungsriege komplett ohne Frauen auf. Zurzeit ist noch Julia Reuter, zuständig für Strategie und Personal, dabei, doch wenn sie das Unternehmen Ende April verlässt, ist die Geschäftsführung eine reine Männerriege“, heißt es bei ProQuote. Danach seien im Führungsteam vier Frauen bei achtzehn Männern vertreten. Das seien gerade einmal 18 Prozent. 

Was dem Verein zudem bitter aufstößt: „Alle Chefs und Chefinnen sind weiß“, schreibt ProQuote. Für den Verein steht deshalb fest: „Es ist erschreckend, dass sich ein Medienunternehmen im Jahr 2022 so unmodern, ohne Berücksichtigung von Frauen, ohne jegliche Diversität in der Führung präsentieren kann. Dabei spreche der CEO Stephan Schäfer von einem ‚Medienhaus der Zukunft’“, so ProQuote. Die Vorsitzende Edith Heitkämper ist deshalb empört: „Es ist ein Schritt zurück in die Vergangenheit, wenn man sich an der Spitze rein männlich aufstellt. Gerade Medienunternehmen sollten es besser wissen.”
 
So sende der Medienkonzern „ein fatales Signal an die 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Hause“, so ProQuote weiter. Das sei für den Verein eine nicht nachvollziehbare Botschaft an die Leserinnen und Zuschauerinnen. Dies sei zugleich unverständlich, „da RTL und Ex-Gruner + Jahr mit vielen ihrer Produkte klar auf Frauen ausgerichtet sind. Eine vielfältige Darstellung von Wirklichkeit auch mit weiblichen Sichtweisen ist so nicht gefördert.“ Heitkämper hierzu: „Studien zeigen immer wieder: Frauen machen Unternehmen besser. Diversität macht Unternehmen besser. Bis nach Köln zu RTL Deutschland scheint dieses Wissen noch nicht durchgedrungen zu sein. Wir fordern deutlich mehr Frauen in der Verantwortung.“

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