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Springer-Affäre

Springer versuchte, Berichte zum Reichelt-Verfahren zu behindern

Springer-CEO Mathias Döpfner in seiner ersten Videobotschaft an die Mitarbeiter – Screenshot: YouTube

In einer großen Titelstory rollt der „Spiegel“ noch einmal die „Springer-Affäre“ auf. Neu ist dabei der konkrete Vorwurf, dass Springer versuchte, die Berichterstattung von Zitaten aus dem Protokoll des internen Verfahrens gegen Julian Reichelt zu unterbinden. Springer wollte damit nach eigenen Angaben die „Integrität des Verfahrens“ sichern. CEO Döpfner hat sich inzwischen intern bei Mitarbeitern und den betroffenen Frauen entschuldigt.

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Wörtlich heißt es in der „Spiegel“-Geschichte (€):

„Um zu verhindern, dass die ‚New York Times‘ und Zeitungen des Ippen-Verlags Details des Falls vergangene Woche veröffentlichten, schickten die Springer-Rechtsabteilung und eine Kanzlei im Vorwege Drohschreiben an ihren Anwalt: Sie müssten dafür sorgen, dass die Berichte nicht mit Aussagen aus dem Protokoll erscheinen.“

Bei Springer bestätigt man auf MEEDIA-Nachfrage, dass entsprechende Schreiben verschickt wurden. Auf Springer-Seite war man offenkundig der Ansicht, die Frau, bzw. ihr Anwalt Christian Schertz hätten das Protokoll an die Medien weitergegeben. Schertz forderte Springer laut „Spiegel“ seinerseits auf, diese Unterstellung zu unterlassen.

Bei Springer sieht man in der Androhung rechtlicher Schritte wegen einer Veröffentlichung von Auszügen des internen Protokoll dagegen die Wahrnehmung der „Fürsorgepflicht als Arbeitgeber“. Folgendermaßen begründete Springer den Schritt gegenüber dem „Spiegel“:

„Wir wollen und müssen die Integrität des Compliance-Verfahrens und die Rechte aller daran beteiligten Personen schützen, schon aufgrund unserer Fürsorgepflicht als Arbeitgeber. Die Protokolle berühren naturgemäß auch die Persönlichkeitsrechte weiterer Dritter. Die Absicherung der vereinbarten Vertraulichkeit dient also gerade der – auch zukünftigen – Ermöglichung unbefangener und ggf. auch vertraulicher Mitteilungen über eventuelle unternehmensinterne Missstände, die es zu beheben gilt. Den Bruch dieser Vertraulichkeit mit rechtlichen Mitteln nachzuverfolgen richtet sich also nicht gegen Whistleblower, gegen deren Aussagen oder gegen deren Bereitschaft, problematische Vorgänge offen anzusprechen, sondern soll gerade sicherstellen, dass dies auch in Zukunft erfolgen kann.“

Döpfners Entschuldigung

Unterdessen wandte sich Springer-CEO in einer internen Video-Botschaft erneut an die Belegschaft. Erstmals entschuldigte er sich darin bei den betroffenen Frauen und den Mitarbeitern. „Medieninsider“ (€) zitiert ihn mit den Worten:

„Ich bedauere zutiefst, was ihr alle erleben müsst – zuallererst und in besonderer Form die direkt Betroffenen des Fehlverhaltens ihres ehemaligen Chefredakteurs. Das sind die Hauptbetroffenen. Aber es geht mir auch um die vielen indirekt Betroffenen, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bild, die eigentlich nur für diese wunderbare Marke ihr Bestes geben wollen und die seit Monaten Unsicherheit und Angst, Angriffe und Beschuldigungen erleben. Ja, es ist völlig klar: Aus heutiger Sicht mit all dem, was wir heute wissen und was heute zweifelsfrei feststeht, hätten wir uns schon vor einem halben Jahr von Julian Reichelt trennen müssen. Er hat uns belogen und wir haben uns belügen lassen.“

So deutlich hatte sich Döpfner bisher nicht geäußert. Er ging in der neuerlichen Ansprache auch nochmals auf die SMS ein, in der er die Bundesrepublik als auf dem Weg zu einem „DDR-Obrigkeitsstaat“ bezeichnete und Journalisten anderer Verlagshäuser als „Propaganda-Assistenten“:

„Wer mich kennt, weiß, dass beide Auffassungen natürlich nicht meine sind. Im Gegenteil. Ich liebe und bewundere den Beruf des Journalisten wie wenig anderes. Und ich kämpfe täglich dafür, dass Journalismus weiterhin in unserer Gesellschaft eine große Rolle spielt. Ich bin jeden Tag froh, in so einem kraftvollen Rechtsstaat zu leben. Aber jeder, der mich kennt, weiß auch: Ich bin emotional und ich liebe es, im öffentlichen Dialog etwas, und im privaten Dialog manchmal sehr, zuzuspitzen. Auch, ich gebe es zu, um einfach lustvoll zu provozieren oder vielleicht auf eine Aktion zugespitzt zu reagieren. Öffentlich gibt es dafür Grenzen, privat sind diese Grenzen weiter. Aber klar, auch in diesem Fall tut es mir leid, wenn sich Kolleginnen und Kollegen dadurch kritisiert fühlen. Das war, ich versichere es euch, natürlich nicht meine Absicht. Es wäre auch ehrlich gesagt ganz absurd, denn ich lebe von und für Journalismus.“

Die getroffenen Aussagen wurden MEEDIA von Springer-Seite in der zitierten Form bestätigt. Döpfners Äußerungen in der SMS waren vielfach scharf kritisiert worden, auch von Verlagen im BDZV, dessen Präsident Döpfner ist (MEEDIA berichtete). Eine erste Video-Botschaft, in der er noch von „Hintermännern“ sprach, die Reichelt hätten zu Fall bringen wollen, war in dieser Woche ebenfalls nicht gut angekommen. Seine neuerlichen Einlassungen sind offenkundig ein Versuch, kommunikativ wieder die Oberhand zu gewinnen. Für die kommende Woche kündigte Döpfner zudem eine Aussprache „in großer Runde“ an.

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