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Jugendsicherheit

Hält Facebook kritische Studien zurück?

Instagram Aufmacher

"Die meiste Zeit fühlt es sich so an, als wäre ich am Limit", sagte ein befragter (männlicher) Teenager den Facebook-Forschern – Foto: Imago PhotoAlto

Das „Wall Street Journal“ wirft Facebook vor, Studien bewusst zurück zu halten, die belegen, dass Instagram junge Menschen negativ beeinflusst. Noch im März hatte Mark Zuckerberg öffentlich ausgesagt, dass Instagram eine positive Wirkung auf die mentale Gesundheit der Nutzer haben kann.

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Je weiter oben, umso dünner die Luft. Verschiedene US-Senatoren haben bei Facebook angefragt, ob es tatsächlich interne Studien gibt, die belegen, dass die Nutzung von Instagram schädliche Wirkung auf Teenager hat. Den Stein ins Rollen gebracht hat das „Wall Street Journal“ („WSJ“) mit einem Bericht vom 14. September.

Darin werden interne Screenshots von Powerpoint-Folien gezeigt, die eben das belegen. Und diesmal hat es Mark Zuckerberg nicht mehr nur mit irgendwelchen Whistleblowern zu tun. Instagrams Chef Adam Mosseri bestätigt die Existenz dieser Studien und stellt sich der Verantwortung: „Das hat für mich nichts damit zu tun, schmutzige Wäsche zu waschen. Ich bin sehr stolz auf diese Forschungen“, so zitiert das „WSJ“ Mosseri. Der Instagram-Chef gab an, sich seit Jahren im Konzern dafür stark zu machen, dass man die eigene Verantwortung gegenüber den Nutzern ernster nimmt.

35 Prozent der britischen und 31 Prozent der amerikanischen Teenager äußerten in einer Umfrage, dass sich die eigene mentale Gesundheit zum Schlechten wendet oder weiter verschlechtert, wenn sie Zeit auf Instagram verbracht verbringen. Das ist auf einem der vom „WSJ“ geleakten Slides zu sehen. Allerdings sagt die Folie auch, dass 40 Prozent der Amerikaner und 25 Prozent der Briten positive Effekte spüren, wenn sie Instagram nutzen.

Junge, weibliche Teenager besonders gefährdet

Die neuerliche Unruhe im Konzern kommt zur Unzeit. Facebook hat im Frühjahr Pläne veröffentlicht, eine neue Plattform für die Unter-13-Jährigen zu starten (Insta or kids). Mark Zuckerberg erntete in den USA dafür einiges an politischem Gegenwind. Als er gefragt wurde, ob es Analysen über die Wirkung von Instagram auf Jugendliche gibt, antwortete er: „Ich glaube, die Antwort lautet Ja“.

Es geht vor allem um junge Mädchen und es geht in erster Linie um deren Wahrnehmung des eigenen Körpers. Die permanente Zurschaustellung, perfekt durchtrainierter und proportionierter Körper von Fitness- und Beauty-Influencerinnen, führt augenscheinlich dazu, dass die jungen Damen zusehends mit dem eigenen Körper unzufrieden sind. Die dem Algorithmus eigene Filterblase sorgt dafür, dass auch die Werbemotive, die diesen Teenagern angezeigt werden, vornehmlich körperbetonte Motive aufweisen.

Das „WSJ“ macht die Analyse auf mit der Teenagerin Anastasia, die, eigener Aussage zu Folge, durch diese Filterblase magersüchtig wurde, weil sie permanent versuchte, den Topmodels nachzueifern. Drei Stunden am Tag verbrachte sie nur mit den perfekten Leben und den perfekten Körpern der Influencer.

Aus einer der internen Folien geht sogar hervor, dass 16 Prozent der befragten englischen Teenager zugaben, dass sie Selbstmordgedanken hatten und dies ebenfalls auf die Schweinwelt Instagram zurückführten. In den USA waren es sechs Prozent.

Facebook im Visier des Senats

Unmittelbar nach Veröffentlichung des „WSJ“-Beitrags meldeten sich zwei US-Senatoren aus beiden Parteien zu Wort. Sie hätten Kontakt zu Whistleblowern und bereits eine offizielle Anfrage an Facebook gestellt.

Facebook selbst reagierte gegenüber dem „WSJ“ mit der Aussage, dass die negativen Effekte nicht alle Nutzer betreffen. Alle nicht, aber viele. Auf einer der Folien steht, dass sich 40 Prozent der befragten User unattraktiv finden. Auch bei den männlichen Teenagern fühlen sich 40 Prozent nach der Nutzung von Instagram unwohl durch den permanenten, sozialen Vergleich.

Adam Mosseri ist der Auffassung, dass es nicht den einen klaren Richtungswechsel gibt, um Instagram zu „reparieren“. Es seien viele kleine Maßnahmen gefordert. Der Abschaffung der Like-Zahlen (optional verfügbar seit Mai), misst er kaum Bedeutung zu. Aber die Forscher von Facebook entwickelten selbst mögliche Lösungswege. Einer führt klar in Richtung Snapchat. Man können mehr mit Spaßfiltern arbeiten, als alles auf das Thema Beauty zuzuspitzen.  

Apropos Snapchat: Der Insta-Wettbewerber hat sich soeben eine prominente neue Sicherheitschefin geangelt. Jacqueline Beauchere ist spezialisiert auf Kinder- und Jugendschutz.


Lesen Sie weiter: Snapchat mit prominenter neuer Sicherheitschefin

Jacqueline Bauchere Snapchat

Die sehr lesenswerte Analyse durch das „Wall Street Journal“ versteckt sich leider hinter der Bezahlschranke.

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