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Patrick Leibold

Das Gute am destruktiven Chef

Patrick Leibold – Foto: Celebrate / MEEDIA

Einen Choleriker zum Chef zu haben, ist alles andere als lustig. So eine Zeit bringt aber einen Schatz an Erfahrung mit sich, wie man Führung besser machen kann.

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Meine ersten beruflichen Erfahrungen habe ich in einem großen Verlagshaus gemacht. Ich bekam früh Verantwortung und leitete mit Mitte zwanzig eine Abteilung mit 30 Mitarbeitern. Als dann eine neue Herausforderung als CFO eines Startups winkte, war ich absolut entschlossen, den nächsten Schritt zu gehen, und zog dafür aus dem Ruhrgebiet nach München.

Mein neuer Chef war allerdings ein Choleriker, wie er im Buche steht. Er besaß offenkundig keine Empathie, handelte frei von jeder Moral und schien es als richtig anzusehen, sein Team durch viel Druck zu Höchstleistungen anzutreiben. Vor meinem ersten wichtigen Investoren-Meeting gab er mir unmissverständlich zu verstehen, dass er von den Ergebnissen meiner Vorbereitung rein gar nichts halte: Ich solle alles nochmal neu machen und zur Präsentation am nächsten Morgen gefälligst „richtig sauber abliefern“, andernfalls… Da saß ich nun, komplett verunsichert. Funktionierten meine Skills etwa nur im alten Setting, war ich für diesen Job ungeeignet? Schwer auszuloten, denn das einzige Feedback von meinem neuen Chef war nicht konstruktiv, sondern vernichtend. Nach einer Nachtschicht rettete ich mich zwar durch die Präsentation am nächsten Tag, aber die Wochen und Monate danach waren kaum anders.

Dieser cholerische Führungsstil sorgte auch für eine erhöhte Fluktuation im Unternehmen, vor allem erfahrene Mitarbeitende suchten schnell das Weite. Mein Vorgänger ist nach einem halben Jahr gegangen. Die, die geblieben sind, waren jung und dachten wohl, dass diese Atmosphäre der Angst etwas ist, mit dem man eben leben müsse. Denn obwohl dieser Führungsstil allseits bekannt war, hat weder der andere Geschäftsführer noch das Board interveniert.

Nach einem Jahr verließ der Chef das Unternehmen. Seine destruktive Art war allerdings nicht der Grund dafür. Für mich war klar, dass ich so niemals mit Menschen umgehen möchte und ich stattdessen meinen Führungsstil auf Vertrauen und Empowerment ausrichte.

Patrick Leibold verantwortet als Co-CEO die Firmengruppe Celebrate Company.

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