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Offener Brief an den WDR

Solidarität für umstrittene „Quarks“-Moderatorin Nemi El-Hassan

Nemi El-Hassan – Foto: WDR

Der WDR hat die Zusammenarbeit mit der Journalistin und Moderatorin Nemi El-Hassan nach Antisemitismus-Vorwürfen erstmal auf Eis gelegt. Nun melden sich ein paar hundert Unterstützer in einem offenen Brief zu Wort.

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Die Diskussion um die wegen Antisemitismus-Vorwürfen in der Kritik stehende Journalistin Nemi El-Hassan geht in die nächste Runde: In einem offenen Brief solidarisieren sich eine Reihe von Personen mit El-Hassan, darunter vor allem Journalisten, Kulturschaffende, Wissenschaftler und Mitglieder von Organisationen, die sich mit Themen wie Islam oder Rassismus beschäftigen.

Die Journalistin und Medizinerin El-Hassan hätte im November erstmals die WDR-Wissenssendung „Quarks“ moderieren sollen, bis die „Bild“ Teile ihrer Vergangenheit öffentlich machte (MEEDIA berichtete). Unter anderem nahm El-Hassan im Jahr 2014 am antisemitischen Al-Quds-Marsch in Berlin teil. Der WDR hatte die Zusammenarbeit in der Folge erstmal auf Eis gelegt und will den Fall nun prüfen. El-Hassans Vergangenheit wurde in den vergangenen Tagen hitzig diskutiert, auch in den Medien.

Carolin Emcke, Georg Diez und Ralph Ruthe unterzeichnen Brief

„Wir sind entsetzt über die diffamierende und denunziatorische Art, in der diese Diskussion geführt wird“, heißt es im Brief nun. Und weiter: „Nemi El-Hassan hat sich in einem Statement und in einem Interview deutlich zu den Fehlern ihrer Vergangenheit bekannt. Sie hat diese problematisiert, sich von ihnen distanziert, um Entschuldigung gebeten und glaubhaft ihren Wandel dargelegt. Sie setzt sich als Journalistin seit Jahren dezidiert gegen Antisemitismus und Rassismus ein.“

Auf der Liste der Unterzeichner stehen unter anderem die Schriftstellerin Carolin Emcke, der Ex-„Spiegel“-Journalist und heutige Chefredakteur des The New Institute Georg Diez, der Cartoonist Ralph Ruthe, der Pianist Igor Levit, der Journalist und Podcaster Malcolm Ohanwe sowie die Autorin und Aktivistin Kübra Gümüşay, die selbst bereits wegen angeblcher Kontakte zum islamistischen Milieu – unter anderem zur Bewegung Millî Görüş – in der Kritik stand. Gümüşay selbst weist die Vorwürfe zurück*.

Die Unterzeichner vermuten, dass El-Hassan „aufgrund ihrer palästinensischen Herkunft und ihrer muslimischen Identität zur Zielscheibe von Hass und Hetze“ wird und bitten den WDR, „die Entscheidung über die Moderation der Sendung ‚Quarks‘ auf Basis ihrer Qualifikationen und ihrer heutigen Positionen zu treffen und entsprechend die Zusammenarbeit mit Nemi El-Hassan wie ursprünglich geplant wieder aufzunehmen“.

*Hinweis: Dieser Nebensatz wurde nach Verweis von Frau Gümüşay auf ihren Blog im Sinne der Vollständigkeit ergänzt.

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