Anzeige

Wochenrückblick

Die Sommerhaus-Mobber sind noch gut im TV-Geschäft

Faszination Bild TV. Wie lange hält man den Konsum des Krawall-Senders eigentlich aus? Ex-„Bild“-Chef Kai Diekmann modelt für ein veganes Magazin. Die Grünen ziehen sich den Hass ihrer Anhänger zu. Und die Ober-Mobber aus dem „Sommerhaus der Stars“ sind nach wir vor gut im TV-Geschäft. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

Anzeige

Ich kann nicht anders, ich bin fasziniert von Bild TV. Der Krawall-News-Kanal, den Axel Springer diese Woche gestartet hat, landete auf meinem Fernseher nach Sendersuchlauf auf Platz 826, direkt hinter Nicer Dicer TV. Das abendliche Einschalten bei der Talksendung „Viertel nach Acht“ wurde in der ersten Sendewoche zu einem Ritual. Mal schauen, wer sich da wieder über „Inzidenz-Irrsinn“, „Gender-Gaga“ oder „Woke-Wahnsinn“ aufregt. Patricia Riekel? Oliver Pocher? Sophia Thomalla? Hans-Ulrich Jörges? Dieser Furor der Moderatoren. Wie lange halten die das durch? Man kann sich doch nicht andauernd GANZ FÜRCHTERLICH AUFREGEN! Irgendwann muss man auch mal durchschnaufen. Das geht sogar mir als Zuschauer so. Mehr als zehn Minuten kann ich weder da, noch bei der „Bild Live“-Strecke tagsüber dranbleiben, dann wird es mir zu bunt, bzw. zu laut. Der echte Test für Bild TV wird die Langstrecke. Man muss es der „Bild“-Redaktion aber auch anrechnen, dass Paul Ronzheimer sobald es ging, nach Kabul geflogen ist, was dann natürlich weidlich ausgewalzt wurde. Weniger Gedöns haben „Spiegel“ und „Zeit“ gemacht, die ebenfalls Reporter nach Kabul schickten. Sie alle wurden jetzt vom US-Militär wieder aus dem Land gedrängelt, was bedenklich ist. Was mir nicht bekannt ist: Dass ARD oder ZDF versucht hätten, Reporter nach Kabul zu schicken. Warum gibt es hier einen solchen Unterschied zwischen den öffentlich-rechtlichen und den privaten Medien?

+++

Auf ganz anderen Wegen ist mittlerweile Ex-„Bild“-Chef Kai Diekmann unterwegs. Statt um Berichterstattung aus Kabul kümmert er sich darum, ob er nun Espadrilles, Sneaker oder Birkenstocks zu den knöchelfreien Jeans trägt. Diekmann posiert in der aktuellen Ausgabe des – Achtung – „Welt Vegan Magazins“ zusammen mit Model-Influencerin Marie von den Benken, die im Heft die Kolumne „Marie trifft …“ befüllt. Frau von den Benken ist schon länger im Kosmos von Diekmann und dessen Agentur Storymachine unterwegs. Im dazugehörigen Text gibt es neben Wortspielen („Jeder will mit Herrn Diekmann sprechen, aber der hat Kai Zeit“) noch die Info, dass KD „erfrischend uneitel“ sei. Da sage noch einer, bei der Lektüre des „Welt Vegan Magazins“ könnte man nix Neues lernen! Aufmerksam gemacht wurde ich auf diese Lektüre von den lieben Kollegen von „Turi2“, die das eine Foto aber, das muss man schon sagen, offensichtlich mit der Kreissäge zugeschnitten haben.

Von Kim Hnzido sind nur Unterleib und Beine übrig geblieben. Und ein Teil des KD-Schädels wurde auch abgesäbelt. Wer das Bild (und viele weitere) in ganzer Pracht sehen will, muss 4,90 Euro für das „World Vegan Magazin“ hinlegen.

Korrektur: Ich habe oben tatsächlich die ehemalige „Germany’s Next Topmodel“-Kandidatin Kim Hnizdo und Marie von den Benken verwechselt. Also: Beine und Unterleib im Turi2-Absäbel-Foto gehören zu Frau Hnizdo und nicht zu Frau von den Benken, wie zuvor fälschlicherweise behauptet. KD hat auf Twitter auf den Fehler hingewiesen:

+++

Hass und Hohn schlugen den Grünen in den so genannten Sozialen Medien für ihren Wahlwerbespot entgegen. Kann ich gar nicht verstehen. Im Spot zeichnen die Grünen eine Art Utopie, in der Menschen verschiedener Berufs- und Gesellschaftsgruppen und verschiedener Hautfarben eine veränderte Version des Volkslieds „Kein schöner Land“ singen: „Ein schöner Land“. Dass schief gesungen wird, ist wohl der Authentizität geschuldet.

Ich hatte den Eindruck, vor allem Anhänger der Grünen finden den Spot doof. Zu klischeehaft, zu anbiedernd an die weiße Mehrheitsgesellschaft. Vielleicht auch zu deutsch? Man könnte denken, die Grünen-Anhänger, die diesen Spot bekritteln, wollen gar nicht, dass die Partei bei der Wahl gut abschneidet.

+++

Eine Beobachtung aus der Welt des Privat-TV: Als vergangenes Jahr viel Gewese um das schlimme Mobbing in der RTL-Sendung „Sommerhaus der Stars“ gemacht wurde, zeigte sich RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm im Interview mit „Übermedien“ anschließen zerknirscht. Die Eskalationen und die gezeigte Aggressivität hätten ihn selbst überrascht. Sturm sagte, die Aggressoren hätten durch ihr Verhalten eher Nachteile im Business: „Und es gibt keine Belohnungsstruktur in unserer Zusammenarbeit mit den Protagonisten. Es sind keine konkreten Folge-Projekte mit den diesjährigen Teilnehmern geplant. Wir machen kein neues Format, weder mit dem Bachelor, noch mit Lou und Lisha, noch mit Georgina, noch mit wem auch immer.“

Naja. Zwar tingeln „der Bachelor“ sowie „Lou und Lisha“ nicht aktuell durchs RTL-Programm, sind aber sehr wohl in Formaten bei Vox (RTL-Gruppe) und RTL Zwei (RTL-Beteiligung) zu sehen. Die Sommerhaus-Mobber sind also nach wie vor ziemlich gut im Geschäft mit der RTL-Gruppe. So läuft wohl das Business.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast „Die Medien-Woche“ diskutiere ich mit Kollege Christian Meier von der „Welt“, wie viel Bild TV noch gut für die Gesundheit ist. Außerdem vergeben wir Punkte für Wahlwerbespots und es gibt ein Interview mit Hans Demmel, der als Selbstversuch eine Zeit lang nur rechte Medien konsumierte. Es freut mich, wenn Sie reinhören!

Anzeige