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Ippen.Investigativ

Verleger Dirk Ippen soll Bericht über „Bild“-Chef Reichelt verhindert haben

Verleger Dirk Ippen – Foto: Imago

Wie „Übermedien“ berichtet, soll Verleger Dirk Ippen persönlich einen Bericht der Investigativ-Abteilung seines Hauses über „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt verhindert haben. Die Redakteure protestierten mit einem Brief an den Verleger.

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In dem Brief, der mittlerweile an mehreren Stellen im Netz veröffentlicht wurde, heißt es, man sei „schockiert“ von der Entscheidung. Ippen.Digital-Chefredakteur Markus Knall wird in dem Schreiben mit den Worten zitiert: „Nach intensiver und harter Diskussion hat sich letztlich Dr. Ippen als Mehrheitsgesellschafter und Namensträger klar gegen eine Veröffentlichung ausgesprochen.“ In dem verhinderten Artikel soll es um angebliche Verfehlungen Reichelts im Umgang mit Mitarbeiterinnen und „weitere Missstände“ bei der Axel Springer SE, die vor allem Reichelt beträfen, gegangen sein.

Am gestrigen Sonntagabend sei die breite Veröffentlichung über zahlreiche Ippen-Medien hinweg geplant gewesen. Von Seiten der Redaktionsleitung und der Rechtsabteilung habe es keine Einwände gegen die Veröffentlichung gegeben. In dem Brief heißt es, dass „Springer-Verantwortliche“ im Vorfeld der geplanten Veröffentlichung angerufen hätten. Ein Ippen-Sprecher hat dies gegenüber „Übermedien“ dementiert. Laut Brief sei dies sei aber nicht ausschlaggebend für den Stopp des Artikels gewesen, sondern „Geschmacksfragen“. Unterzeichnet ist der Brief von Ippen.Investigativ-Chefredakteur Daniel Drepper, seinem Stellvertreter Marcus Engert sowie den Reporterinnen Juliane Löffler und Katrin Langhans.

„Übermedien“ zitiert aus einem Verlagsstatement aus dem Hause Ippen, dass mit der Entscheidung der Anschein vermieden werden sollte, „eine publizistische Veröffentlichung mit dem wirtschaftlichen Interesse zu verbinden, dem Wettbewerber zu schaden“. Und weiter: „Unter den derzeit recherchierenden Titeln die ersten zu sein, die die Vorwürfe bringen, scheidet nach der Überzeugung der Gruppe wegen der direkten Konkurrenzsituation einzelner Titel und Angebote zwischen Axel Springer und der Mediengruppe Ippen aus.“

Parallel veröffentlichte die „New York Times“ ein großes Stück des Medien-Kolumnisten und früheren „Buzzfeed News“-Chefredakteurs Ben Smith, in dem Details aus den Ermittlungsprotokollen zur Causa Reichelt veröffentlicht werden. U.a. ist dort die Rede von einer verdeckten Sonderzahlung in Höhe von 5.000 Euro, die er einer Mitarbeiterin gewährt haben soll. Ippen.Digital ist aus dem deutschen „Buzzfeed News“ hervorgegangen, das von Ippen.Digital übernommen wurde.

Im Frühjahr hatte zuerst der „Spiegel“ eine interne Ermittlung bei Springer gegen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt öffentlich gemacht. Dabei ging es um Vorwürfe des Machtmissbrauchs. Nach einer kurzen „freiwilligen Auszeit“ Reichelts wurde die Untersuchung abgeschlossen. Damals teilte das Medienhaus mit, es seien zwar Fehler gemacht worden, Reichelts Verdienste würde diese aber aufwiegen. Im Zuge der Affäre wurde „Bild am Sonntag“-Chefredakteurin Alexandra Würzbach als zweite „Bild“-Chefredakteurin mit der Zuständigkeit für Personalfragen installiert (MEEDIA berichtete).

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